Der Dom als PflastersteinStudent entwirft Kölner Wahrzeichen für Gehwege – klappt das?

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Pflastersteine in Form des Kölner Doms sind auf einem Gehweg verlegt

Der Domstein: Die Visualisierung eines Gehwegs von Design-Student Aron Metz.

Als Hommage an Köln hat sich ein Student einen Pflasterstein in Domform und einen als Heliosturm ausgedacht. Das sagt ein Handwerker dazu.

Die Kölner lieben ihren Dom – und sorgen sich um ihn, erst recht, wenn er bedroht wird und wie zuletzt ins Visier von Terroristen gerät. Dann ist die Angst um das Wahrzeichen groß. Der Dom inspiriert auch mit seiner Form und dient regelmäßig als künstlerische Vorlage für Nachbildungen aus Garn, Holz oder aus Legosteinen. Emotional diskutierten die Kölnerinnen und Kölner etwa, als die Stadt die Domspitzen aus ihrem Logo entfernt hat.

Nun ist das Repertoire der Dom-Imitationen um eine Idee reicher: ein Pflasterstein in Domform. Den habe es seinen Recherchen nach so noch nicht gegeben, sagt Student Aron Metz. Im Rahmen eines Studienprojekts hat der 28-Jährige Designstudent der Ecosign einen Prototypen hergestellt. „Der Kölner Dom ist als eine der größten Kathedralen der Welt und als Wahrzeichen der Stadt Kölner Identität pur und steht für all die guten Dinge, die Köln ausmachen wie Toleranz, Vielfalt, Freundlichkeit“, so Metz.

Student an der Ecosign: Kurs über schmückende Gestaltung

Angefangen habe alles mit einem Kurs an der Ecosign/Akademie für Gestaltung, in dem es um Ornamente und schmückende Gestaltung in Design und Architektur ging. Behandelt wurde ein Aufsatz aus dem Jahr 1908, in dem der Autor Adolf Loos seine Abneigung gegen schmückende Elemente kundtat. Diese sei, so Loos, „vergeudete Arbeitskraft und dadurch vergeudete Gesundheit… Heute bedeutet es aber auch vergeudetes Material, und beides bedeutet vergeudetes Kapital“, schrieb Loos in „Ornament und Verbrechen“.

Doch Metz findet, und das sei auch der Ansatz des Kurses gewesen, dass schmückende Gestaltung ihre Berechtigung habe. „Bei Ornament denkt man an florale oder kitschige Gestaltung. Aber das muss nicht so sein. Jeder mag zum Beispiel Altbauten und Verzierungen an Häusern, von denen es in Köln nicht mehr viele gibt.“

Architektur und vor allem Pflastersteine seien hier vor allem funktional, letztere meistens quadratisch. „Der Wellenstein oder der Knochenstein sind da schon das Höchste der Gefühle. Es bleibt in der Regel aber immer in einem sehr begrenzten Rahmen, mit sehr wenig Individualität“, so Metz, der seit drei Jahren in Köln lebt und aus Siegen kommt.

Dabei schaue man als Passant oft auf den Boden. „Ich persönlich zähle immer die Steine, achte unbewusst auf Reihenfolgen. Seitdem ich klein bin, zähle ich sie ab und trete beispielsweise manchmal auf einen Stein, lasse zwei Steine Pause und trete auf den nächsten.“

Der Ehrenstein stellt den Helios-Leuchtturm dar

Neben dem Dom hat Metz auch seinem eigenen Veedel – er studiert und lebt in Ehrenfeld – einen Pflasterstein gewidmet: den „Ehrenstein“ in Form des Helios-Leuchtturms. „Der Turm ist ein echter Hingucker, geschichtlich interessant und wird mit Ehrenfeld als Stadtteil identifiziert“, so Metz. Sein Helios-Prototyp ist circa elf Zentimeter breit, 25 Zentimeter lang und sechs bis acht Zentimeter dick. Die Norm-Fugenbreite für Pflastersteine habe er mit vier Millimetern an jeder Kante eingehalten. Den Ehrenstein könne er sich gut auf dem Gehweg der Venloer Straße vorstellen. Oder auf dem Gelände des Kulturzentrums Helios37 in der Heliosstraße. Der Domstein wäre in Domnähe ein unterhaltsames Detail, findet Metz.

Die Idee habe bei Bekannten und Freunden bereits Anklang gefunden. „Aber ich habe noch keinen gefunden, der ihn für mich herstellt“, sagt Metz. Ob das Projekt so überhaupt umsetzbar ist, die schmalen Stellen nicht etwa zu fragil sind? „Die Domspitzen sind in echt spitzer, da sie so bei einem Stein nicht umsetzbar gewesen wären, habe ich sie tiefer gestaltet. Beim Heliosturm könnte man sicher auch noch etwas optimieren, wenn es wirklich umgesetzt würde.“

Handwerker-Meister sieht Umsetzung kritisch

Fragt man einen Fachmann, fällt die Meinung etwas nüchterner aus. Neben dem ersten positiven Eindruck („Das sieht ganz gut aus“), sagt Manfred Hemmersbach, Obermeister der Straßen- und Tiefbau-Innung Köln-Bonn, dazu: „Man müsste sehen, wie das aussieht, wenn die zusammenliegen. Eine Fläche damit neuzulegen ist sicher kein Problem, wenn man aber einzelne Steine ersetzen muss, kann es problematisch sein, weil sie dabei beschädigt werden könnten. Wenn man nach dem Legen mit der Rüttelplatte die Fläche glättet, könnte es auch passieren, dass sie durchbrechen.“

Probleme sieht Hemmersbach auch bei der Herstellung. Hersteller könnten an einem Tag Pflastersteine in gängiger Form für bis zu 1000 Quadratmeter produzieren. Kleine Mengen einer speziellen Form seien mit sehr hohen Kosten verbunden. Also alles nur Spielerei? Metz bleibt hoffnungsvoll, dass sich dennoch jemand traut, seine Vision umzusetzen.

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