Der Antrag der Bezirksvertretung Innenstadt sieht vor, dass der historisch bedeutsame Gedenkstein besser zur Geltung gebracht wird.
BV-InnenstadtGedenkstätte für Gestapo-Opfer am Hansaplatz soll aufgewertet werden

Die Inschrift des Gedenksteins am Hansaplatz ist kaum mehr lesbar.
Copyright: Clemens Schminke
„Hier ruhen sieben Opfer der Gestapo – Dieses Mal erinnere an Deutschlands schandvollste Zeit 1933-1945“, ist auf dem rechteckigen hellen Gedenkstein zu lesen, der sich im Park „Hansaplatz“ am Hansaring befindet. Doch das Lesen fällt schwer, denn die steinerne Platte ist stark verwittert.
Das haben die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, CDU und SPD und die Einzelmandatsträger von Volt und FDP in der Bezirksvertretung (BV) Innenstadt zum Anlass genommen, einen gemeinsamen Antrag einzubringen, in dem sie die Sanierung und Aufwertung der Gedenkstätte fordern. In der jüngsten Sitzung des Gremiums fand er bei Enthaltung der AfD-Vertreterin einmütige Billigung.
Das Mahnmal soll höhere Sichtbarkeit bekommen
Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit dem Verein El-DE-Haus – dem Förderverein des NS-Dokumentationszentrums – ein Konzept zu entwickeln, wie sich das Mahnmal unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes besser zur Geltung bringen lässt. Einbezogen werden sollen die städtische Grünpflege und die Friedhofsverwaltung. Der Gedenkstein und seine unmittelbare Umgebung sollten „ihrer erinnerungskulturellen Bedeutung gemäß“ so gestaltet werden, dass sie eine „deutlich höhere Sichtbarkeit bekommen“, heißt es.
Dabei sei zu prüfen, ob es sinnvoll ist, die daneben stehende Skulptur „Frau mit dem toten Kind“ neu zu positionieren, „um den Gedenkstein an seinem historischen Ort inhaltlich zu stärken“. Außerdem wollen die Bezirksvertreter, dass eine „dezente Infostele“ aufgestellt wird, die auf digitale Zusatzinformationen verweist und so dafür sorgt, die historische Bedeutung des Orts einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Annemone Christians-Bernsee, stellvertretende Direktorin NS-Dokumentationszentrum Köln, begrüßt den Beschluss: Gemeinsam mit dem Förderverein werde man ein Konzept für die Aufwertung der Gedenkstätte entwickeln. „Wir freuen uns auf diesen Auftrag.“
Bis in die 1970er Jahre zentraler Ort in Köln für Gedenken an NS-Opfer
Wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Gelände des zerstörten Gefängnisses „Klingelpütz“ die Leichen von sieben Menschen entdeckt. Wahrscheinlich waren sie in den letzten Wochen des Krieges umgekommen. Die Todesumstände sind nicht mehr eindeutig festzustellen. Manches deutet sowohl auf Gewaltverbrechen als auch auf Misshandlung, Entkräftung und Krankheit hin. Unweit des Fundorts wurden die Leichen in der heutigen Grünanlage beigesetzt. Der auf dem Grab errichtete Gedenkstein wurde am 3. Juni 1951 im Rahmen einer Feierstunde eingeweiht.
Das Mahnmal war das erste in Köln und eines der ersten deutschlandweit, das an die NS-Verbrechen erinnerte. Ende der 1950er Jahre wurde die Bronzeplastik „Frau mit dem toten Kind“ des niederländischen Bildhauers Mari Andriessen hinzugefügt. In der Begründung des Antrags für die BV ist zu lesen, die Skulptur, ein „zeitloses Symbol für das Leid durch Krieg und Tyrannei“ lenke die Aufmerksamkeit ab, die ursprünglich dem Gedenkstein gegolten habe.
Dies erschwere dessen Identifizierung als Grab- und Erinnerungsstätte. Die Stelle, an der das Ensemble aus Platte und Figur steht, blieb bis in die 1970er Jahre der zentrale Ort, an dem in Köln bei Gedenkfeiern an die NS-Opfer erinnert wurde. Danach geriet das Mahnmal zunehmend in Vergessenheit. Der Vorstoß der Bezirksvertreter soll dies nun ändern.
