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„So sieht Armut in Deutschland aus“CDU-Politiker sorgt mit Foto vom Kölner Hauptbahnhof für Empörung

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Reisende steigen am Kölner Hauptbahnhof in einen ICE der Deutschen Bahn. (Symbolbild)

Reisende steigen am Kölner Hauptbahnhof in einen ICE der Deutschen Bahn. (Symbolbild)

Der niedersächsische CDU-Politiker Carsten Müller veröffentlicht ein Bild aus Köln – und bekommt neben Zuspruch auch scharfe Kritik zu hören.

Der Facebook-Beitrag stammt vom 8. Januar – sorgt aber erst jetzt für große Aufmerksamkeit. Bereits zu Monatsbeginn hatte der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Carsten Müller (CDU) in dem sozialen Netzwerk ein Foto eines Mannes veröffentlicht, den Müller als „Bettler“ bezeichnete. Entstanden ist die Aufnahme nach Angaben des CDU-Politikers am Kölner Hauptbahnhof.

„Auch so sieht Armut in Deutschland aus: Markenschuhe von Adidas, Jacke von Moncler, auf dem Pappschild steht ‚BITTE FÜR ESSEN DANKE‘ und die Ansprache durch den Bettler erfolgt in sehr gebrochenem Deutsch“, schrieb der CDU-Politiker zu der Aufnahme, die einen Mann auf einem Gleis des Kölner Hauptbahnhofs zeigt, der ein Schild in der Hand hält.

Kölner Hauptbahnhof: CDU-Politiker postet Bild von mutmaßlichem Bettler

„Das macht mich sehr, sehr ärgerlich, ist ein Schlag ins Gesicht für alle wirklich Bedürftigen und zeigt weiteren – allerdings differenzierten – Handlungsbedarf auf“, hieß es weiter von Müller, der eigenen Angaben zufolge von Köln nach Brüssel reisen wollte. Auch den „Sicherheitskräften der Bahn“ attestierte Müller angesichts der Situation Handlungsbedarf und fügte hinzu: „Das Foto habe ich soeben selbst im Hauptbahnhof Köln gemacht.“

In weiteren Beiträgen führte Müller seine Vorwürfe gegen den mutmaßlichen Bettler weiter aus. Der Mann habe etwa das Angebot anderer Reisender, ihm etwas zu essen zu kaufen, abgelehnt, berichtete der CDU-Politiker. „Das war kein ‚Kid‘, sondern ein Mann, und er behauptete, in diesem Aufzug im Land mit großzügigsten Sozialleistungen Geld für Essen haben zu wollen“, schrieb Müller außerdem bei Facebook.

CDU-Politiker erntet Zustimmung und scharfe Kritik bei Facebook

In dem sozialen Netzwerk bekam der Beitrag des CDU-Politikers zahlreiche Reaktionen. Während einige Nutzerinnen und Nutzer dem Bundestagsabgeordneten und seinen Aussagen zu dem Foto aus Köln zustimmten, gab es auch viel lautstarken Widerspruch.

„Wenn unsere Schülerschaft Wert auf etwas legt, dann ist es das, dass man ihnen ihre Armut nicht sofort ansieht. Dafür tun unsere Kids alles und jobben bis in die Oberstufe hart dafür, um sich letztere überhaupt leisten zu können“, schrieb etwa eine Nutzerin, die nach eigenen Angaben als Lehrerin an einer Schule in „einem der sozialen Brennpunkte“ in Hamburg arbeitet.

Empörung über Carsten Müller: „Dieses Posting schürt Hass“

„Dieses Posting schürt Hass und stellt alle, die vermeintlich Markenkleidung anhaben, unter Generalverdacht, und es unterstützt Parteien, die das Feuer weiter zu schüren wissen“, fügte die Frau hinzu und bekam für ihren Beitrag mehr als 1700 Likes – und damit mehr als Müller für seinen Post, der bis zum Dienstagvormittag lediglich 1300 „Gefällt mir“-Angaben sammelte.

Carsten Müller (CDU). (Archivbild)

Carsten Müller (CDU). (Archivbild)

Beirren ließ sich der CDU-Politiker vom mitunter scharfen Gegenwind nicht. „Wenn jemand (verständlicherweise) Wert darauf legt, dass die Bedürftigkeit nicht ansehbar ist, dann trägt man doch eher kein Pappschild mit sich herum, auf dem das sinngemäß klarschriftlich draufsteht“, entgegnete Müller auf die Kritik, die mitunter auch von der politischen Konkurrenz kam.

„Man(n) gewinnt nicht an Profil, wenn man(n) über andere herzieht“

„Man(n) gewinnt nicht an Profil, wenn man(n) über andere herzieht“, kommentierte etwa die ehemalige FDP-Abgeordnete Aniko Glogowski-Merten. Es gehe ihr bei ihrer Kritik nicht um die Bewertung der Kleidung, führte Glogowski-Merten aus, „sondern darum, dass hier ein Bundespolitiker, der selbst ständig oberflächlichen Kommentaren ausgesetzt ist, über andere Menschen herzieht“.

Auch darauf reagierte Müller mit deutlichen Worten: „Meinst Du mit den ‚oberflächlichen Kommentaren‘ Deine Einlassungen, die sich irgendwo zwischen Realitätsverlust, Wichtigtuerei und Anmaßung bewegen?“, lautete die Antwort des CDU-Politikers. Zweifel daran, dass Müller habe einschätzen können, ob es sich bei der Kleidung des Mannes um Originale gehandelt habe, wies der Abgeordnete ebenfalls zurück. „Kann man sehen, wenn man unmittelbar danebensteht“, behauptete Müller. 

CDU-Politiker reagiert auf Wirbel um Facebook-Beitrag

Am Wochenende reagierte Müller schließlich auf einen Bericht der „Braunschweiger Zeitung“, die zuvor über den Wirbel berichtet hatte, den der CDU-Politiker mit seinem Facebook-Beitrag ausgelöst hatte.

Es sei ein „sehr merkwürdiges Erlebnis“ gewesen, erklärte Müller erneut bei Facebook. „Darüber kann man sprechen – mit ganz unterschiedlichen Bewertungen“, fügte der CDU-Politiker hinzu. 

Erneut Zustimmung und viel Kritik für Carsten Müller

Während die „Braunschweiger Zeitung“ berichte, dass er für das gepostete Foto „viel Kritik in sozialen Medien“ geerntet habe, unterschlage die Zeitung „in der Einleitung, dass die Zustimmung ganz erheblich überwiegt“, beklagte Müller außerdem – und kündigte schließlich an: „Schräge Dinge spreche ich geradeheraus an. Das bleibt so.“

Für seine zweite Wortmeldung bekam der CDU-Politiker in dem sozialen Netzwerk erneut gemischte Reaktionen. Derartige Äußerungen seien einer „der Gründe, weswegen die CDU/CSU meine Zustimmung verloren hat“, schrieb etwa ein Nutzer. „Die Mehrheit der Bevölkerung steht hinter Ihnen. Und wenn jemand Hunger hat, soll er sich auf den Weg machen und zur Tafel gehen“, hieß es derweil in einem anderen Kommentar.