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Abgeschnittene Siedlung
Auf der Strecke bleiben die Menschen in Köln-Höhenhaus

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Die Brücke der Straße Am Flachsrosterweg in Köln-Höhenhaus über die dortigen Eisenbahngleise wird vorerst ersatzlos abgerissen.

Die Brücke der Straße Am Flachsrosterweg in Köln-Höhenhaus über die dortigen Eisenbahngleise wird vorerst ersatzlos abgerissen.

Ein Dezernent soll umsetzen, was die Politik ihm vorgibt – und nicht selbst Politik betreiben, sagt unser Autor.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mobilitätsdezernent Ascan Egerer dadurch auffällt, dass er Aufträge der Politik ignoriert oder auf seine ganz eigene Art auslegt. Im Rathaus sorgen seine Entscheidungen und seine Alleingänge bereits seit Längerem für Irritationen, zuweilen auch für Verärgerung.

Signal ist nicht angekommen

Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) hatte bereits bei den Vorgängen rund um die Mülheimer Brücke, die nach Egerers Vorstellung für den Autoverkehr einspurig werden soll, eingefordert, stärker eingebunden zu sein. Damit wollte er dem Mobilitätsdezernenten ein deutliches Signal senden, im Team mitzuspielen – angekommen ist es ganz offensichtlich nicht.

Und so sorgt Egerer im rechtsrheinischen Höhenhaus dafür, dass aufgrund einer abgerissenen Brücke und des Verzichts auf einen Ersatzbau eine ganze Siedlung in Zukunft nur noch über eine Zufahrt für den Autoverkehr verfügt. Selbst einem Laien wird sofort klar, dass das nicht funktionieren kann – und schon gar nicht sechs Jahre lang. Solange will der Dezernent allerdings warten, um eine neue Brücke zu bauen.

Auf der Strecke bleiben die 3500 Menschen, die in der Siedlung leben, und auch diejenigen, die rundherum wohnen. Auch der Umgang mit den Politikern in der Bezirksvertretung, deren Beschluss Egerer einfach ignoriert, ist fragwürdig und offenbart ein völlig falsches Verständnis von der eigenen Rolle. Ein Dezernent soll umsetzen, was die Politik ihm vorgibt – und nicht selbst Politik betreiben.

Jenseits davon erweist Egerer dem Ziel, in Köln eine Mobilitätswende herbeizuführen, mit seiner sturen Haltung einen Bärendienst. Denn der Umstieg vom Auto auf die Bahn oder das Fahrrad funktioniert nicht gegen die Menschen. Im Gegenteil: Die Aufgabe besteht darin, sie mitzunehmen. Das wird aber nichts, wenn ein ganzes Dezernat mit Zwang, Tricks und Ignoranz agiert. Das sorgt nur für eines: den Verlust von Vertrauen.