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Wegfall einer AutospurKölner Stadtrat über Zukunft der Mülheimer Brücke gespalten

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10.07.2025, Köln: Autos können wieder in beide Richtungen über die Mülheimer Brücke fahren. Die Fahrtrichtung Mülheim war 17 Monate lang gesperrt.  Foto: Arton Krasniqi

Die Anzahl der Autospuren auf der Mülheimer Brücke sorgt für eine Kontroverse.

Da es kein festes Ratsbündnis gibt, gilt es, eine wechselnde Mehrheit zu organisieren. Die SPD hat sich bislang noch nicht positioniert.

Während es aus der Kölner Wirtschaft sehr deutliche Kritik an den Plänen von Verkehrsdezernent Ascan Egerer gibt, die Autospuren auf der Mülheimer Brücke dauerhaft zu reduzieren, um einen Radweg zu bauen, ist der Stadtrat gespalten. CDU und FDP/KSG lehnen die Pläne ab, Grüne und Linke begrüßen sie. Die Volt-Fraktion will vor einer Entscheidung erst einmal ein Gutachten abwarten, das der Verkehrsdezernent im eigenen Haus anfertigen lassen will, statt ein unabhängiges Planungsbüro zu beauftragen. Eine Mehrheit für ein Gutachten, wie es Egerer wünscht, ist somit bislang nicht in Sicht. Da es kein festes Ratsbündnis gibt, gilt es, auch in diesem Fall eine wechselnde Mehrheit zu organisieren.

SPD-Fraktion diskutierte bis in den Abend

Bleibt die Frage, welche Position die SPD-Ratsfraktion zur Zukunft der Mülheimer Brücke einnimmt. Entgegen einer Ankündigung von Dienstag, konnte die SPD-Fraktion auch am Mittwoch kein Statement abgeben, da das Thema und der Umgang damit in der Fraktionssitzung diskutiert wurden, die noch bis in den Abend hinein lief.

Norbert Fuchs, der ehemalige Bezirksbürgermeister Mülheims und amtierende SPD-Vorsitzende des Stadtbezirks Mülheim, positionierte sich am Mittwoch hingegen und fand klare Worte: „Es ist schon irritierend, dass sich das Verkehrsdezernat scheinbar bereits auf die aus seiner Sicht beste Variante festgelegt hat, nun aber ein Gutachten gesondert in Auftrag geben möchte, um sich die eigene Meinung bestätigen zu lassen“, sagte er. Das wecke Zweifel an der Ergebnisoffenheit. Mülheim benötige eine gute Anbindung an die andere Rheinseite. „Wir bezweifeln, dass dies mit einer einspurigen Brücke – welche kölnweit einzigartig wäre – möglich ist“, sagte Fuchs.

Güler: „Eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt“

Nachdem die CDU-Ratsfraktion bereits angekündigt hatte, weder einem Gutachten noch einer Umwandlung der zweiten Autospur in einen Radweg zuzustimmen, hat sich am Mittwoch auch CDU-Parteichefin Serap Güler geäußert: „Die Mülheimer Brücke ist eine der wichtigsten Verkehrsadern unserer Stadt. Eine Reduzierung auf eine Spur bedeutet organisierte Staus, Behinderungen für Handwerk, Wirtschaft und Pendler – und schafft keinerlei zusätzlichen Nutzen für den Radverkehr“, sagte sie. Ähnlich äußert sich die gemeinsame Ratsfraktion von FDP und KSG: „Die Idee, eine der wichtigsten Rheinquerungen Kölns einspurig zu machen, ist vollkommen kontraproduktiv und führt zum erheblichen Rückstau“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin Harriet Krüger.

Die Grünen halten dagegen: „Wir setzen uns seit Langem für eine Radspur auf der Mülheimer Brücke ein, um dem wachsenden Radverkehr ein sicheres Angebot zu machen. Die einspurige Führung der Autos hat sich bereits während der Bauzeit bewährt“, sagte Deniz Ertin, Sprecher für Nahmobilität und Logistik. Weitere Unterstützung kommt seitens der Linke: „Wir unterstützen die Umwandlung einer Autospur in einen Radweg, denn wir sind für die Umverteilung des Verkehrsraumes zugunsten des Rad- und Fußverkehrs“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin Angela Bankert.