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Drei Millionen Mädchen gefährdetKölnerin zeigt Kurzfilm über Genitalverstümmelung in Cannes

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Lea Mende ist Schauspielerin und Produzentin. Ihr Film wird beim „Marché du film“, dem Filmmarkt im Rahmen des Festivals von Cannes, gezeigt. 

Lea Mende ist von ganzem Herzen Kölnerin – und lebt heute in Los Angeles. Sie erzählt vom Filmemachen, Angela Bassett und ihren liebsten Orten in ihrer Heimatstadt.

Es sind wichtige Tage für Lea Mende. Aufregende, vollgepackte Tage. Die Kölnerin zeigt vom 17. bis 20 Mai ihren Kurzfilm „Our Daughters’ Scars“ beim Filmfestival in Cannes – präziser: in der „Short Film Corner“ des  „Marché du film“, in der eben keine Langfilme laufen, sondern die kurze Variante.

Schauspiel in Köln studiert

Mende ist in Köln geboren und wächst hier auf. In Köln geht sie zur Schule, hier studiert sie an der Film Acting School von 2013 bis 2015 Schauspiel. 2015 gewinnt sie eine Greencard für die Vereinigten Staaten, ein Jahr später verlässt Mende ihre Heimatstadt Richtung Kalifornien. Sie lebt in Los Angeles, arbeitet als Schauspielerin und Produzentin und verschiebt allmählich ihren Fokus. „Vor fünf Jahren habe ich damit angefangen, meine eigene Produktionsfirma, Origin Film Productions, aufzubauen. Ich wollte immer auch selbst produzieren“, erzählt sie beim Videotelefonat, das sie von Nizza aus führt.

Eine Szene aus „Our Daughters’ Scars“

Immer tiefer fräst sie sich also rein in das Thema Filmproduktion. Mende schreibt Skripte, führt Regie in Musikvideos und Kurzfilmen, bringt sich selbst die Arbeit an der Kamera bei. Sie arbeitet mit ihrer Firma Origin Film Productions immer wieder für das deutsche Fernsehen, unter anderem begleitet sie für das ZDF die Wahlen in den USA. Mit ihrer Firma fungiert Mende heute auch als Bindeglied, wenn deutsche oder europäische Produktionen in den USA drehen wollen. „Das macht mir Freude, und ich verbinde über die Arbeit meine Heimat mit dem Land, in dem ich jetzt lebe.“

Hybrid-Doku über Genitalverstümmelung

Vor rund anderthalb Jahren fängt die Kölnerin an, an der Doku zu arbeiten, die jetzt dem Film-Fachpublikum in Cannes gezeigt wird. „Our Daughters’ Scars“ erzählt die Geschichte der Somalierin Shamsa Araweelo, die als Kind Opfer von Genitalverstümmelung geworden ist und heute gegen die grausame Praxis kämpft. Es ist eine Hybrid-Dokumentation, ein Mix aus tatsächlichen Aufnahmen der Protagonistin und Animationen. 23 Minuten, die, so beschreibt Mende die Resonanz derer, die den Film schon gesehen haben, die Menschen berühren.

Mehr als 230 Millionen Mädchen und Frauen sind laut aktuellem Unicef‑Bericht (2024) Überlebende von FGM (Female Genital Mutilation) – das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Schätzungen (2016: ca. 200 Millionen). Jährlich sind weitere drei Millionen Mädchen gefährdet, Opfer der Verstümmelung zu werden. Kein einfaches Thema, aber ein hochrelevantes.

Ehrenoscar-Preisträgerin Angela Bassett ist an Bord

Für ihren Film suchte Mende gezielt nach prominenten Unterstützern, um dem Thema mehr Sichtbarkeit zu geben, dachte an und wünschte sich Schauspielerin Angela Bassett. „Meine Firma wandte sich zunächst an Lynnette Ramirez, Präsidentin von Bassett Vance Productions, woraufhin wir Bassett vorgestellt wurden“, erzählt sie. Mende sprach mit Bassett und Ramirez über das Projekt. Und wirklich: Die Ehrenoscar-Preisträgerin und Emmy-Gewinnerin entschied sich, sich als Executive Producerin zu beteiligen. 

Die Kölnerin ist aufgeregt vor dem anstehenden Festival. „Cannes ist für mich das Nonplusultra, das Festival aller Festivals. Ich liebe auch die Berlinale sehr, aber Cannes ist noch einmal anders“, sagt die Schauspielerin. Dementsprechend groß war die Freude, als ihr per Mail mitgeteilt wurde: Ihr seid dabei. Mende und ihr Team wollen den Film in den nächsten Monaten noch bei diversen anderen Festivals vorstellen, irgendwann im kommenden Jahr soll er dann aber auch einem breiteren Publikum gezeigt werden.

Ursprünglich wollte Anna-Lea Mende auf dem Weg von Los Angeles nach Cannes einen Zwischenstopp in Köln machen, das haute dann aber doch nicht hin. „Ich vermisse Köln total“, sagt sie. „Köln ist offen, warm und herzlich. In West Hollywood, wo ich jetzt lebe, ist vieles sehr imagebewusst. Diese direkte, ungefilterte Herzlichkeit aus Köln ist schon etwas Besonderes.“ Auch wenn es jetzt nicht geklappt hat, stehen ein paar Aktivitäten für den nächsten Heimatbesuch schon jetzt fest: Bummeln über die Palanterstraße in Sülz, ein Kaffee bei Köski Royal, Frühstück an der Aachener, ein Kinobesuch im Off Broadway an der Zülpicher Straße.

Lea Mende, Kölnerin in Kalifornien, freut sich schon jetzt.