Die Brückenbaupläne der Bahn für die Innenstadt könnten die Erweiterung des Inneren Grüngürtels zum Rhein weiter verzögern. Zumindest gilt das für den geplanten neuen Park am Stadtarchiv.
Ausbau des Inneren GrüngürtelsBaupläne der Bahn gefährden Park am Stadtarchiv

Der Siegerentwurf: So könnte der Park am Eifelwall aussehen.
Copyright: Visualisierung: Förder Landschaftsarchitekten
Irgendwann muss man mal anfangen mit der Erweiterung des Inneren Grüngürtels von der Luxemburger Straße bis zum Rhein. Knapp neun Jahre sind ins Land gezogen, seit ein Preisgericht entschieden hat, auf dem Areal zwischen dem neuen Stadtarchiv und dem Justizzentrum einen Park mit Spiel- und Sitzflächen anzulegen. Das war im Juni 2017.
Genau dort steht Roland Schüler, grüner Bürgermeister des Stadtbezirks Lindenthal, diesmal in seiner Eigenschaft als Mitglied des Freundes- und Förderkreises Belvedere zur Vollendung des Grüngürtels, mitten auf einer unwirtlichen Fläche, auf der noch Baumaterialien lagern und die ein Teil des neuen Parks werden soll.
Wenn es um den Inneren Grüngürtel geht, kann sich der 68-Jährige auf sein Langzeitgedächtnis verlassen. Jahrelang ist über die Neuanlage des Parks schon gestritten worden. Erst musste der Neubau des Stadtarchivs über die Bühne gehen, dann dauerte es Jahre, einen neuen Ort für das Autonome Zentrum zu finden, das jetzt nach Kalk umziehen wird.
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Justizzentrum nicht vor 2040 fertig
Den Traum, aus der ehemaligen Desinfektionsanstalt auf dem Gelände „eine schöne Landmarke zu machen und dort ein Café einzurichten, haben wir schon 2012 begraben müssen“, erinnert sich Schüler. „Die Gebäude wurden abgerissen, weil die Bahn das Gelände angeblich brauchte, um die Baustelle für den Austausch der Brücken am Eifelwall einzurichten. Genutzt wurde die Fläche aber nie. Die Bahn hat das Problem anders gelöst.“

Für die Sanierung und den Neubau dieser Brücken am Eifelwall wurde die Baustellenfläche auf Drängen der Bahn freigehalten, dann aber nie genutzt. Foto: Alexander Schwaiger
Copyright: Alexander Schwaiger
Auch die Diskussionen über den Sanierungsfall Justizzentrum zogen sich über Jahre hin, bis endlich feststand, dass das Hochhaus aus den 1980er Jahren vollständig zurückgebaut und durch einen neuen Gebäudekomplex ersetzt wird. Der soll aus fünf miteinander verbundenen Kuben bestehen, die sich harmonisch in den Inneren Grüngürtel einfügen sollen. Vor 2040, das steht bereits fest, wird das alles nicht fertig werden.
Nun könnte es endlich losgehen mit dem neuen Park. „Die Stadt hat dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes unmissverständlich klargemacht, dass das Areal als Fläche für die Baustelleneinrichtung mit Containern nicht zur Verfügung steht“, sagt Schüler.

An dieser AStelle soll in Zukunft ein Park entstehen: Roland Schüler fordert von der Stadt und von der Deutschen Bahn den Ausbau des Grüngürtels.
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Doch jetzt kommt, mal wieder, die Deutsche Bahn. Für den Austausch der mehr als 120 Jahre alten Brücken an der Zülpicher und Luxemburger Straße zwischen Januar 2028 und Mitte September 2029, müsse man das Areal in Anspruch nehmen. Er habe beim Studium des landschaftspflegerischen Begleitplans, der Teil der Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren ist, seinen Augen nicht getraut, sagt Schüler.
17 Monate keine Direktverbindung zwischen Köln, Bonn und dem Südbahnhof
Die bisherige Planung für das Großprojekt, das auch noch die Erneuerung der Innenstadtbrücken an der Vogelsanger und Venloer Straße umfasst, ist höchst umstritten. 17 Monate lang soll es keine direkte Verbindung zwischen Köln und Bonn über den Bahnhof Süd bis zum Hauptbahnhof geben. Er habe den Eindruck, dass die Bauplanung der Infrastrukturgesellschaft Bahn unter großem Zeitdruck stand, weil es für die Gestaltung der Fahrpläne einen Vorlauf von mindestens zwei Jahren braucht, sagt Schüler.
Dass überdies vier ausgewachsene Platanen und ein Berghorn entlang der Luxemburger Straße im Bereich des Bahnhofs Süd an der Ecke Moselstraße, die alle unter die Baumschutzsatzung fallen, gefällt werden müssen, mache die Sache nur noch schlimmer. „Für die Stützwand und die Lärmschutzwand entlang der Moselstraße dürfen keine weiteren Bäume geschädigt werden“, fordert der Freundeskreis Belvedere und hat Widerspruch gegen die Baustelleneinrichtung beim Eisenbahnbundesamt eingelegt.
An den Plänen für den Eifelwall-Park darf nicht mehr gerüttelt werden
Das Thema werde auch in den Bezirksvertretungen Innenstadt und Lindenthal auf der Tagesordnung stehen, sagt Schüler. „Wenn wir den Park jetzt wieder verschieben, könnte am Ende auch das Land auf die Idee kommen: 'Prima, dann nutzen wir die Fläche auch beim Neubau des Justizzentrums.' Dann passiert vor 2040 wieder nichts.“
Seit 2012 gibt es den Masterplan für die Erweiterung des Inneren Grüngürtels, die Planung für den neuen Park am Eifelwall wurde Ende 2024 beschlossen. „Daran darf nicht mehr gerüttelt werden“, fordert Schüler. Dass die Innenstadtbrücken sanierungsbedürftig sind, stünde außer Frage. Ob man dafür den gesamten Bahnverkehr für 17 Monate lahmlegen müsse, hingegen schon.
Zwei Bahnbrücken werden Denkmal des Monats Februar
An der Venloer Straße ließe sich ein Teil der alten Brückenzüge nach seiner Auffassung retten. Das hat sogar die Bahn eingeräumt, auch wenn das sehr aufwendig sei. Dennoch hat der Stadtrat im September 2025 mehrheitlich in einer Dringlichkeitsentscheidung beschlossen, dass sie abgerissen werden dürfen.
Auch wenn das nichts mehr nutzen wird: Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz wird sie im Februar zum „Denkmal des Monats“ küren, sei das Brücken-Quartett doch als Ensemble zu werten. Die Brücken, so die Denkmalpfleger, repräsentierten „aufgrund der geschichtlichen Entwicklung die ehemaligen Stadttore“ und verfügten „damit auch über eine ortsgeschichtliche und städtebauliche Bedeutung“.
Für den Abbruch der Brücken an der Zülpicher und Luxemburger Straße gibt es noch kein grünes Licht des Eisenbahnbundesamts. Einwände gegen die Planungen können noch bis zum 16. Februar eingereicht werden. Aus diesem Grund wollte sich die Bahn auf Anfrage zu der geplanten Baustelleneinrichtung auf Nachfrage auch nicht äußern.
Man habe nichts gegen die Modernisierung der Innenstadtbrücken und den Ausbau der S-Bahn. Es gehe nicht grundsätzlich um das Ob, sondern lediglich um das Wie, so Schüler.
