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Abschied in der Apostelnstraße Geflügel Brock schließt nach 111 Jahren

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Karin und Hans Georg Rochow schließen Ende Juli ihr ebenso kleines wie bekanntes Geschäft an der Apostelnstraße.

Innenstadt – In der Innenstadt geht eine Ära zu Ende. Es gab wenige Geschäfte, zu denen die Kunden so eine emotional-innige Beziehung hatten wie zum Wild-, Geflügel- und Delikatessengeschäft Gustav Brock.

Jedes Jahr vor Weihnachten bildeten sich vor dem kleinen Ladenlokal an der Apostelnstraße lange Schlangen. Nach 111 Jahren und vier Generationen in Familienbesitz schließt Brock Ende Juli für immer.

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Das Logo des kleinen Ladens.

Alles zum Thema Apostelnstraße

Für die Inhaber Hans Georg und Karin Rochow ist es ein sehr schwerer Schritt. Das wird in jeden Satz spürbar, mit dem das Ehepaar seine Entscheidung begründet. „Wir lieben das, was wir tun noch immer sehr, das Geschäft ist unser Leben“, sagt Karin Rochow sichtlich bewegt.

Nie gemeinsam im Urlaub

Hans Georg Rochow ist 73 Jahre alt, seine Frau ist 71, „da ist die Zeit für einen Abschied gekommen“, sagt Rochow. Noch nie hätten die beiden gemeinsam Urlaub machen können, für kulturelle Aktivitäten wie Opern- oder Philharmonie-Besuche sei nie Zeit gewesen. „Wir sind ein sehr persönliches Geschäft, und deshalb war es uns immer wichtig, dass einer von uns beiden im Laden ist“, sagt Karin Rochow.

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Nach 111 Jahren ist Schluss.

Sie hätten den Zeitpunkt des Abschieds selbst bestimmen wollen, solange die Gesundheit noch stabil ist. „Meine Vorfahren sind im Laden tot umgefallen, das wollte ich auf keinen Fall“, sagt Hans Georg Rochow, der das Geschäft in der vierten Generation führt. Ein Nachfolger habe sich nicht gefunden, die Tochter habe eine andere Laufbahn eingeschlagen.

Tränen am Tresen

Die Nachricht von der Schließung hat auch die Kunden getroffen. Zuletzt seien öfter Tränen am Marmor-Tresen mit der nostalgischen Registrierkasse geflossen, sagen die Inhaber. „Damit geht ein Stück echtes Stück Köln verloren“, findet etwa Stammkunde David Golyschny.

Vor knapp 40 Jahren übernahm Hans Georg Rochow das im Krieg völlig unversehrt gebliebene Geschäft von seiner Mutter. Seitdem hat der gelernte Metzger und Koch in Köln Maßstäbe in Sachen Fleisch- und Geflügelqualität gesetzt.

Bio schon vor lange vor dem Trend

Lange vor dem Bio-Boom und der Debatte um artgerechte Haltung gab es bei Brock nur Waren von wenigen ausgewählten Lieferanten, mit denen das Ehepaar seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Das Geflügel etwa komme ausschließlich von Betrieben mit artgerechter, antibiotikafreier Haltung.

Besonders wichtig dabei, dass die Tiere nicht nur länger leben als Exemplare aus der Massentierhaltung, sondern dass sie trocken gerupft seien, also nicht heiß überbrüht würden. „Das Aroma steckt in der Haut, und das Wasser entzieht den Geschmack“, sagt Hans Georg Rochow. Deshalb verliere sein Federvieh das Kleid durch Wachs. Das Milchkalb komme aus Frankreich, das Wild stamme aus dem Hunsrück und der Eifel – „nicht aus Neuseeland“.

Für die Zeit nach dem 29. Juli hat das Ehepaar noch keine Pläne. Urlaub? „Das müssen wir gemeinsam wohl erstmal lernen“, sagt Hans Georg Rochow und lacht.