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Nur eine Fahrspur für Autofahrer?Kölner demonstrieren für Radverkehr auf Mülheimer Brücke

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Das Bündnis Fahrrad-Entscheid Köln demonstriert für eine sichere Verkehrsführung auf der Mülheimer Brücke. 

250 Menschen fordern, dass künftig Autofahrern nur noch eine Fahrspur in jede Richtung zur Verfügung steht

Rund 250 Menschen haben am Sonntag auf der Mülheimer Brücke dafür demonstriert, dass die Verkehrsführung nach Abschluss der Brückensanierung zugunsten von Radfahrern und Fußgängern verändert wird. Die Kundgebung angemeldet hatte Tim Schanze von der Initiative „Fahrrad-Entscheid Köln“, einem Bündnis zahlreicher Gruppierungen und Organisationen sowie Einzelpersonen.

Dessen Forderung lautet, die Autos künftig einspurig über die Stahlseil-Hängebrücke fahren zu lassen und je eine der beiden Fahrbahnen pro Richtung Radfahrern vorzubehalten; die Seitenränder sollten nur noch von Fußgängern genutzt werden. Vor Beginn der Generalsanierung standen je Richtung zwei Autofahrbahnen zur Verfügung. Während der Demonstration war die Brücke für den Autoverkehr gesperrt. Nach den Redebeiträgen drehten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen demonstrativ auf den Autofahrbahnen Runden.

Ich bin völlig überwältigt, wie viele Leute an diesem kalten Januartag hergekommen sind
Tim Schanze, Initiative Fahrrad-Entscheid Köln“

„Ich bin völlig überwältigt, wie viele Leute an diesem kalten Januartag hergekommen sind“, sagte Schanze. Dies sei ein „starkes Zeichen“ gegen die Argumente, mit denen das Anliegen als „Ideologie“ diskreditiert werden solle. Weil der Raum für den nicht nicht-motorisierten Verkehr zu eng bemessen sei, entstünden „regelmäßig gefährliche Situationen“, macht die Initiative geltend.

Eine erneute Freigabe von je zwei Auto-Fahrspuren würde zusätzlichen Autoverkehr anziehen und die Belastung der umliegenden Wohngebiete durch Lastwagen, Lärm und Luftschadstoffe weiter erhöhen. Schanze wies darauf hin, dass vor Beginn der Sanierung die Belastung durch Feinstaubpartikel und Stickoxide enorm gewesen sei. Am Clevischen Ring seien die Grenzwerte regelmäßig stark überschritten worden. Argumente aus der Wirtschaft wie die von Stephan Löcher, die Erreichbarkeit der Lanxess-Arens, deren Chef er ist, dürfe nicht gefährdet werden, begegnete Schanze so: „Es kann nicht sein, dass Menschen in Mülheim früher sterben müssen, damit Leute, die zu Mario Barth wollen, ein paar Sekunden schneller da sind.“

„Schlicht gute Verkehrsplanung“

Fahrradbürgermeisterin Anna Genser forderte eine gerechte Verteilung der Flächen unter allen Verkehrsteilnehmer. Die Streifen an den Seiten der Brücke seien zu schmal dafür, um Radfahrer und Fußgänger gefahrlos gemeinsam darüberzuführen. Den Autofahrern nur eine Fahrbahn je Richtung zu Verfügung zu stellen, um die Situation zu entschärfen und den umweltschonenden Radverkehr zu fördern, sei „keine Ideologie, sondern schlicht gute Verkehrsplanung.“

Vorige Woche hatte das Thema für erhöhte Aufmerksamkeit gesorgt, weil Oberbürgermeister Torsten Burmester es zur Chefsache erklärt hatte. Er schrieb Verkehrsdezernent Ascan Egerer einen Brief mit der Aufforderung, ihn in die Planungen „vorab einzubinden“ und sie „eng“ mit ihm abzustimmen. Damit reagierte er auf Kritik aus der Wirtschaft und Teilen der Politik an Egerer, nachdem dieser zwei Gutachten angekündigt hatte, um die Auswirkungen der Varianten zu untersuchen, wenn der Autoverkehr ein- oder zweispurig fließt. Allerdings hat er sich einer Beschlussvorlage bereits dafür ausgesprochen, eine der beiden Autospuren je Fahrtrichtung in einen Radweg umzuwandeln.

OB macht Thema zur Chefsache

Vom Versuch, „den Verkehrsdezernenten zu entmachten“, sprach Hans-Georg Kleinmann, Mitglied im Vorstand des VCD-Regionalverbands Köln, und mutmaßte, man werde ebenso versuchen, auf Gutachter „Einfluss zu nehmen“. Auch Politiker meldeten sich zu Wort. „Die Chance ist einmalig, und sie muss genutzt werden“, sprach sich der grüne Landtagsabgeordnete Arndt Klocke für den einspurigen Autoverkehr aus. Angela Bankert, die für die Linkspartei im Stadtrat sitzt, kritisierte, gegen Egerer sei eine „Kampagne“ losgetreten worden. Sie ändere nichts daran, dass es eine „Zuständigkeitsverordnung“ gebe, die „nicht durch ein Machtwort des OB außer Kraft gesetzt werden kann“.