„Nichts Illegales in Katar“Aktivisten kapern Plakat am Kölner Heumarkt

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Ein Plakat, das wie ein Zeitungsartikel gestaltet ist, hängt in einem Schaukasten am Heumarkt unter dem Zeichen für die U-Bahn-Haltestelle. Darauf ist ein Foto von Uli Hoeneß mit einem schwarzen Balken vor den Augen zu sehen.

Das Plakat der Künstlergruppe „Dies Irae“ war am Mittwochnachmittag noch in der Werbetafel am Heumarkt zu sehen.

Auf einer Werbetafel am Kölner Heumarkt haben Aktivisten ein Plakat mit einer Botschaft gegen die WM in Katar platziert. Besonders ins Visier genommen wurde Uli Hoeneß. Die Gruppe ist nicht zum ersten Mal in Köln aktiv.

„In Katar passiert nichts Illegales“ prangt als Zitat eines „Uli H.“ auf einem Plakat am Heumarkt. Eine Anspielung auf die Aussagen von Uli Hoeneß, er hätte im Austragungsland der Fußball-WM Katar nichts Illegales beobachten können.

Im Zuge der Vorbereitungen für die WM waren in Katar bis zu 15.000 Arbeiter ums Leben gekommen. Das Plakat am Heumarkt hängt in einer Werbetafel und zeigt einen satirischen Zeitungsartikel. Darin wird „Uli H.“ interviewt – natürlich mit frei erfundenen Zitaten. „Ich freue mich, dass ich First Class nach Doha reisen darf“, heißt es da. „Man soll das Leben nicht in vollen Zügen, sondern in luxuriösen Flugzeugen verbringen.“

Fußball-WM in Katar ist höchst umstritten

Und weiter: „Wer weiß, wann ich wieder im Bau lande!“ Auf dem Plakat auch ein Foto, das Hoeneß mit einem Balken über den Augen zeigt. Darunter eine Bildunterschrift: „Menschenrechtsexperten, die am Tropf des Profifußballs hängen (Symbolbild) sind sich einig: Die Winter-WM in Katar wird eine Mordsgaudi.“

Auf die Frage, was er über die tausenden Gastarbeiter denke, die die WM mit ihrem Leben bezahlten, antwortet der fiktive Hoeneß: „Wovon reden Sie? Ich habe mich selbst in Katar umgesehen. Man zeigt mir viele Orte, wo willige Gastarbeiter mit einem Lächeln im Gesicht bereit sind alles für die WM zu geben. In Katar passiert nichts Illegales – zumindest nicht nach deren Maßstäben.“

„Dies Irae“ nicht mit der ersten Aktion in Köln

Hoeneß hatte im September mit der Aussage schockiert, den Arbeitern in Katar gehe es durch die WM besser statt schlechter. Auf Kritik eines Reporter sagte Hoeneß da: „Es wäre gut, wenn Sie nach Katar fahren und sich die Dinge vor Ort anschauen.“

Hinter der Aktion steckt die Künstlergruppe „Dies Irae“ (lateinisch für „Tage des Zorns“), die schon im März 2021 mit gekaperten Werbeflächen den Kölner Kardinal Woelki kritisierten. Damals wurden die Plakate noch am gleichen Tag entfernt. Beim sogenannten „Adbusting“ platzieren Gruppierungen wie „Dies Irae“ ihre Plakate mit kritischen Botschaften in Werbetafeln, die sie zuvor geknackt haben. Die Plakate zur WM sind neben Köln auch in Hamburg zu sehen.

Am Donnerstagmorgen (17. November) wurde das Plakat nach einem Tag dann ebenfalls wieder entfernt.

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