Der 61-jährige Angeklagte erklärte, von der Beute versehentlich 13.000 in einen Altkleider-Container geworfen zu haben.
61-Jähriger gesteht TatNach Überfall auf Möbelhaus in Frechen tausende Euro weggeworfen

Verteidiger Dirk Graf mit dem Angeklagten.
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Erst überfällt ein 61-Jähriger das Möbelhaus, bei dem er knapp 30 Jahre beschäftigt war, und soll dabei laut Anklage rund 40.000 Euro erbeutet haben. Anschließend, bei der Vernichtung von Beweisen, will der Mann nicht nur die Jacke, die er bei der Tat getragen hat, sondern darin versehentlich auch 13.000 Euro der Beute in einem Altkleider-Container entsorgt haben.
Auf die Frage des Vorsitzenden Richters am Landgericht Köln, wie das passieren konnte, sagte der Mann: „Ich war so aufgeregt. Ich bin kein Profi, Herr Vorsitzender.“ Am 2. April soll der 61-Jährige, der sich seit gestern wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung vor dem Kölner Landgericht einem Strafprozess stellen muss, ein Möbelhaus in Frechen, überfallen haben. Maskiert mit Haube und Brille, schwarzer Jacke und mit einer Softair-Pistole vom Typ Beretta bewaffnet, soll sich der Mann in den Verwaltungstrakt der Filiale begeben und dort einen Mitarbeiter bedroht haben.
Polizei fand bei Hausdurchsuchung 14.000 Euro
Dabei soll er dem Mitarbeiter einen Zettel mit folgendem Inhalt vorgehalten haben: „Tresor Open, Money, No Police, Dawey“ — wobei das letzte Wort vermutlich „Dawai“ lauten sollte, was auf Russisch soviel wie „Los!“ oder „Auf geht’s!“ bedeutet. Daraufhin seien der Mitarbeiter und der Angeklagte in das Büro mit dem Tresor-Schlüssel gegangen, wo sich eine weitere Mitarbeiterin befunden habe. Anschließend hätten die beiden Angestellten im Tresorraum den Safe geöffnet, aus dem der Angeklagte rund 40.000 Euro genommen und in eine Tüte gepackt habe, bevor er sich aus der Filiale entfernt habe.
Rund zwei Wochen später stellten Polizeibeamte bei einer Hausdurchsuchung, in deren Rahmen der Angeklagte vorläufig festgenommen wurde, rund 14.000 Euro sicher. Der 61-Jährige räumte den Anklagevorwurf ein. „Die Tat wurde so begangen, wie gerade von der Staatsanwältin vorgelesen wurde“, sagte der Angeklagte. Und weiter: „Ich habe einen Riesenfehler begangen, für den ich mich richtig schäme.“
Als Motiv für die Tat gab er „extreme Geldnot“ an. Ein Konto von ihm sei so gnadenlos überzogen gewesen, dass es bereits gesperrt gewesen sei. Er habe sein Elternhaus nach dem Tod seiner Eltern für rund 350.000 Euro sanieren lassen und sich damit fürchterlich übernommen. Zudem habe er regelmäßig Kokain konsumiert.
Nach der Tat sei er unmittelbar mit dem Auto zur Sparkasse in Hürth gefahren, wo er 9.000 Euro der Beute auf sein gesperrtes Konto eingezahlt habe. Schon auf dem Weg nach Hürth habe er Haube und Brille, die er bei dem Raub getragen habe, ebenso aus dem fahrenden Auto geworfen wie die Handschuhe. Später habe er dann auch die Jacke in Frechen in einem Altkleider-Container entsorgt.
Erst am nächsten Tag habe er bemerkt, dass ein beträchtlicher Teil der Beute fehlte. „Ich hab’ mich aber nicht getraut, den Altkleider-Container aufzubrechen“, sagte der Angeklagte. Dieser habe an einer stark befahrenen Straße gestanden. Ungläubig fragte der Vorsitzende Richter Michael Greve: „Wie, Sie überfallen Ihren jahrelangen Arbeitgeber, trauen sich aber nicht, einen Altkleider-Container aufzubrechen?“ Der Angeklagte erwiderte: „Das war mir zu riskant.“ Der Prozess wird fortgesetzt.
