Auch eine Auszibildende im Pflegebereich beteiligte sich an den skrupellosen Taten.
Senioren abgezocktKölner Paar ging mit fremden EC-Karten auf Shopping-Tour

Das frühere Paar auf der Anklagebank, dazwischen Verteidigerin Monika Troll
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Der Aufruf beim Social-Media-Dienst „Instagram“ klang für die Auszubildende vielversprechend. „Wer möchte Geld verdienen?“, schrieb ein Mann, den die Jugendliche aus ihrem Veedel Holweide kannte. Sie hatte Schulden und meldete sich einfach. „Schnelles Geld“ habe man ihr versprochen, „alles ganz normal“. Doch dann habe sie realisiert, dass es nicht um einen legalen Job gehen konnte. Seit Freitag muss sich die junge Frau wegen gewerbsmäßigen Betruges vor dem Kölner Landgericht verantworten – weil sie laut Anklage Mitglied einer Bande wurde, die skrupellos Senioren um ihr Erspartes brachte.
Köln: Auf Shopping-Tour mit erbeuteten EC-Karten
Der Bekannte habe ihr schnell die Anweisung gegeben, sich als „Frau Müller von der Sparkasse“ auszugeben und bei alten Menschen zu klingeln. Zuvor hatte schon ein sogenannter „Keiler“ bei den potenziellen Opfern angerufen. Jemand habe versucht, unberechtigt Geld vom Girokonto abzubuchen, behauptete der falsche Bankmitarbeiter, daher habe man das Konto sperren müssen. Eine Kollegin käme gleich vorbei, um die EC-Karte abzuholen und zu vernichten. In den nun verhandelten Fällen gaben die Senioren im Gespräch mit dem Betrüger auch ihren Karten-PIN preis.
„Frau Müller“ musste dann nur noch die Karten der besorgten Bankkunden entgegennehmen. So im Dezember 2023 bei einem Ehepaar in Zollstock, beide Opfer waren 96 Jahre alt. Die „Abholerin“, so heißt es in der Anklageschrift von Oberstaatsanwältin Ellen Neiß, ging danach mit Komplizen zum nächstgelegenen Geldautomaten am Höninger Weg und hob 1000 Euro ab. Bei einem Juwelier kauften die Täter Waren im Wert von 2500 Euro. Weiter ging es nach Düsseldorf. Auf der Königsallee wurden Schuhe für 900 Euro und Jacken für 2300 Euro mit den erbeuteten Karten bezahlt.
Köln: Angeklagte hat Angst um ihren Ausbildungsplatz
Zwei Tage später der nächste Beutezug. Mit der Bankkarte einer 76-Jährigen aus Mülheim hoben die Täter mehrfach 500 Euro ab – ab Mitternacht wurde jeweils das nächste Tageslimit freigeschaltet, was die Betrüger ausnutzten. Bei einem Juwelier auf der Keupstraße wurde eine Goldkette für 2500 Euro erworben, bei einem weiteren vier Goldmünzen für 1800 Euro. Bei Media Markt und Saturn kauften die Angeklagten jeweils eine Playstation 5 im Wert von 500 Euro. Im Outletcenter Roermond in den Niederlanden wurde ebenfalls geshoppt. Der Schaden in diesem Fall betrug mehr als 12.000 Euro.
Über ihre Verteidigerin Anne Kieven gab die heute 20-Jährige alles zu und äußerte sich in Saal 112 des Landgerichts auch selbst. „Ich habe öfters gesagt, ich will das nicht und habe den Mist dann aber trotzdem gemacht“, sagte sie. Nun habe sie Angst, dass sie ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft verliere. Die hatte die Angeklagte kurz vor dem Start der Taten begonnen, sie steht kurz vor dem Abschluss. Kieven hegte die Hoffnung, dass man eine Jugendstrafe vermeiden könnte. Möglich wäre dann eine Schuldfeststellung oder Sozialstunden. Oberstaatsanwältin Neiß sah dafür keinen Raum.
Köln: 25-Jähriger spricht von Hintermännern in der Türkei
Auch der Auftraggeber (25) legte ein umfassendes Geständnis ab. Anwältin Monika Troll verwies auf das langjährige Drogenproblem ihres Mandanten. „Er übernimmt die Verantwortung für alles und es tut ihm wahnsinnig leid, weil da ältere Menschen zu Schaden gekommen sind“, sagte die Verteidigerin. Der Mandant sei aber nicht der eigentliche Drahtzieher gewesen. Dieser habe in der Türkei gesessen und per Geldtransfer immer die Hälfte der Beute bekommen. Troll verwies auf ein organisiertes System. Es habe noch weitere Hintermänner gegeben, die mitkassiert hätten.
Die ehemalige Lebensgefährtin des Mannes, die ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt, hatte bereits in einem Parallelprozess bekundet, von ihrem Ex-Freund angestiftet worden zu sein. Sie habe sogar weitergemacht, als bereits erste Bandenmitglieder verhaftet worden seien. Auch habe sie ihren Bruder in die Sache hineingezogen, was sie sehr schmerze. „Ich wollte mein Geld immer mit legaler Arbeit verdienen“, beteuerte die 25-Jährige. Durch die Geständnisse dürfte den betagten Geschädigten eine Aussage im Zeugenstand erspart bleiben. Ein Umstand, der sich strafmildernd auswirken dürfte.
