Wird Köln zum Musical-Hotspot? Zukünftig könnte es drei feste Spielstätten geben.
Kultur auf der Schildergasse?Musical-Macher plant Theater in Kölner City

So sehen erste Pläne für ein neues Musical-Theater auf der Schildergasse aus.
Copyright: Badtke Architektur GmbH
Wo bislang Jeans und Jacken auf Kleiderstangen hingen, könnte bald der Vorhang für ein Musical aufgehen. In den oberen Etagen des bisherigen C&A-Modehauses an der Schildergasse plant der Kölner Musical-Betreiber Apiro Entertainment eine neue Spielstätte – während im Erdgeschoss und Untergeschoss weiterhin Verkaufsräume bleiben sollen.
Erstmals äußert sich nun Apiro-Geschäftsführer Frank Blase konkret zu den Hintergründen. Gesucht werde derzeit nach zwei Standorten gleichzeitig: ein Spielort im Rechtsrheinischen mit bis zu zwei Bühnen, sowie ein Spielort in der Innenstadt, ebenfalls mit bis zu zwei Bühnen.
Wie berichtet, hat Blase in Mülheim einen Untermietvertrag für das Depot 1 mit fünfjähriger Dauer unterzeichnet. In der ehemaligen Spielstätte des Schauspielhauses soll das Musical „Kick like a Woman“ gezeigt werden. Die Welturaufführung ist für den 14. November geplant.
Köln: Neues Musical-Theater im„ C&A-Haus“?
Doch Blase denkt über einen Fünfjahreszeitraum hinaus. „Das Depot ist nicht die einzige Option“: So lässt der Unternehmer durchblicken, dass auch weitere Standorte im Rechtsrheinischen langfristig infrage kommen. Gleiches gilt auch für die linke Rheinseite der Stadt. Das C&A-Gebäude an der Schildergasse sei nur eine von mehreren Möglichkeiten – die Apiro ja auch nicht gehört. Eigentümer ist die Aachener Grundvermögen Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH.
Der Apiro-Geschäftsführer will Köln als Standort für deutschsprachige Musical- und Kulturproduktionen etablieren. Seine Leitidee: „Für internationale Produktionen fährt man nach Hamburg – für neue deutschsprachige Musicals fährt man nach Köln.“
Da der Branchen-Riese ATG Entertainment zukünftig das neue „Theater am Rhein“ betreibt, das ab 2027 auf dem Gelände der ehemaligen Messehallen mit bis zu 1800 Zuschauerplätzen entsteht, könnte Köln künftig mit drei Musical-Spielstätten punkten.

Ein Längsschnitt zeigt die einzelnen Ebenen des geplanten Gebäudes.
Copyright: Badtke Architektur GmbH
Vorgesehen ist im C&A-Haus ein multifunktionales Kultur- und Einzelhandelskonzept, das es in ähnlicher Form in London oder Metropolen der USA gibt. Während im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss weiterhin Verkaufsräume geplant sind, könnte vom zweiten bis sechsten Obergeschoss genügend Raum für den Bühnenbetrieb samt Restaurant und Bar sein.
Der Plan sieht unter anderem einen größeren Saal mit 658 Plätzen und einen kleineren mit 418 Plätzen vor, in dem Fremdveranstaltungen wie Karnevalssitzungen, Firmen-Events, Konzerte sowie Kabarett- und Comedyveranstaltungen stattfinden sollen. Dazu will Apiro Entertainment alle Geschosse kernsanieren und energetisch modernisieren. Gebäudehülle und Fassade sollen vollständig neu gestaltet werden.
Am Dienstag beschäftigte sich der Gestaltungsbeirat der Stadt Köln mit den Plänen und Visualisierungen, entworfen von der Badkte Architektur GmbH. Der Gestaltungsbeirat ist ein vom Stadtrat bestelltes Gutachter-Gremium, dem unter anderem Architekten angehören. Es beschäftigt sich möglichst früh in Planungsphasen mit „städtebaulichen Planungsprojekten von hoher Relevanz für die Stadtgestaltung“ – ein Vorfühlen, bei dem Änderungen an den Plänen üblicher sind als unüblich.

Das Gebäude grenzt zur Nord-Süd-Fahrt. Auf der anderen Seite befinden sich Oper und Schauspielhaus.
Copyright: Badtke Architektur GmbH
Entsprechend fällt auch das Urteil des Vorsitzenden, Architekt Jürgen Minkus, aus: „Der Beirat begrüßt das Projekt, weil es die Zeichen der Zeit sind, dass die großen Warenhäuser einer anderen Nutzung zugeführt und gemischt genutzt werden.“ Bei der Fassadengestaltung sei das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen, so Minkus – schließlich handele es sich um einen ersten Aufschlag.
Frank Blase äußerte sich am Mittwoch zufrieden: „Das Votum im Gestaltungsbeirat war überraschend positiv.“ Der Vorsitzende des Gremiums habe ihm mitgegeben: „Nehmen Sie es als Rückenwind für ihre Projekte.“
Den erhält er auch aus der Stadtspitze. Andree Haack, Dezernent für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Planen und Bauen, sagt: „Erfolgreiche Innenstädte leben im Wesentlichen von einem bunten Mix aus Handel, Kultur und Gastronomie. Die Stadt Köln hat dies in ihrem Leitbild für die Handelslagen fest verankert und arbeitet mit verschiedenen Investoren an der Umsetzung. Ein Musical-Theater würde nicht nur sehr gut in diese Strategie passen, sondern wäre auch ein echter Hingucker auf der Schildergasse.“
Neues Musical soll Kölner City beleben
Eigentümerin der Immobilie ist die Aachener Grundvermögen Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH. „Zu Vertragsdetails und Gesprächen mit unseren Einzelhandelsmietern äußern wir uns grundsätzlich nicht“, betont eine Sprecherin mit Verweis auf das laufende und feste Mietverhältnis.
Gleichwohl benötige der stationäre Einzelhandel heute strukturell weniger Fläche als noch vor einigen Jahren und konzentriere sich zunehmend auf die unteren Geschosse. Als „vorausschauende Eigentümerin“ beschäftige man sich daher mit möglichen Szenarien für den Fall, dass ein Mieter eines Tages weniger Fläche benötige oder ein Mietvertrag auslaufe.
„Grundsätzlich begrüßen wir Nutzungen in Einkaufsstraßen, die über den klassischen Einzelhandel hinausgehen. Freizeit-, Kultur- und Gastronomieangebote ergänzen den Einzelhandel, schaffen Aufenthaltsqualität, Frequenz und halten Innenstädte zu unterschiedlichen Tageszeiten lebendig und attraktiv“, heißt es weiter.
Musical-Pläne Thema im Gestaltungsbeirat
Hintergrund ist eine Entwicklung in deutschen Städten, die seit Jahren bekannt ist: Die Umsätze vieler Filialen sinken. Verkaufsflächen werden reduziert. Auch C&A an der Schildergasse hat die oberen Etagen seines Hauses bereits geschlossen und nutzt nur noch drei Geschosse des Gebäudes. Eine Anfrage beim Modeunternehmen blieb bislang unbeantwortet.
Dass die Pläne bislang nicht offiziell kommuniziert wurden, erklärt der Apiro-Chef mit unternehmerischer Vorsicht. Allerdings waren sie nun Thema im Gestaltungsbeirat. Blase: „Wir gehen ungern mit nicht entschiedenen Projekten an die Öffentlichkeit.“
Offen sei für ihn vor allem die Frage, „ob die Stadt sich in Köln eine mutige Fassade, einen mutigen Entwurf vorstellen kann“ – ein Hinweis darauf, dass die vorliegenden Entwürfe eine deutlich modernere, auffällige Außengestaltung des Gebäudes vorsehen.
Auf den Visualisierungen ist der Schriftzug „Himmel und Kölle“ zu sehen – jenes Comedy-Musical, mit dem Apiro Entertainment in der Volksbühne am Rudolfplatz seit 2020 Erfolge feiert.
Die Rückseite des Gebäudes liegt dem Offenbachplatz gegenüber, wo die Bühnen der Stadt Köln – Oper und Schauspiel – nach jahrelanger Sanierung gerade erst wieder eingezogen sind. Ein Musical nur einen Steinwurf entfernt könnte nach Blases Einschätzung eine zusätzliche Belebung der Innenstadt bedeuten.
Dass neben angesagten Konzertstätten wie Palladium und E-Werk auch das Rechtsrheinische als Kulturort weiter wachsen kann, ist mit Blases Engagement verbunden: Weil sich die Stadt Köln wegen ihrer Haushaltskrise aus der Finanzierung der Spielstätten Depot 1 und 2 zurückziehen musste, erklärt sich der Unternehmer – der hauptberuflich den Kölner Kunststoffspezialisten Igus führt – ab der Spielzeit 2027/28 bereit, den Mietvertrag mit dem Grundstückseigentümer von der Stadt zu übernehmen, und würde beide Säle selbst bespielen.
Zusätzlich ist er gewillt, die freie Kölner Kulturszene über zehn Jahre mit insgesamt zehn Millionen Euro zu unterstützen. Blase betont, dass die Stadt Köln aufgrund der Finanznot auf ihn zugekommen sei. Noch ist der Deal nicht in fix, die Politik will im Stadtrat darüber entscheiden. Zudem finden derzeit laufend Gespräche zwischen Blase und Akteuren der freien Szene statt.
