Im November 1913 wurde der Deutzer Bahnhof eröffnet. In mehr als 100 Jahren hat der stolze Kuppelbau einiges erlebt.
Köln früher und heuteAls Deutz zum „zweiten Bein“ des Kölner Hauptbahnhofs wurde

Der Bahnhof Deutz im Jahr 1920.
Copyright: Sammlung Gulich
Am Tag vor der Eröffnung des Deutzer Bahnhofs versammelten sich Ehrengäste und Behördenvertreter unter der großen Kuppel der Eingangshalle und feierten einen Meilenstein in der Entwicklung des Stadtteils.
Der „Deutzer Eisenbahnjammer“ sei nun Geschichte, freute sich Eisenbahndirektionspräsident Friedrich Martini am 10. November 1913. Der Bahndamm der Bergisch-Märkischen Eisenbahn, der den Stadtteil vom Rhein getrennt hatte, falle nun endlich weg: „Deutz erhält wieder freien Zugang zum Strom.“
Das aus mehreren privaten Bahngesellschaften bestehende Kölner Eisenbahnwesen wurde in den 1880-er Jahren verstaatlicht und in den Folgejahren neu geordnet. In Deutz fielen nicht nur die einengenden Gleisanlagen am Rheinufer weg, sondern auch der dazugehörige Bahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahn an der Schiffbrücke.
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Der stolze Ersatz kam in Gestalt eines Kuppelbaus, der äußerlich in der Tradition der „maisons de plaisance“ stand, der französischen Lustschlösser des 18. Jahrhunderts. Der neue Knotenpunkt war dort errichtet worden, wo zuvor ein Bahnhof der vormals ebenfalls privaten Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft gestanden hatte.
Der Kölner Hauptbahnhof erhielt ein selbstbewusstes Pendant am anderen Ufer, ein „zweites Bein“, wie es der frühere Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings ausdrückt. Zwischen den Beinen klemmte lediglich die ebenfalls neu errichtete Hohenzollernbrücke.
Das Modernste in der Eisenbahntechnik
Bei seinem Entwurf bezog sich Architekt Hugo Röttcher auf die Vergangenheit, technisch war der Deutzer Bahnhof mit seinen zwei Ebenen auf dem allerneuesten Stand. Während im oberen Bereich die Gleise von und zur Hohenzollernbrücke lagen, war „Deutz-Tief“ der Haltepunkt für Züge der Nord-Süd-Verbindung. Eine kreuzungsfreie Lösung, die damals zum Modernsten in der Eisenbahntechnik gehörte.
Zur Werkbundausstellung 1914 auf dem heutigen Messegelände konnte der Neubau erstmals seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs musste die wegweisende Leistungsschau für Architektur und Gestaltung vorzeitig beendet werden. Deutz diente nun als Drehscheibe für Truppen.
Am 6. August 1914 erschien im „Kölner Local-Anzeiger“ der Beitrag eines Lesers, der beobachtet hatte, wie Jesuiten vom Deutzer Bahnhof zur Kalker Kaserne liefen und „Die Wacht am Rhein“ über den Vorplatz sangen: „Sie brannten darauf, bald im Dienste des Vaterlands sich nützlich machen zu können.“
Bahnhof Deutz: Auferstehung im alten Gewand
Im Zweiten Weltkrieg wurden über „Deutz-Tief“ tausende Juden, Roma, Sinti und Homosexuelle aus dem Kölner „Messelager“ in Konzentrationslager transportiert. Der Bahnhof erlitt durch Bombenbeschuss schwere Beschädigungen, erlebte aber – anders als der Hauptbahnhof – eine Wiederauferstehung im alten Gewand.
Bei genauerem Hinsehen allerdings hinterließ der Krieg kräftige Spuren: Während der Flügel links neben dem Kuppelbau samt Wandpfeilern erhalten blieb, wurde der rechte Anbau vereinfacht wieder aufgebaut. Die schmucken Treppenhäuser sind verschwunden. Auch die große Uhr an der Kuppel ist nicht mehr da.
Bedauernswert sei auch, dass die elegante Wartehalle über den oberen Gleisanlagen den Krieg nicht überstanden habe, so Ulrich Krings: „Das war ein Gegenstück zur großen Halle des Hauptbahnhofs.“

Seine markante Kuppel hat der Bahnhof Deutz nach wie vor, die Uhr wurde beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings einige Meter nach unten versetzt.
Copyright: Max Grönert
So wichtig der Deutzer Bahnhof für die großstädtische Entwicklung des Stadtteils gewesen sei, so stiefmütterlich sei er später immer wieder behandelt worden, so der Kunsthistoriker. Der nach Nicolaus August Otto benannte Vorplatz etwa sei bis zu seiner Neugestaltung im Jahr 2014 lange Zeit schlicht „grauenhaft“ gewesen.


