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„100 Ideen“Kölner Umweltdezernent kündigt bei Live-Talk Klimaanpassung für 150 Millionen Euro an

4 min
Eckart von Hirschhausen ist Arzt, Moderator und Wissenschaftsjournalist. Er war Gast beim Live-Talk der Reihe „100 Ideen für Köln“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Eckart von Hirschhausen ist Arzt, Moderator und Wissenschaftsjournalist. Er war Gast beim Live-Talk der Reihe „100 Ideen für Köln“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Der Stadtanzeiger-Talk war zu Gast beim Park-Platz-Tag. Dort kündigte der Kölner Umweltdezernent William Wolfgramm Projekte zur Klimaanpassung für 150 Millionen Euro an.

Ein Gehirn, tibetische Glocken und eine Geigenspielerin hatte Eckart von Hirschhausen am Sonntag zum dritten Live-Talk der Reihe „100 Ideen für Köln“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mitgebracht. „So heiß wie dieser Sommer 2026 auch war, er wird für den Rest unseres Lebens einer der kühlsten gewesen sein“, sagte von Hirschhausen gleich zu Beginn. „Sommer war früher in meiner Kindheit etwas, da habe ich mich drauf gefreut. Heute habe ich Angst, ich habe Angst um Menschen, die vorerkrankt sind, um Schwangere, um psychisch Kranke, um Menschen, die draußen arbeiten müssen.“

Der Arzt und Wissenschaftsjournalist eröffnete den 100-Ideen-Talk des „Kölner Stadt-Anzeiger“, diesmal zu Gast beim Park-Platz-Tag des Vereins Stadtgarten, mit plastischen Beschreibungen von in der Hitze hart werdenden Eiweißen, emotionalen Worten und einer Schweigeminute für die Hitzetoten dieses Sommers. Mit dem Hirn-Modell in der Hand erklärte er die Einschränkungen, die Hitze in diesem Organ anrichten kann.  

Allein in NRW seien viele Tausend gestorben. „Das RKI schätzt 15.000 bundesweit“, sagte von Hirschhausen. Er bat um eine Schweigeminute, ließ die Glocken klingen und schließlich die Geigenspielerin für einen musikalischen Ausklang seines Vortrags sorgen. Von einer Katastrophe wie der Flut im Juli 2021 mit fast 200 Toten unter anderem im Ahrtal gebe es viele Fotos, sagte von Hirschhausen. Und von den Folgen des Hitzesommers? „Davon gibt es keine Bilder. Aber die Leute sind auf dem Gang im Krankenhaus krepiert.“

Zum Live-Talk in der Christuskirche kamen rund 200 Interessierte.

Zum Live-Talk in der Christuskirche kamen rund 200 Interessierte.

Beim Live-Talk ging es um das Thema Schwammstadt. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie kann Köln sich bei zunehmender Hitze anpassen? In einer Schwammstadt soll Regen möglichst dort bleiben, wo er fällt: im Boden, in begrünten Flächen, in Rückhaltebecken oder in Speichern. Das schützt auch vor Überflutung bei Starkregen und kann eine Stadt kühlen. Von Hirschhausen hatte voriges Jahr vor der Kommunalwahl einen Beitrag für die Serie „100 Ideen für Köln“ geschrieben, in dem er ein grüneres und kühleres Köln forderte.

Am Sonntag in der Christuskirche diskutierten im Anschluss an seinen Impulsvortrag William Wolfgramm, Beigeordneter der Stadt Köln für Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften, Anja Bierwirth, Expertin für Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut, und Iris Pinkepank, Vorsitzende des Stadtgarten-Vereins, vor rund 200 Gästen. Es moderierten die Redakteurinnen Susanne Rohlfing und Julia Hahn-Klose.

150 Millionen Euro für grüne Projekte in Köln

William Wolfgramm kündigte an, dass Köln auf eine nächste Hitzewelle besser vorbereitet sein werde. Und er brachte Neuigkeiten mit: Der Umweltdezernent kündigte an, in den nächsten Jahren 150 Millionen Euro an Fördermitteln des Bundes dafür einsetzen zu wollen, die Stadt grüner zu machen. Nach Analysen sei klar: Ein Juni wie der diesjährige mit neun Tropennächten in Folge werde in zwanzig Jahren in Köln „kein außergewöhnliches Ereignis“ mehr sein.

Weil es in Tropennächten nachts nicht unter 20 Grad abkühlt, belasten sie die Gesundheit der Menschen besonders. „Wir müssen uns darauf vorbereiten.“ Dafür wolle Wolfgramms Dezernat in den nächsten Tagen eine integrierte Planung zur Klimaanpassung vorlegen. Man habe bereits Hotspots in der Stadt identifiziert, die bei Hitze besonders belastet sind.

Auf dem Podium v.r.: Eckart von Hirschhausen (Arzt, Moderator und Wissenschaftsjournalist), William Wolfgramm (Kölns Umweltdezernent), Anja Bierwirth (Leiterin des Forschungsbereichs Stadtwandel am Wuppertal Institut) und Iris Pinkepank (Vorsitzende des Stadtgarten-Vereins) sowie die beiden Moderatorinnen.

Auf dem Podium v.r.: Eckart von Hirschhausen (Arzt, Moderator und Wissenschaftsjournalist), William Wolfgramm (Kölns Umweltdezernent), Anja Bierwirth (Leiterin des Forschungsbereichs Stadtwandel am Wuppertal Institut) und Iris Pinkepank (Vorsitzende des Stadtgarten-Vereins) sowie die beiden Moderatorinnen.

Die 150 Millionen Euro sollen zum Beispiel in Pocket Parks und neue Waldinseln in der Stadt fließen, zum Teil auch schon in geplante Projekte wie das Stadtentwicklungsprojekt Parkstadt Süd: die Fortführung des Grüngürtels bis zum Rhein am südlichen Ende der Innenstadt. Das neue Quartier entsteht nach Prinzipien der Schwammstadt. 

Zum Park-Platz-Tag organisierte der Stadtgarten-Verein ein vielseitiges Programm.

Zum Park-Platz-Tag organisierte der Stadtgarten-Verein ein vielseitiges Programm.

Expertin Anja Bierwirth sagte: „Es ist ja gar nicht so, als müssten wir ganz Köln umbauen. Aber es gibt Orte, die sind ganz besonders dramatisch betroffen, ob das Wohnhäuser sind, die in extrem heißen Umgebungen stehen, ob das Schulen sind, Krankenhäuser. Wir wissen: Wo die sehr empfindsamen Bevölkerungsgruppen sitzen, haben wir einen immensen Investitionsstau seit vielen, vielen Jahren.“

Live-Talk zu Gast beim Park-Platz-Tag des Vereins Stadtgarten

Die Live-Talk-Reihe des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wird von der Sparkasse Köln-Bonn unterstützt. Der Talk zur Schwammstadt und Klimaanpassung fand im Rahmen des Park-Platz-Tages des Stadtgarten-Vereins statt, der mit seinen inzwischen 60 Mitgliedern unter anderem eine Entsiegelung des Parkplatzes hinter der Christuskirche vorantreibt.

Die Vereinsvorsitzende Iris Pinkepank sagte: „Es wäre sehr toll, wenn Initiativen wie unsere aktiver werden könnten. Wir würden den Platz auch gern selbst entsiegeln.“ Aber natürlich könnten die Vereinsmitglieder nicht einfach die Spitzhacke in die Hand nehmen. „Wir mussten lernen, dass da fast zehn Ämter beteiligt sind, oberirdisch und unterirdisch.“ Das schreckt sie und ihre Mitstreiter allerdings nicht ab, weiter den Parkplatz in einen Park verwandeln zu wollen. „Im Sommer haben wir gemessen, dass sich die Autos hier bis auf 60 Grad aufgeheizt haben“, sagte Pinkepank, „und wir haben einen Tag erwischt, der war gar nicht besonders heiß, es schien nur die Sonne.“ (red)