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Drogenszene am NeumarktStadt Köln verschärft Lage wegen Personalmangels im Konsumraum

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Ein suchtkranker Mann sitzt in der Lungengasse vor der verschlossenen Tür des Drogenkonsumraums.

Ein suchtkranker Mann hockt in der Lungengasse vor der verschlossenen Tür des Drogenkonsumraums.

Die Politik verlangt eine sofortige Besetzung der vakanten Stellen. Es handele sich um einen zentralen Baustein der Kölner Drogenpolitik.

Für Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) hat die Verbesserung der Situation am Drogenhotspot Neumarkt höchste Priorität. Schon im Wahlkampf hatte er damit geworben, dass es unter seiner Führung am Neumarkt keinen öffentlichen Drogenkonsum mehr geben soll. Doch jetzt hat sich die Lage vor Ort sogar wieder verschlechtert, anstatt sich zu verbessern. Sozialdezernent Harald Rau hat entschieden, dass der bestehende Konsumraum am Neumarkt am Wochenende seit dem 1. Juni vollständig geschlossen ist. In der Politik sorgt der Alleingang des Dezernenten für Irritation. „Die Streichung der Samstagsöffnung ist ein klarer Rückschritt für Hilfe, Ordnung und Sicherheit in Köln“, sagt Alexander Yohannes (CDU).

Konsum verlagert sich auf die Straße

Suchtexperte Daniel Deimel hält es grundsätzlich für „hochproblematisch“, die Öffnungszeiten eines Drogenkonsumraums zu reduzieren. Für suchtkranke Menschen bedeute das, dass sie zeitweise keinen Zugang zu sterilen Spritzen, Beratung und Betreuung hätten. Zudem steige das Risiko von Überdosierungen. „Wenn der Raum geschlossen ist, dann wird auch automatisch vermehrt auf der offenen Straße konsumiert“, sagt Deimel.

Die Öffnungszeiten unter der Woche von 8 bis 23 Uhr bewertet er im Vergleich zu anderen Kommunen zwar als gut. Eine vollständige Schließung am Wochenende werde jedoch negative Folgen haben. Der Konsumraum am Neumarkt sei aus seiner Sicht „nicht wirklich gescheitert“. Dort habe es 2025 rund 50.000 Konsumvorgänge gegeben, die sonst auf der Straße stattgefunden hätten. Außerdem hätten Rettungskräfte dort 70 suchtkranken Menschen nach medizinischen Notfällen infolge des Konsums das Leben gerettet. „Ohne den Raum wäre die Situation also deutlich schlechter“, sagt Deimel.

Zugleich verweist der Suchtexperte auf den massiven Fachkräftemangel in diesem Bereich. Die Arbeit in der Suchthilfe sei anspruchsvoll und nicht für alle Beschäftigten im sozialen Bereich attraktiv. „Das ist kein Job, den jeder im Bereich der sozialen Hilfe übernehmen möchte“, sagt Deimel. Gerade deshalb halte er nun eine „Großoffensive“ für sinnvoll, um ausreichend qualifiziertes Personal für das neue Suchthilfezentrum zu gewinnen.

1,2 Kilometer vom Neumarkt entfernt am Perlengraben soll ein neues, großes Suchthilfezentrum entstehen, weil der Konsumraum am Neumarkt zu klein ist – und zu selten geöffnet hat. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten sich nach Deimels Vorstellung zunächst im Konsumraum einarbeiten, bis das Suchthilfezentrum im August 2027 öffnet. Köln brauche aus seiner Sicht dringend ein abgestimmtes Drogenhilfekonzept für die gesamte Stadt. Entscheidend sei, dass das neue Suchthilfezentrum funktioniere. „Und das geht nur, wenn dort ausreichend Fachkräfte arbeiten“, sagt Deimel.

Köln: Suchthilfezentrum soll 24 Stunden öffnen

Das Suchthilfezentrum soll Tag und Nacht durchgängig zur Verfügung stehen, an sieben Tagen, jeweils für 24 Stunden. Das ist deshalb so wichtig, weil Menschen, die von Crack abhängig sind, zu einem großen Teil auf der Straße leben und deshalb auch genau dort konsumieren. Der Konsumraum und später das Zentrum sollen helfen, sie von der Straße zu holen, sie zu unterstützen und ihnen einen Raum anzubieten, der ihnen vorbehalten ist. Das hat auch für die Anwohner den Vorteil, dass sich das Verabreichen von Drogen nicht vor ihrer Haustür oder in ihrem Innenhof abspielt.

Sozialdezernent Harald Rau begründet seine Entscheidung, den Konsumraum am Wochenende zu schließen, mit fehlendem Personal. „Die Gründe für die Einschränkung der Öffnungszeiten sind dem anhaltenden Fachkräftemangel, einer überdurchschnittlichen Personalfluktuation, sowie ungeplanten Abwesenheiten wie Resturlaub und Krankheit geschuldet“, lässt er mitteilen. Die Einschränkungen sollen nach „hinreichender Wiederbesetzungsquote“ so schnell wie möglich aufgehoben werden, sagt eine Stadtsprecherin. Wann genau das der Fall sein wird, könne die Stadt nicht sagen.

Die Stadtsprecherin räumt auf Nachfrage ein, dass durchaus bekannt sei, dass die kürzeren Öffnungszeiten ernsthafte Folgen haben. „Jeder Konsumvorgang, der nicht im Drogenkonsumraum stattfindet, findet in der Öffentlichkeit statt“, sagt sie. Die Mitarbeitenden des Drogenkonsumraums am Neumarkt hätten die Besucher aber rechtzeitig informiert und auf das Angebot des Drogenkonsumraums am Hauptbahnhof hingewiesen, der am Samstag- und Sonntagvormittag geöffnet hat. „Die Reduzierung der Öffnungszeiten des Drogenkonsumraums am Neumarkt ist zu diesem Zeitpunkt ein verheerendes Zeichen an die Kölnerinnen und Kölner“, sagt Eva-Maria Ritter (FDP/KSG).

Die Politik hat Rau in seine Überlegungen nicht einbezogen. Die neuen Öffnungszeiten gelten bereits seit dem 1. Juni – erst am 9. Juni informierte er die Ratsmitglieder im Sozialausschuss, zwei Tage vor ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag. In dieser musste Rau viel Kritik einstecken. Grüne, CDU, SPD, Linke, Volt und FDP/KSG beschlossen  einen gemeinsamen Dringlichkeitsantrag und verlangten von Rau die „unverzügliche Wiederbesetzung der vakanten Stellen im Konsumraum“. „Wir fordern die Verwaltung auf, die unbesetzten Stellen dringend nachzubesetzen, damit die Öffnung auch am Samstag wieder gewährleistet werden kann – das sind wir den Kölnerinnen und Kölnern schuldig“, sagt Mechthild Böll (Grüne).

„Die Einschränkung der Öffnungszeiten ist besonders problematisch, da der Drogenkonsumraum am Neumarkt mindestens bis zur Eröffnung des Suchthilfezentrums Innenstadt mit einem 24/7-Betrieb ein zentraler Baustein der Kölner Drogenpolitik ist“, heißt es in dem Antrag. Deshalb sei es nicht ausreichend, die personellen Engpässe und die daraus resultierenden Einschränkungen lediglich darzustellen. „Vielmehr bedarf es eines entschlossenen Gegensteuerns“, schreiben die Antragsteller. „Drogensucht kennt leider kein Wochenende. Das Suchthilfekonzept lebt von Öffnungszeiten der Konsumräume über die Wochentage hinaus. Wir wollen nicht, dass sich die Drogenszene samstags wieder auf den Neumarkt verlagert“, sagt Mattis Dieterich (SPD).

Während davon in der Mitteilung an die Politik noch keine Rede war, verspricht die Stadt auf Anfrage dieser Redaktion, sich mit dem Problem zu beschäftigen. „Die Stadt Köln arbeitet mit Hochdruck an der Rekrutierung neuen Personals, damit die vakanten Stellen so schnell wie möglich wiederbesetzt werden können. Die Stadt Köln strebt eine schnelle Wiederbesetzung an“, sagt eine Stadtsprecherin. Rau gibt dem politischen Druck also nach.