„Standort denkbar schlecht gewählt“Passstelle für ukrainische Geflüchtete sorgt für Verkehrschaos in Köln

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Autos stehen auf der Händelstraße.

Kaum noch ein Durchkommen: Anwohner beschweren sich über das Verkehrschaos auf der Händelstraße.

Für ukrainische Geflüchtete ist das Passamt eine wichtige Anlaufstelle, in der Nachbarschaft sorgt sie für Unmut.

Seit Dezember ist die Händelstraße in der Kölner Innenstadt eine wichtige Anlaufstelle für Geflüchtete aus der Ukraine. Dort, unweit des Rudolfplatzes, befindet sich seit dem 11. Dezember der „Ukrainian Passport Service“, in dem Geflüchtete Personalausweise, Reisepässe und Führerscheine verlängern und beantragen können. Neben einem Standort in Berlin ist es laut Internetseite des ukrainischen Außenministeriums die einzige Servicestelle dieser Art in ganz Deutschland.

Doch während der Ort für ukrainische Geflüchtete eine existenzielle Anlaufstelle ist, sorgt er bei Anwohnerinnen und Anwohner für Unmut. Denn der große Andrang von Geflüchteten aus ganz Deutschland stürze die ohnehin angespannte Verkehrssituation ins Chaos, sagen sie.

Kölner Gastronom beklagt blockierte Zufahrten

So auch der Gastronom Christoph Paul, dessen gleichnamiges Restaurant sich in unmittelbarer Nähe der Servicestelle befindet. „Seit es die Passstelle gibt, geht hier gar nichts mehr“, sagt er. „Manchmal bilden sich hier Schlangen von Hunderten von Menschen, viele kommen mit dem Auto, parken in zweiter und dritter Reihe und blockieren die Zufahrten.“

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Auch der Müll rund um sein Restaurant habe zugenommen. Ein Rundgang bestätigt den Eindruck der Nachbarschaft durchaus: Autos, die Zufahrten blockieren oder in zweiter Reihe parken, sind hier noch häufiger anzutreffen als sonst in der Innenstadt.

Einfluss der Stadt Köln beim Parkproblem ist begrenzt

Paul betont, so wie alle Anwohner, mit denen der „Kölner Stadt-Anzeiger“ spricht: „Es geht mir nicht um die armen Leute, die hier hinkommen. Die trifft keine Schuld. Aber der Standort mitten in der Innenstadt ist denkbar schlecht gewählt.“ So sieht das auch Alexander Kaufmann, Inhaber von „Skinworks“, einem Tattoo- und Piercingstudio auf der Händelstraße. „Es ist gut, dass es eine solche Anlaufstelle für Ukrainer gibt, aber ich verstehe nicht, warum sie ausgerechnet hier eingerichtet wurde.“

Regelmäßig müsse er Autos abschleppen lassen, die ihn zuparken würden. „Auf der einen Seite will die Stadt Autos aus der Innenstadt schaffen und auf der anderen Seite richtet man mitten in der Innenstadt so eine Stelle ein“, sagt Kaufmann.

Ein Standort am Rand der Stadt mit mehr Parkplätzen wäre aus seiner Sicht die bessere Lösung gewesen. Zumindest aber, so Kaufmann, solle die Stadt mit einer besseren Beschilderung auf das Problem hinweisen. Ein Anwohner schlägt vor, dass Stadt und Passservice auf das Parkhaus am Rudolfplatz hinweisen könnten. „Damit wäre schon viel gewonnen.“

Der Einfluss der Stadt in der Sache ist allerdings begrenzt. Denn die Passstelle wird vom Außenministerium der Ukraine betrieben. Das Problem sei bei der Stadt aber zumindest bekannt, sagt eine Sprecherin. Teilweise sei der Verkehrsdienst mehrmals täglich vor Ort. Seit Juli vergangenen Jahres seien allein in der Händelstraße rund 530 Verwarnungen geschrieben wurden. Die Sprecherin sagt aber auch: „Die Sanktionsmöglichkeiten sind leider sehr beschränkt.“

Eine Mitarbeiterin der Passstelle betont, dass sie ihre Klienten regelmäßig darauf hinweise, dass sie ihre Autos nicht im Parkverbot abstellen dürfen. Auch auf das Parkhaus am Rudolfplatz weise man immer wieder hin, wenn der Andrang groß wird. „Es sind aber nicht immer unsere Klienten, die falsch parken“, betont die Frau.

Gastronom Christoph Paul ist skeptisch, ob zusätzliche Schilder und ein Hinweis auf der Website des Passamts wirklich etwas ändern werden. „Das wird den Verkehr kaum reduzieren. Der Standort ist einfach falsch gewählt.“

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