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Abgeschnittene Siedlung in KölnRatsfraktionen erhöhen Druck auf Mobilitätsdezernent Egerer

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Stau in der Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus, die nur noch über eine Zufahrt verfügt

Stau in der Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus, die nur noch über eine Zufahrt verfügt

CDU und SPD kritisieren das Vorgehen von Mobilitätsdezernat Ascan Egerer. In der Siedlung Schönrath gibt es nur noch eine Autozufahrt.

Der politische Druck auf Mobilitätsdezernent Ascan Egerer, in der Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus doch noch eine Ersatzbrücke zu bauen, nimmt zu. Die Ratsfraktionen von CDU und SPD haben sich jetzt aktiv eingeschaltet und fordern eine schnelle Lösung. Egerer lässt, wie berichtet, eine Brücke über der Gleistrasse Köln–Wuppertal abreißen, weil das Bauwerk Am Flachsrosterweg marode ist. Die Stadt Köln nutzt eine Sperrpause der Deutschen Bahn, sodass sie nicht selbst für die Kosten für den Ersatzbusverkehr aufkommen muss. So entsteht ein Nadelöhr, denn die Siedlung lässt sich mit dem Auto nur noch über eine einzige Zufahrt erreichen: über die ohnehin viel befahrene Berliner Straße.

Politik stellt Entscheidung infrage

Eine neue Brücke will die Stadt erst in sechs Jahren bauen, wenn die Bahn die Strecke erneut für eigene Bauarbeiten sperren muss. Zuvor hatte Egerer noch angekündigt, zumindest eine Ersatzbrücke für Radfahrer und Fußgänger montieren zu wollen. Doch die Politiker in der Bezirksvertretung Mülheim waren damit nicht einverstanden. Sie beschlossen, dass die Ersatzbrücke auch für Autos nutzbar sein sollte. Egerer lehnte das ab, er habe kein Budget, um die 700.000 Euro an Mehrkosten dafür zu bezahlen. In der Folge wird es nun überhaupt keine Behelfsbrücke geben – über den Streit soll laut dem Dezernat zu viel Zeit vergangen sein.

Diese Argumentation wollen die Ratsfraktionen von CDU und SPD nicht hinnehmen. „Den Beschluss der Bezirksvertretung jetzt faktisch ins Leere laufen zu lassen, ist ein fatales Signal an die Bezirke und an die Bürgerinnen und Bürger“, sagt Eric Haeming, CDU-Ratsmitglied für Mülheim. Wer eine Brücke abreißt und den Ersatz auf das Jahr 2032 verschiebe, der greife massiv in den Alltag der Anwohnerinnen und Anwohner ein. Die CDU schlägt vor, auf das Verkehrsgutachten für die Mülheimer Brücke zu verzichten und das Geld stattdessen in den Bau einer Ersatzbrücke für Autos in Schönrath zu investieren.

„Politische Beschlüsse sind kein unverbindlicher Vorschlag, sondern ein demokratischer Auftrag“, sagt SPD-Fraktionschef Christian Joisten. Wenn die Verwaltung das ignoriere, beschädige sie das Vertrauen in politische Entscheidungen. „Das akzeptieren wir nicht“, so Joisten. Die SPD fordere daher eine tragfähige Lösung mit „Augenmaß und Verantwortung“. Werde in Höhenhaus keine Ersatzbrücke für den Autoverkehr gebaut, führe das zu mehr Stau, überlasteten Straßen und einer spürbaren Mehrbelastung für die Anwohner.

Zuvor hatten sich bereits Bezirksbürgermeister Vincent Morawietz (SPD) und eine Bürgerinitiative aus der Siedlung Schönrath mit offenen Briefen hilfesuchend an Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) gewandt. „Ich erwarte, dass seitens der zuständigen Fachverwaltung weiter an einer Umsetzung des Beschlusses der Bezirksvertretung Köln-Mülheim gearbeitet wird“, schreibt Morawietz. „Herr Egerer hat das Thema auf Kosten der Anwohner im rechtsrheinischen Köln aus Sicht vieler Betroffener über Monate ausgesessen“, sagt Anwohner Alexander Dick.

Seit Anfang der Woche ist die Brücke Am Flachsrosterweg bereits für den Autoverkehr gesperrt, um den Abriss vorzubereiten. Es bildete sich daraufhin vor allem morgens während des Berufsverkehrs Stau auf der schmalen Straße, weil alle Autofahrer jetzt die einzig verbliebene Zufahrt an der Berliner Straße nutzen müssen.