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Neuer DrogenhotspotCrack-Szene trifft sich an der Haltestelle Hansaring – Suchtkranker berichtet

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Die Aufzüge der KVB-Haltestelle Hansaring sind ein Aufenthaltsort für die offene Drogenszene geworden.

Die Aufzüge der KVB-Haltestelle Hansaring sind ein Aufenthaltsort für die offene Drogenszene geworden.

Ein Kölner erzählt, er habe mit seinem Kleinkind durch den Rauch von Konsumierenden laufen müssen. Die Polizei spricht von einer Verlagerung. 

Als er den Kinderwagen aus dem Aufzug schieben will, bietet sich Marcel Kluth „ein schockierendes Bild“. In dem kleinen Vorraum, der an der Haltestelle Hansaring von den Gleisen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) zur Straße führt, sitzen rund zehn Menschen und konsumieren Drogen. „Ich musste mit meinem dreijährigen Sohn durch eine Crackwolke laufen“, erinnert er sich. „Da fragt man sich, ob man mit einem Kind in Köln überhaupt noch sicher mit den Öffis fahren kann.“ Die Polizei hat auf Anfrage dieser Redaktion bestätigt, dass neuerdings ein Teil der Drogenszene vom Neumarkt zum Hansaring abgewandert ist.

Zweimal sei der 38-Jährige am vergangenen Dienstag mit seinem Sohn darauf angewiesen gewesen, die beiden Aufzüge der KVB an der Haltestelle zu nutzen, sagt Kluth. Es handelt sich um den einzigen barrierefreien Weg von den Gleisen nach oben. Sowohl am Mittag als auch am Nachmittag habe er sich an Konsumierenden „vorbeizwängen“ müssen. Platz habe ihm keine der Personen gemacht. Auch Spritzen hätten sie sich gesetzt, das Konsumbesteck habe offen auf dem Boden gelegen. „Ich hatte Sorge, dass mein Kind aus Neugierde nach etwas greift.“ 

Die Abgänge zu den U-Bahn-Gleisen sind mit Scheiben eingefasst und sehen aus wie Häuschen. Sie stehen frei auf der Fläche, die zu den S-Bahn-Gleisen führt. Eine Tür haben sie nicht, windgeschützt sind sie aber trotzdem – ein idealer Ort, um eine Crackpfeife zu rauchen. „Der Qualm, der beim Crackrauchen entsteht, staut sich hier und mein Sohn musste ihn einatmen. Das ist absolut gesundheitsgefährdend“, sagt Kluth. 

Marcel Kluth steht vor einem Eingang der Haltestelle Hansaring.

Marcel Kluth ist mit seinem dreijährigen Sohn, den er im Kinderwagen schiebt, auf die Aufzüge an der KVB-Haltestelle Hansaring angewiesen. Doch diese sind zum Konsum-Treffpunkt geworden.

Die offene Drogenszene hat den oberirdischen Teil der Haltestelle zu einem ihrer Treffpunkte gemacht. Das zeigt sich auch, als sich diese Redaktion zwei Tage nach Kluths Erlebnis vor Ort umschaut. Vereinzelt rauchen Menschen an diesem Mittag in den Aufzugshäuschen Crack, auch ein Dealer kommt vorbei und verkauft Drogen.

Eine Polizeistreife fährt vorbei und kontrolliert die Männer. Ihnen kann aber offenbar nichts nachgewiesen werden, sie gehen zunächst, kehren allerdings bereits wenige Minuten später wieder zurück, um Drogen zu nehmen. 

Ein Crack-Abhängiger berichtet – und entschuldigt sich für andere

Ron Schulte ist Teil der Szene, die sich laut eigenen Aussagen täglich im Bereich oberhalb der KVB-Haltestelle trifft. „Ich bin seit 20 Jahren heroinabhängig und seit mehreren Jahren obdachlos. Crack rauche ich seit ungefähr einem Jahr“, sagt der 60-Jährige. Zehnmal am Tag, also circa jede Stunde, müsse er seinem Suchtdruck nachkommen und rauchen.

„Seit einem Jahr ist am Hansaring einer, der Crack verkauft, und dann ist die Szene hier explosionsartig gewachsen“, sagt der Kölner. „Ganz am Anfang waren hier fünf Leute, die nach der Methadonvergabe (Anm. d. Red.: Ersatzstoff für Heroin) zusammen Bier getrunken haben.“ Mittlerweile seien es rund 30 Menschen, die den Hansaring regelmäßig aufsuchen. Der Ton sei seitdem rauer und der Konsum ungehemmter geworden.

Ron Schulte steht an der K im Eingang eines Aufzugshäuschens auf dem Platz über dem Hansaring.

Ron Schulte konsumiert laut eigenen Angaben seit rund einem Jahr Crack. Die wachsende Szene, die ungehemmten Konsum mit sich bringe, mache ihm Sorgen.

Auch Schulte konsumiert teilweise in den Häuschen. Attraktiv seien diese aus mehreren Gründen: „Man ist da windgeschützt. Wenn beim Rauchen die Flamme ausgeht, die man an die Pfeife hält, ist der Kick direkt vorbei. Und falls die Polizei käme, könnte man direkt mit dem Aufzug runterfahren“, sagt er. Polizeiliche Kontrollen gebe es allerdings eher selten. 

Der Fall von Kluth und seinem Sohn macht Schulte betroffen. „Das tut mir wirklich leid, ich entschuldige mich tausendmal“, sagt er. „Es ist besonders rücksichtslos, wenn Kinder da mit reingezogen werden. Da kann ich auch alle verstehen, die sich darüber aufregen.“ Er selbst habe noch nie geraucht, wenn ein Kind in der Nähe war. „Ich gehe immer aus dem Weg oder mache die Pfeife aus, wenn Leute aus dem Aufzug kommen. Und ich sage auch allen anderen, dass sie Platz machen sollen.“

Polizei bestätigt „Verdrängungseffekte“

Den Grund dafür, dass der Hansaring zu einem Drogenhotspot wurde, sieht Schulte in der Verdrängung der Szene. Den Neumarkt habe die Polizei, so Schultes Wahrnehmung, so langsam im Griff. Als Folge habe sich die Szene an andere Orte verlagert, etwa zum Friesenplatz. Er sagt: „Überall werden wir vertrieben. Von A nach B.“

Das bestätigt auch ein Sprecher der Kölner Polizei: „In Teilen der Kölner Innenstadt wie zum Beispiel am Neumarkt hat die Polizei ihre Maßnahmen in den vergangenen Monaten intensiviert. Infolgedessen kommt es wiederkehrend zu Verdrängungseffekten.“ Betroffen seien unter anderem das Belgische Viertel, der Appellhofplatz, der Rudolfplatz, der Eigelstein und der Breslauer Platz.

Am Hansaring sei am 3. Juni ein Bürgerhinweis eingegangen. Auch infolgedessen „wird dieses Areal verstärkt – auch in Zivil – bestreift“, heißt es weiter. Gegen Dealer gehe man „konsequent“ vor. Immer wieder verzeichne man Einsatzerfolge. 

Geplantes Suchthilfezentrum macht Hoffnung

„Uns wird kein anderer Platz ermöglicht, an dem wir uns aufhalten könnten“, kritisiert Schulte. Das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben, das voraussichtlich im August 2027 eröffnen und umfassende Aufenthalts- und Betreuungsangebote bieten soll, hält er für „die Ideallösung“. So lasse sich die Szene besser kontrollieren, und Suchtkranke könnten unter hygienischen Bedingungen konsumieren.

Auch Kluth findet, dass es einer nachhaltigeren Lösung bedarf: „Es muss sich um die Menschen gekümmert werden, die einen Rückzugsraum brauchen, um zu konsumieren oder Ähnliches. Aber das darf nicht in einem Zugang passieren, auf den Familien angewiesen sind.“ Der Vater verlangt zudem mehr Kontrollen, um die Sicherheit an der Haltestelle zu steigern. „Ich wünsche mir, dass alle drei Stunden jemand ein Auge auf diesen Ort hat und ihn sauber und sicher hält.“ 

Die Stadt teilte auf Anfrage mit, dem Gesundheitsamt sei bekannt, dass sich Drogenkonsumierende am Hansaring aufhalten. „In den letzten Monaten ist zu beobachten, dass sich die Drogenszene vom Neumarkt Richtung Friesenplatz bis hin zum Ebertplatz verlagert“, sagt ein Sprecher.

Seit März 2025 ist eine Kooperationsstreife aus Polizei, Ordnungsamt und KVB-Sicherheitskräften in der Innenstadt im Einsatz, hier zu sehen bei einer Maßnahme an der Haltestelle Appellhofplatz.

Seit März 2025 ist eine Kooperationsstreife in der Innenstadt im Einsatz, hier zu sehen bei einer Maßnahme an der Haltestelle Appellhofplatz.

Der gesamte Bereich werde laut der Stadt im Rahmen der Kooperativen Streife – einem Zusammenschluss von Polizei, KVB und Ordnungsamt der Stadt Köln – täglich kontrolliert. Dazu gehöre auch die Haltestelle Hansaring. Zudem gehe das Ordnungsamt einzelnen Beschwerden selbst nach oder informiere zuständige Stellen. 

Auch die KVB bestätigt die Lage. „Die Probleme sind nicht neu, aber sie sind drängender geworden“, sagt ein Sprecher. „Wir versuchen mit unseren ‚Fahrgastmanager‘-Teams konsequent unser Hausrecht durchzusetzen und den offenen Drogenkonsum an unseren Haltestellen zu unterbinden.“ Diese Teams gebe es pro Bezirk, dort seien sie den ganzen Tag unterwegs und bitten Personen, die an den Haltestellen lagern und konsumieren, die Anlage zu verlassen. 

KVB spricht von immer mehr „Problemhaltestellen“

Die Haltestellen würden zwar täglich gereinigt und es gebe einen Dienst, der bei schweren Verschmutzungen auf Abruf stehe, jedoch stehe das Reinigungspersonal teils vor Herausforderungen. „Dazu gehören der Kontakt mit drogenabhängigen Menschen, die sich in den Haltestellen aufhalten und auf Ansprache zum Teil aggressiv reagieren“, so der Sprecher. Das Reinigungspersonal habe an Haltestellen „bereits Drogenverstecke entdeckt, was zu gewalttätigen Reaktionen der Konsumenten geführt hat“.

Marcel Kluth hat nach dem Vorfall am Hansaring Beschwerde bei der KVB und der Stadt Köln eingereicht. Eine Antwort habe er nur von der KVB bekommen: Man bedauere den Vorfall. Um der Problematik entgegenzusteuern, setze man „eine Vielzahl von Mitarbeitern“ ein. Gleichwohl gebe es eine „gestiegene Anzahl an Problemhaltestellen“, weshalb es nicht möglich sei, permanent für alle Fahrgäste sichtbar zu sein.