Zu Medikamenten und neuen TherapieformenKölner Institut am Mediapark beantwortet Gesundheitsfragen von Bürgern

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Ein Mann mit grauem Haar und Bart steht vor einem Fenster, im Hintergrund ist der Dom zu sehen.

Thomas Kaiser leitet das Kölner Institut für Qualität im Gesundheitswesen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen besteht seit dem Jahr 2004. Aus 19 Mitarbeitern wurden 300. Geleitet wird es von Thomas Kaiser aus Sülz.

Das Kind ist schlimm gestürzt. Sein Arm schmerzt heftig, und die Eltern stellen sich die Frage, ob er gebrochen ist. Künftig wird es leichter sein, sie zu beantworten, jedenfalls wenn es sich um den Unterarm handelt. Denn statt einer aufwendigen Röntgenuntersuchung reicht für die Diagnose in Zukunft wohl ein einfacher Ultraschall. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) durch ein Gutachten.

„Das wird die Versorgungslandschaft verändern“, prognostiziert Thomas Kaiser. Der Sülzer ist seit Kurzem neuer Leiter des bundesweit tätigen Instituts mit Sitz im Kölner Mediapark, selbst Vater von zwei Söhnen und weiß, wie sich die Untersuchungen dadurch erleichtern: „Die Ultraschalluntersuchungen können meist direkt in der Ambulanz gemacht werden“, so Kaiser. Die Belastung durch die Röntgenstrahlen falle weg. Das Röntgen von kleinen Kindern, die nicht stillhalten, sei sowieso schwierig.

Neuheiten in Diagnostik und Versorgung werden überprüft

Das IQWiG hat die Aufgabe, Arzneimittel, Diagnoseverfahren und Vorsorgeuntersuchungen zu bewerten, um die Patientenversorgung in Deutschland zu verbessern. Es wurde nach der 2003 angestoßenen Reform des Gesundheitswesens und dem 2004 verabschiedeten Gesetz zur Modernisierung der Krankenkassen gegründet. Träger ist die Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Es ist mit seinen mittlerweile 300 Mitarbeitern im „Kölnturm“ zu Hause. Das IQWiG startete mit 19 Angestellten. Kaiser gehörte dazu.

Das Hochhaus Kölnturm im Mediapark ist zu sehen.

Das Iqwig ist mit seinen 300 Mitarbeitern im Kölnturm untergebracht.

Der 54-Jährige leitete lange die Abteilung für Arzneimittelbewertung. Eine wichtige Aufgabe: „Wenn ein Arzneimittel zugelassen ist, heißt das noch nicht, dass es besser ist als eines, das es schon zehn Jahren gibt“, schildert Kaiser. „Wir beantworten die Fragen der Patienten und Patientinnen, ob das Medikament besser als das ist, was er oder sie bisher genommen hat.“ Von dem Ergebnis des Gutachtens des Instituts hängt ab, ob die Krankenkasse das Arzneimittel bezahlt. Es selbst trifft die Entscheidung nicht. Das tut ein „Bundesausschuss“, der sich aus Vertretern der Kassen, der Krankenhäuser sowie Ärztevertretungen und einer Patientenvertretung zusammensetzt.

Statt Chemotherapie: Neuer Wirkstoff gegen Krebs hilft in Tablettenform

Bei seinem Bewertungsverfahren wird das Institut auch Zeuge des medizinischen Fortschritts: „Ein bahnbrechendes neues Medikament gibt es seit 2014 in der Krebstherapie“, erzählt Kaiser. „Es unterstützt das Immunsystem dabei, den Krebs selbst zu bekämpfen, beispielsweise beim Lungenkrebs, beim Nierenkrebs, Hautkrebs und verschiedenen anderen Krebsformen.“ Es sei ein Durchbruch gewesen, der vielen Krebskranken eine deutlich bessere Prognose beschert habe. Der entdeckte Wirkstoff: Nivolumap. Derzeit ist er als Medikament namens Opdivo auf dem Markt.

Aber auch weniger spektakuläre Erkenntnisse können den Menschen helfen: So hat gerade ein Gutachten zu dem Ergebnis geführt, dass Menschen, die unter chronischen Blasenentzündungen leiden, mit der Einnahme von Cranberry-Extrakt einer erneuten Erkrankung vorbeugen können. „Das gilt allerdings nicht für eine akute Blasenentzündung“, betont Kaiser. „Und auch nicht in jedem Fall.“ Drei von 100 Patientinnen hätten durch Cranberry eine weitere Erkrankung verhindern können. Das klänge wenig, sei aber im Vergleich zu anderen getesteten Präparaten viel.

Der Vorschlag zur Bewertung des pflanzlichen Arzneimittels sei von einer Bürgerin gekommen. Das Institut eröffnet Bürgern und Bürgerinnen selbst die Möglichkeit, Präparate oder Verfahren vorzuschlagen, die getestet werden sollen. Das größte Interesse der Allgemeinheit gelte laut Kaiser allerdings der institutseigenen Website. Anhand der dort bereitgestellten Einzelinformationen könnten Menschen besser entscheiden, ob sie sich beispielsweise operieren lassen oder impfen. So erlebte das Institut während Corona einen Run auf seine Homepage. „Wir haben genau beschrieben, wie die Studienlage ist, welchen Vorteil eine Impfung hat, welche Nebenwirkungen auftreten. Wir wollen eine vertrauensvolle Anlaufstelle sein“, so Kaiser, „weil wir uns nicht positionieren. Wir wollen die Informationen liefern, um die Menschen zu befähigen, selbst zu entscheiden.“

www.gesundheitsinformation.de

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