Still und leise beerdigt OB Torsten Burmester seinen Plan, den Ex-Baudezernenten Markus Greitemann zum Chef-Sanierer der Kölner Bühnen zu machen.
Kölner OB rudert zurückAndrea Blome soll Bühnen-Betriebsleiterin bleiben

Ein Blick in den Opernsaal (April 2025).
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Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) schweigt am Donnerstag auf Anfrage gegenüber dieser Redaktion, aber kurz nach Mittag bestätigt sein Sprecher Alexander Vogel, was den ganzen Morgen schon über viele Flure im Rathaus ein Thema ist. Ordnungsdezernentin und Stadtdirektorin Andre Blome (66) soll weiterhin bis Jahresende Technische Betriebsleiterin der Bühnen-Sanierung am Offenbachplatz bleiben – und nicht durch den früheren Baudezernenten Markus Greitemann (66) ersetzt werden, der seit gut zwei Wochen in Rente ist.
Das war Burmesters Plan der vergangenen Wochen (wir berichteten) – und diesen gibt er jetzt auf, still und leise, ohne eigene öffentliche Äußerung. Zu den Hintergründen der OB-Kehrtwende äußert sich auch Vogel nicht.
Nach Informationen dieser Redaktion war nach vielen Gesprächen eine Mehrheit für diese Pläne im Stadtrat alles andere als sicher, viele Beteiligte verwunderte Art und Stil von Burmester – und dass eine Frau abgesetzt werden soll. „Da hat er sich ohne Not ein schönes Ei ins Nest gelegt“, heißt es mehrfach. „Warum sollte man jetzt die Pferde wechseln?“, fragt ein Beteiligter.

Stadtdirektorin Andrea Blome soll bis Jahresende die Bühnen-Baustelle führen.
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Blome sagt am Donnerstagmittag kurz und knapp über die neue Entwicklung: „Ich freue mich darüber.“ Greitemann ließ eine kurzfristige Anfrage unbeantwortet.
Dem Vernehmen nach soll Blome im ersten Anlauf ziemlich hoch gezielt haben bei ihren Gehaltsvorstellungen, auch weil sie mehr Aufwand für den Nicht-Vollzeit-Job angesetzt hatte als Greitemann. Der frühere Baudezernent soll deutlich weniger Stunden angesetzt und weniger Geld gefordert haben. Das soll ein wesentlicher Grund für Burmesters Plan gewesen sein.
Nach weiteren Gesprächen soll Blome den Job jetzt für das Gehalt erledigen, das Greitemann angeboten hatte. Es sollen rund 5000 Euro monatlich sein, demnach geht es insgesamt um 30.000 Euro. Eine offizielle Bestätigung für die Summen liegt nicht vor.
Teil der Bühnen-Chefebene
Denn das war ein Kritikpunkt an Burmesters Vorgehen: Burmester soll Greitemanns Angebot Blome nicht mehr vorgelegt haben, damit sie darauf reagieren kann – obwohl sie der Rat ja schon zur Betriebsleiterin bis Ende 2026 bestellt hat.
Dass sie trotz der Bestellung einen neuen Vertrag braucht, liegt an ihrem nahenden Abschied als Dezernentin. Sie geht Ende Juni in Rente. Aktuell macht Blome den Betriebsleiterin-Job für rund tausend Euro zusätzlich zu ihrer Dezernentinnen-Arbeit, für die sie monatlich 12.909,07 Euro erhält.
Da sie bald nicht mehr Dezernentin ist, braucht sie für die sechs Monate bis Ende des Jahres einen neuen Vertrag als Bühnen-Betriebsleiterin – und der ist Verhandlungssache. Über den Vertrag muss die Politik entscheiden, doch es fehlte eine Vorlage der Verwaltung. Dann wurde der Plan mit Greitemann öffentlich.
Neuer Vertrag soll beschlossen werden
Den nun neu ausgehandelten Vertrag für Blome will die Verwaltung schnellstmöglich der Politik vorlegen, damit sie darüber entscheidet. Eine Mehrheit gilt nach all dem Hick-Hack zumindest als wahrscheinlich, viele wollen das Thema einfach nur noch loswerden.
Blome ist als Technische Betriebsleiterin Mitglied der vierköpfigen Bühnen-Leitung und zuständig für die Sanierung am Offenbachplatz, aber eher in einer übergeordneten Rolle. In der Praxis kümmert sich aber der externe Projektmanager Jürgen Marc Volm um die Baustelle. Bei den Bühnen arbeiten rund 850 Beschäftige und organisieren den Spielbetrieb von Oper, Schauspiel und Tanz.

Markus Greitemann war bis Ende Mai Baudezernent der Stadt, bevor er in Rente ging.
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Den Namen Greitemann hatte die Verwaltung selbst in der Vorwoche nicht genannt, nur mitgeteilt, dass die Stadt einen Wechsel in der Betriebsleitung anstrebt. Der Rat sollte darüber am 2. Juli entscheiden.
Greitemann, als OB-Kandidat der CDU auf Rang drei gelandet, hatte vor der Stichwahl zwischen Burmester und Berivan Aymaz (Grüne) dazu aufgerufen, Burmester zu wählen. Und zuletzt hatte er gesagt: „Torsten Burmester ist der richtige OB für die richtige Zeit.“ Im Rat rief er die Mitglieder dazu auf, ihm zu folgen.
Für einige Beteiligte hatte der geplante Personaltausch deshalb ein „Geschmäckle“. Er verwunderte und verärgerte viele Menschen, auch bei den Bühnen selbst.

Oberbürgermeister Torsten Burmester.
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Als der Rat Blome im Dezember 2025 bis Ende 2026 zur Betriebsleiterin bestimmte, hatte die Verwaltung zuvor an die Politiker und Politikerinnen geschrieben: „Angesichts der anstehenden Rückkehr an den Offenbachplatz, sowie zur Wiedereröffnung mit Beginn der Spielzeit 2026/2027, ist es sinnvoll, weiter auf die handelnden Personen zu vertrauen und eine Kontinuität der Arbeit sicher zu stellen. Der Zeitplan bis zur geplanten Wiedereröffnung ist durch eine hohe Komplexität geprägt, so dass ein Wechsel bei den handelnden Akteuren ein bedeutendes Risiko für die planmäßige, zeitliche Umsetzung darstellt.“
Hätte Burmester seinen Plan mit Greitemann durchgezogen, wäre die Frage aufgekommen: Was hat sich seither geändert?
Es geht nur noch um sechs Monate bis Jahresende. Oper, Schauspiel, Kleines Haus und Kinderoper sollen ja nach 14 Jahren Sanierung im September eröffnen. Im Wesentlichen sollte es im nächsten halben Jahr im Idealfall nur noch darum gehen, Forderungen von Baufirmen nachzuverhandeln.
Die CDU hatte Blome, die kein Parteimitglied ist, 2017 als Verkehrsdezernentin nach Köln geholt, sie kam auf „CDU-Ticket“ heißt es in solchen Fällen. Ähnlich war es 2018 bei Greitemann, der aber auch CDU-Mitglied ist. Beide verstanden sich gut – doch das ist seit vergangener Woche vorbei. Ein Beteiligter sagt: „Am Ende sind alle in dieser Sache beschädigt.“

