Abo

Rüssellänge AbstandBlutabnahme bei der Elefantenkuh – Unterwegs mit der Kölner Zoo-Tierärztin

4 min
16.07.2026, Köln: Reportage Tierärztin im Kölner Zoo - Die Elefanten. Leitkuh Kreeblamduan hat eine Entzündung am Fuß. Nun muss Dr. Sandra Marcordes und Revierleiterin Elefanten Ingrid Wallner (v.l.) zu Hilfe eilen. Foto: Arton Krasniqi

Elefanten-Leitkuh Kreeblamduan hat einen entzündeten Nagel. Tierärztin Sandra Marcordes und Revierleiterin Ingrid Wallner schauen sich die Wunde an. 

In unserer Sommerserie begleiten wir Tierärztin Sandra Marcordes im Kölner Zoo. 

Ingrid Wallner hat zwei Elefanten-Tattoos auf den Unterarmen. Seit 22 Jahren kümmert sie sich um die Elefanten im Kölner Zoo, von ihrem Team wird sie liebevoll „Leitkuh“ genannt. Zu Kreeblamduan, der tierischen Leitkuh, hat die Revierleiterin ein inniges Verhältnis. Als die 62-Jährige „mach wischi, wischi!“, ruft, dauert es nur einen Moment, bis Kreeblamduan anfängt zu pinkeln, sechs bis acht Liter, grob geschätzt. Wallner hält einen an einem Stock befestigten Becher hin – fertig ist die Urinprobe, die Zoo-Tierärztin Sandra Marcordes benötigt, um die Hormonwerte der Elefantendame zu bestimmen. Elefantenbulle Bindu spielt derweil im Gehege nebenan mit einem Pittermännchen. Auch ein Fußball liegt für die verspielten Dickhäuter bereit.

Sandra Marcordes ist nicht nur leitende Zoo-Tierärztin, sie ist auch Kuratorin des Elefantenhauses und damit Chefin des zehnköpfigen Elefanten-Pfleger-Teams um Wallner. Kreeblamduan hat einen entzündeten Nagel, der kontrolliert werden muss. In den ersten Tagen war der Fuß geschwollen, der Elefant humpelte. Eine Wärmebildkamera hatte hell leuchtend die Entzündung gezeigt: Rund um die Wunde war der Fuß deutlich wärmer. Die 42-jährige Elefantenkuh hat zweimal am Tag für 20 Minuten ein Fußbad mit Desinfektionsmittel bekommen. „Das hat sie sehr gemocht, wie sie es überhaupt immer mag, wenn man sich um sie kümmert und sie bemuttert“, sagt Wallner. Heute zeigen die blasseren Farben rund um den Fuß, dass die Entzündung abgeklungen ist.

Elefanten haben weiches Fettpolster unter den Füßen

Die Revierleiterin gibt der Elefantendame ein Signal, den Fuß zu heben, Sekunden später streckt Kreeblamduan denselben durch das Gitter ihrer Absperrbox. Marcordes schaut sich die gut verheilte Kerbe im Nagel an und betastet die Sohle – Elefanten haben ein weiches Fettpolster unter den Füßen, das hilft, die enorme Last ihres Körpers bei jedem Schritt abzudämpfen und fast geräuschlos zu gehen.

16.07.2026, Köln: Reportage Tierärztin im Kölner Zoo - Die Elefanten. Leitkuh Kreeblamduan hat eine Entzündung am Fuß. Nun muss Dr. Sandra Marcordes zu Hilfe eilen. Foto: Arton Krasniqi

Sandra Marcordes macht Aufnahmen mit der Wärmebildkamera, um Entzündungsherde zu lokalisieren.

Für die Blutabnahme stellt sich die Elefantenkuh seitlich ans Gitter und lässt ein Ohr heraushängen. Wanner wischt die Hinterseite des Ohrs mit einem sehr warmen Schwamm ab, um die Durchblutung zu steigern. Die für Unbekannte geltende „Rüssellänge Abstand“ gilt für Revierleiterin Wallner und Tierärztin Marcordes nicht. Den Spritzenpieks lässt Kreeblamduan auch deswegen klaglos über sich ergehen, weil sie weiß, dass sie belohnt wird: Elefantenpflegerin Heike Ebert füttert sie mit Keksen.

Tatsache ist, dass es gefährlich ist, mit Elefanten im freien Kontakt zu arbeiten. Früher sind jedes Jahr Elefantenpfleger gestorben – in Asien sterben bis heute täglich Menschen deswegen
Ingrid Wallner, Revierleiterin im Elefantenpark

Seit vielen Jahren werden Pfleger und Elefanten in Riehl immer durch ein Gitter voneinander getrennt. Der Kölner Zoo war einer der ersten in Deutschland, der den „Protected Contact“ (Geschützter Kontakt) eingeführt hat. Inzwischen handhaben das die meisten Zoos so, allerdings noch nicht alle, wie Wallner weiß. „Tatsache ist, dass es gefährlich ist, mit Elefanten im freien Kontakt zu arbeiten. Früher sind jedes Jahr Elefantenpfleger gestorben – in Asien sterben bis heute täglich Menschen deswegen.“

Geschützter Kontakt zu Elefanten in Zoos soll bis 2030 verpflichtend sein

Die europäische Vereinigung für Zoos und Aquarien (EAZA) empfiehlt den geschützten Kontakt, bis 2030 soll er verpflichtend sein. „Wir haben ein sehr enges Verhältnis zu den Tieren, wir verbringen mehr Zeit mit ihnen als mit unseren eigenen Familien“, sagt Wallner, die schon 14 Elefantengeburten im Kölner Zoo und im vergangenen Jahr auch eine Todgeburt miterlebt hat und seit 46 Jahren im Tierpark arbeitet. Elefanten seien empathisch und intelligent, geduldig und friedliebend. „Aber es bleiben Wildtiere. Vor allem Bullen können sehr gefährlich sein, wenn sie ihr Revier verteidigen, aber auch Elefantenkühe, wenn es zum Beispiel darum geht, die Rangordnung klarzustellen.“

16.07.2026, Köln: Reportage Tierärztin im Kölner Zoo - Die Elefanten. Leitkuh Kreeblamduan hat eine Entzündung am Fuß. Nun muss Dr. Sandra Marcordes und Revierleiterin Elefanten Ingrid Wallner (v.l.) zu Hilfe eilen. Foto: Arton Krasniqi

Ingrid Wallner in der Schaltzentrale: Innen- und Außengelände des Elefantenparks hat das Pflegerteam immer im Blick.

Weil sie ein sehr gutes Gedächtnis haben, sei es wichtig, dass Menschen wie Sandra Marcordes ihnen oft Leckerli geben – denn mit der Tierärztin verbinden die Elefanten auch unangenehme Dinge wie Pfeileschießen und Injektionen. Durch tägliches Training mit Signalen wie Pfeifen, Rüsselspülungen, Fiebermessen, Zahnkontrollen und Fußpflege (mit der Flex) lernen die Tiere, dass Menschen ihnen nichts Böses wollen. „Das Training mit den Tieren hat in den vergangenen Jahrzehnten Quantensprünge gemacht“, sagt Marcordes. Blutabnahmen und Urinproben wie heute bei Kreeblamduan wären vor nicht allzulanger Zeit „noch undenkbar gewesen“.