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Kölns BewerbungOlympia-Stadion in Chorweiler? Eine Begegnung mit Heide Ecker-Rosendahl

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Heide Ecker-Rosendahl, Olympiasiegerin von 1972 in München, und das zehn Jahre alte Nachwuchs-Talent Lukas Börnemeyer.

Heide Ecker-Rosendahl, Olympiasiegerin von 1972 in München, und das zehn Jahre alte Nachwuchs-Talent Lukas Börnemeyer.

In Chorweiler könnte ein temporäres Olympiastadion stehen. Wir haben dort Heide Ecker-Rosendahl und Nachwuchstalent Lukas Börnemeyer getroffen.

Heide Ecker-Rosendahl sieht fit aus, als könnte sie sofort losrennen und noch einmal ein olympisches Finale bestreiten. Ohne ihre legendären rot-weiß-gestreiften Ringelsocken, dafür in knallroten Turnschuhen zum gleichfarbigen Pullover. Erst als es fürs Foto runter in die Startblöcke geht, ächzt die 79-Jährige ein wenig.

Lukas Börnemeyer fällt das deutlich leichter, er grinst verlegen. Sie ist Doppel-Olympiasiegerin der bislang letzten Olympischen Spiele in Deutschland, 1972 in München gewann sie Gold im Weitsprung, Gold mit der deutschen Sprintstaffel und dazu Silber im Fünfkampf. Er ist zehn Jahre alt, ein hochtalentierter Nachwuchs-Leichtathlet beim TSV Bayer 04 Leverkusen – und damit potenzieller Olympiasieger der Zukunft bei den möglichen nächsten deutschen Spielen, die 2036, 2040 oder 2044 in Köln und der Region stattfinden könnten.

Heide Ecker-Rosendahl hat 1972 in München zweimal Gold und einmal Silber gewonnen. Lukas Börnemeyer möchte auch mal Olympionike werden, gern bei Spielen in Köln-Rhein-Ruhr.

Heide Ecker-Rosendahl hat 1972 in München zweimal Gold und einmal Silber gewonnen. Lukas Börnemeyer möchte auch mal Olympionike werden, gern bei Spielen in Köln-Rhein-Ruhr.

Ecker-Rosendahl und Lukas treffen sich auf Einladung des „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Dresenhofweg zwischen Köln Blumenberg und Worringen. Drumherum gibt es nichts als Ackerfläche, auf der gerade das erste Grün sprießt.

Sollte die Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung in den 17 am Olympia-Konzept Köln-Rhein-Ruhr beteiligten Städten beim Bürgerreferendum bis zum 19. April für die Olympiabewerbung stimmen, und sollte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sich dann für Köln und gegen München, Berlin und Hamburg als potenzielle Olympia-Ausrichterstadt entscheiden, und sollte dann auch noch das Internationale Olympische Komitee (IOC) Köln und der Region den Zuschlag geben – ja dann würden auf diesem Acker im Norden Kölns in zehn, 14 oder 18 Jahren in einem temporären Leichtathletikstadion Olympische und Paralympische Spiele eröffnet werden.

Symbolische Staffelstab-Übergabe an die nächste Athleten-Generation

Lukas blickt zweifelnd über das Feld. Heide Ecker-Rosendahl fände das gut und macht deshalb mit bei dieser symbolischen Staffelstab-Übergabe an die nächste Athleten-Generation. Sie hat ihre Medaillen von München mitgebracht, und da werden die Augen von Lukas groß. Ehrfurchtsvoll hält er die Goldmedaille, die Ecker-Rosendahl ihm in die Hand gedrückt hat. „Du kannst sie ruhig umhängen“, sagt sie. Er zögert, steckt dann aber vorsichtig den Kopf durch die Kette. Ihre Enkelkinder hätten früher Wettrennen veranstaltet, erzählt Ecker-Rosendahl. Danach sei Siegerehrung gespielt worden – mit den Münchner Medaillen der Oma. Lukas' Vater Jens macht schnell ein Handyfoto. Für den Opa, den einzigen in der Familie, der Ecker-Rosendahl noch kennt.

Die Entscheidung, dass München 1972 die Spiele austrägt, fiel sechs Jahre vorher in Rom. Rosendahl, damals noch ohne Doppelnamen, war 19 Jahre alt und hatte im Jahr zuvor in Köln ein Sportstudium begonnen und sich in Leverkusen der später legendären Trainingsgruppe von Gerd Osenberg angeschlossen. „Ich war todunglücklich“, erzählt sie: „1964 war Tokio. 1968 Mexiko, das waren schöne Reisen. Damals ist man als junger Mensch ja nicht so viel raus in die Welt gekommen.“

München 1972 waren die Olympischen Spiele der Heide Ecker-Rosendahl

München wurden dennoch die Spiele der Heide Rosendahl. Sie avancierte zur beliebtesten Leichtathletin Westdeutschlands. „Es war toll, ich möchte das nicht missen“, sagt sie: „Mein Popularität, die da mit dran hing, wäre sicher nicht entstanden, wenn das nicht in München gewesen wäre.“

Lukas hätte nichts dagegen, auch mal Olympionike zu werden. Weitsprung und Sprint sind aktuell seine besten Disziplinen. Wie damals bei Rosendahl. Sie hält aber ein Plädoyer für den Mehrkampf. Vielseitigkeit sei wichtig, vor allem in jungen Jahren. „Ich bin gern in den Wettkampf gegangen, ich habe nie gern zugesehen, ich wollte immer mitmachen, das hat mir so viel Spaß gemacht“, sagt sie. Deshalb sei ihr die silberne Medaille für den zweiten Platz im Münchner Fünfkampf auch die liebste, zehn mickrige Punkte haben damals zu Gold gefehlt.

Ecker-Rosendahls Rat an Lukas: „Das Wichtigste ist, Freude am Sport zu haben. Wenn du das im Kopf behältst, kann da was draus werden.“ Schon Ecker-Rosendahls Vater Heinz war Leichtathlet, ihr Mann, John Ecker, hat in der Basketball-Bundesliga gespielt, und ihr jüngerer Sohn Danny Ecker war ein Weltklasse-Stabhochspringer. Dass die Spiele mal wieder nach Deutschland kommen, findet Ecker-Rosendahl vor allem aus einem Grund wichtig und wünschenswert: „Olympische Spiele sind die beste Gelegenheit, um Menschen für den Sport zu begeistern.“