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Köln früher und heuteWie das Deutz-Kalker Bad zum Restaurant wurde

Das historische Schwimmbad wurde nach jahrelangem Verfall renoviert und zu einem Teil des Hotels Stadtpalais umgebaut.

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KWB-Restaurant in der ehemaligen Schwimmhalle des Deutz-Kalker Bads

In der ehemaligen Schwimmhalle befindet sich heute das KWB-Restaurant, das zum Hotel Stadtpalais gehört.

Brause- und Wannenbäder, ein römisch-irisches Bad, eine zweigeschossige Schwimmhalle mit goldglänzenden Geländern. Den Bewohnern des rechtsrheinischen Kölns versprach der Neubau an der heutigen Deutz-Kalker-Straße 52 körperliche Betätigung und Hygiene in feinstem Jugendstil-Ambiente.

Private Badezimmer gab es kaum, schon gar nicht in den umliegenden Arbeiterwohnungen und Kasernen. Doch als das „Kaiser-Wilhelm-Bad“ 1914 fertig war, brach der Erste Weltkrieg aus. Die Schwimmhalle blieb dem Militär vorbehalten, während sich die Öffentlichkeit erst 1918, also nach Kriegsende, tummeln durfte.

Sprungbrett erinnert an Schwimmbad-Vergangenheit

Am „Tag des offenen Denkmals“ führt Rainer Siewert immer wieder Gruppen durch den verschachtelten Gebäudekomplex, der ab 1923 als Deutz-Kalker Bad firmierte. Siewert ist Betreiber und Direktor des „Hotel Stadtpalais“, das seit 2010 hier, unmittelbar neben der Lanxess-Arena, seine Gäste empfängt.

Schwimmhalle Deutz-Kalker Bad, um 1934.

Schwimmhalle Deutz-Kalker Bad, um 1934.

Aus der Schwimmhalle mit dem Kuppeldach ist ein Restaurant geworden, das seine Vergangenheit in vielen Details weitererzählt. Sogar ein Sprungbrett hängt noch in einer Ecke. Man sollte es nur nicht mehr benutzen.

Stadt hatte Deutz-Kalker Bad 1996 geschlossen

„Als wir hier 2007 zum ersten Mal mit dem Architekten durchgegangen sind, war der ganze Baukörper dem Verfall ausgesetzt“, erzählt Rainer Siewert: „Die Fenster waren zugenagelt, außen waren überall Graffiti, Wasserschäden in allen Gebäudeteilen.“ 1996 hatte die Stadt das Deutz-Kalker Bad geschlossen, weil es nicht mehr zeitgemäß war. Es folgte ein ausgiebiger Dornröschenschlaf.

„Die Denkmalpflege hat das Gebäude jahrelang wie Sauerbier angeboten“, sagt der ehemalige Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings. Dass sich schließlich ein Investorentrio der Immobilie annahm, sei ein Glücksfall gewesen. Rainer Siewert gibt zu, dass das verlassene Bad anfangs nur Kopfschütteln hervorgerufen habe: „Aber irgendwie hat sich der Charme des Gebäudes bei uns verfestigt.“

„Volksbadeanstalt“ wurde von Architekt Hans Verbeek geplant

Initiator und Hauptgeldgeber der „Volksbadeanstalt“ war Fritz Vorster, Eigentümer der Chemischen Fabrik Kalk. Konkrete Überlegungen gab es schon 1904, als Kalk noch selbstständig war. Doch erst nach der Eingemeindung Kalks 1910 wurde die Stadt Köln aktiv. Mit dem Neubau schlug sie zwei Fliegen mit einer Klappe, hatte sie den Deutzern doch bereits 1888 bei ihrer Eingemeindung ein Bad versprochen.

Auf freiem Feld zwischen beiden Stadtteilen setzte Architekt Hans Verbeek einen Schwimm- und Badebereich sowie eine Bibliothek mit Platz für 30.000 Bücher um. Die Gebäude hatten separate Zugänge, wurden aber durch ein gemeinsames Heizwerk versorgt. Trotz einiger Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg ging der Badebetrieb schon 1947 weiter. Die Fassade schmückten ab den 1950er Jahren Reliefs von Ernst Wille, die einst so voluminöse Dachlandschaft musste teilweise durch Flachdächer ersetzt werden.

Viele Herausforderungen beim Umbau der historischen Gebäudeteile

Auch wenn das Kuppeldach über der Schwimmhalle erhalten blieb, hinterließ die Nachkriegszeit auch hier ihre Spuren. Die Wände weiß gestrichen, die Jugendstilfliesen an den oberen Säulen abgeschlagen und die schmiedeeisernen Geländer schwarz übergestrichen – „es war sehr nüchtern, gepaart mit einer unglaublich unangenehmen Akustik“, so Rainer Siewert. Zwischenzeitlich sorgten sogar Straßenbeleuchtungen im Stil der 1960er-Jahre für Licht.

Der Rundgang lässt erahnen, wie aufwendig es war, dem Komplex seine ursprüngliche Eleganz zurückzugeben und ihn gleichzeitig in einen modernen Hotelbetrieb zu verwandeln. Die drei historischen Gebäudeteile wurden mit einem neuen verbunden, wobei es ungleiche Etagenhöhen auszugleichen galt. Vor allem die Schwimmhalle hielt eine Vielzahl denkmalpflegerischer und technischer Herausforderungen bereit.

Gäste speisen heute auf originalgetreuem Schwimmbadboden

Ein Fachbetrieb brauchte allein ein Jahr, um die komplizierten Farbverläufe der abhandengekommenen Fliesen an den oberen Säulen nachbilden zu können: „Die Fliesen sind damals mit Methoden und Farben gearbeitet worden, die es schon lange, lange nicht mehr gibt“, sagt der Hotelchef. Auch der ursprüngliche Farbton der schmiedeeisernen Geländer musste mühsam recherchiert werden. Dass es ausschließlich Schwarz-Weiß-Fotos aus alten Zeiten gibt, machte die Sache nicht einfacher.

Die Gäste speisen heute auf dem originalgetreu nachgebildeten Schwimmbadboden, wobei das Becken eingeebnet wurde. Darunter befindet sich eine Tiefgarage. Das Hotel sei eine Symbiose aus Alt und Neu, so Siewert, eine Symbiose mit Ecken und Kanten.

Die Wegeführung etwa sei, anders als bei einem Hotelneubau, nicht selbsterklärend und es fehle an Lagerräumen. Dafür erzähle das gesamte Gebäude seine Geschichte und rufe Erinnerungen an die Zeiten hervor, als die Kölner hier noch ihre Bahnen ziehen konnten.