Neue Unruhe bei BühnenKölner OB plant spektakulären Personaltausch

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Die Baustelle der Bühnen am Offenbachplatz.

Die Baustelle der Bühnen am Offenbachplatz. 

Für sechs Monate plant OB Burmester, den in Rente gegangenen Baudezernenten als Betriebsleiter zu installieren. Beteiligte sehen ein „Geschmäckle“. 

Drei Monate vor dem geplanten Festakt zur Wiedereröffnung der Kölner Bühnen am 24. September verursacht eine angedachte Personalrochade in der Betriebsleitung Unruhe: Nach Informationen dieser Redaktion plant Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), dass der Ende Mai in Rente gegangene Baudezernent Markus Greitemann (66) ab Juli die bisherige Technische Betriebsleiterin Andrea Blome (66) ablöst – obwohl es nur noch um sechs Monate bis Jahresende geht.

Obwohl der Rat Blome bis Jahresende zur Betriebsleiterin bestellt hat und obwohl die Stadtverwaltung eine entsprechende Pressemitteilung im November begonnen hatte mit dem Satz: „Die Stadt Köln setzt auf Kontinuität in der Leitung der Bühnen.“

Obwohl Greitemann organisatorisch mehr als ein Jahr nichts mehr mit der Baustelle zu tun hatte. Und obwohl zumindest derzeit unklar ist, ob Burmester für Greitemann eine Mehrheit zusammen bekommt. 

Sanierung kostet inkusive aller Kosten 1,465 Milliarden Euro

Das ist die eine Seite. Die andere ist: Hat Blome zu viel Geld gefordert? Das ist auch zu hören. Bislang soll sie rund tausend Euro monatlich erhalten als zusätzliches Geld zu ihrem Dezernentinnen-Lohn. Doch die Zeit als Dezernentin ist Ende Juni vorbei, sie braucht wie in solchen Fällen üblich einen neuen Arbeitsvertrag über sechs Monate als neue Betriebsleiterin. Die Politik soll darüber entscheiden, das ist bisher aber nicht passiert.

Es soll dem Vernehmen nach um rund 20.000 bis 25.000 Euro Unterschied zwischen Greitemann und Blome gehen – wobei die Summe mit einer Einschränkung verbunden sein soll: Über den Arbeitsaufwand für die Nicht-Vollzeit-Stelle soll es unterschiedliche Vorstellungen geben, eine Vergleichbarkeit schwierig sein. Im Kern geht es darum, nach der geplanten Eröffnung die Nachforderungen der Baufirmen abzuwickeln. 

Insgesamt kostet das Bauvorhaben inklusive Finanzierung und Interimsspielstätten rund 1,465 Milliarden Euro.

Stadtdirektorin Andrea Blome.

Stadtdirektorin Andrea Blome.

Greitemann, von Juli 2024 bis Juni 2025 der direkte Vorgänger von Blome als Technischer Betriebsleiter, musste als Oberbürgermeisterkandidat der CDU ab dem 16. Juni des Vorjahres Urlaub nehmen für den Wahlkampf. Als Baudezernent und auch als Betriebsleiter. Ordnungsdezernentin und Stadtdirektorin Blome übernahm für ihn. Bis jetzt.

Im Rathaus ist die Rede von einer Intrige („Das geht so nicht“), von zerbrochener Freundschaft zischen Blome und Greitemann („Die mochten sich“), von finanziellen Streitigkeiten und der Frage, „was den OB in der Sache geritten hat“, wie ein Beteiligter sagt. Ein anderer ist „höchst irritiert, aber das muss der OB selbst regeln“. 

Viel Lob von Greitemann für Burmester

Greitemann, als OB-Kandidat der CDU nur auf Rang drei gelandet, hatte vor der Stichwahl zur Wahl des damaligen Oberbürgermeisterkandidaten Burmester (SPD) aufgerufen, der sich gegen Berivan Aymaz (Grüne) durchsetzte.

In seiner Abschiedsrede als Baudezernent im Rat am 12. Mai sagte Greitemann: „Ich rufe hier in den Rat in die Zukunft hinein: Traut ihm, folgt ihm! Ich glaube, er ist genau der Richtige.“ Gemeint war OB Burmester. Mehrere Beteiligte sprechen angesichts der geplanten Personalrochade von einem „Geschmäckle“.

Die Stadtverwaltung ließ mehrere Fragen dieser Redaktion eben dazu unbeantwortet, ein angefragtes Zitat von Burmester lieferte sie nicht.

Ex-Baudezernent Markus Greitemann.

Ex-Baudezernent Markus Greitemann.

Burmesters Sprecher Alexander Vogel bestätigte aber den geplanten Personalwechsel, ohne Greitemanns Namen zu nennen: „Ich kann bestätigen, dass die Verwaltung eine Vorlage für die kommende Ratssitzung plant, die einen Wechsel in der technischen Betriebsleitung der Bühnen vorsieht.“ Der Rat tagt am 2. Juli.

Sowohl Blome als auch Greitemann wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Beide sind ja auf Vorschlag der CDU nach Köln gekommen, Greitemann sogar Parteimitglied.

Sanierungs-Chef musste aufhören

Der Technische Betriebsleiter ist vereinfacht gesagt organisatorisch der Chef-Sanierer am Offenbachplatz. Dort lässt die Stadt seit 2012 Oper, Schauspiel, Kleines Haus und Kinderoper für Planungs- und Baukosten von 798,6 Millionen Euro sanieren.

Als Chef-Sanierer Bernd Streitberger Ende Juni 2024 den Job mit 75 Jahren nach einem Schlaganfall aufgab, übernahm Greitemann im Doppelpack mit dem externen Projektmanager Jürgen Marc Volm – bis zum 16. Juni 2025. Danach übernahm Blome. Volm ist derjenige, der die Baustelle vorantreibt, sowohl Greitemann als auch Blome hatten das immer wieder betont. Ihre jeweilige Rolle war ein bisschen die eines Supervisors.

Stimmt die SPD wirklich für Greitemann?

Der Plan mit Greitemann hat aber einige mögliche Probleme: Vor der Bestellung durch den Rat muss der Hauptausschuss seinen Arbeitsvertrag genehmigen, wie er es bei Blome auch hätte machen müssen. 

Vor der Ratssitzung am 2. Juli ist aber keine Sitzung des Hauptausschusses mehr anberaumt, es braucht für die sechs Monate Vertrag also eine Sondersitzung oder eine Dringlichkeitsentscheidung, die der Rat später nachträglich bestätigt.

Pikant daran: Burmester braucht für eine Mehrheit ziemlich sicher die Stimmen seiner SPD. Die hatte Greitemann aber im Wahlkampf wegen der geplanten 300-Millionen-Euro-Miete der leer stehenden früheren Kaufhof-Zentrale durch die Stadt hart verbal attackiert.

Joisten: „Greitemann hat den Rat systematisch getäuscht“

Die SPD schrieb beispielsweise: „Der Vertrags-Skandal um die Kaufhof-Zentrale zeigt: Hier läuft einiges schief! Mittendrin steht erneut CDU-OB-Kandidat und Bau-Dezernent Markus Greitemann. Markus Greitemann zeigt weder Führungswillen noch Verantwortungsbereitschaft.“ SPD-Fraktionschef Christian Joisten sagte: „Markus Greitemann hat den Rat systematisch getäuscht.“

Auch die Grünen würden über Greitemanns Vertrag abstimmen, ihre Fraktionschefin Christiane Martin hatte die Anmietung als „konzeptlos“ bezeichnet. „Noch schwerer wiegt, dass Baudezernent Markus Greitemann bei den Nachträgen zum Mietvertrag ohne die erforderliche Zustimmung des Rates gehandelt hat.“ 

Der Wahlkampf liegt Monate zurück, mittlerweile arbeiten Grüne, SPD und CDU bei der Besetzung der Dezernentenposten zusammen – aber können beide Fraktionen glaubhaft für Greitemann stimmen? Oder geht es ohnehin nicht nur um einen reinen „Abwickler“?

Aber auch Blome war im Rat häufiger umstritten für ihre Arbeit. Zuletzt geriet die Ordnungsdezernentin in Köln in die Kritik, weil die Auszählung beim Bürgerentscheid über Olympia bis in die Nacht dauerte – während die versammelte Landesprominenz vergeblich auf das Ergebnis wartete.

Viele Beteiligte fragen sich, was Greitemann antreibt. Er war, wie berichtet, oft spürbar stolz, Kölns Problemprojekt Bühnen-Sanierung nach Streitbergers Ausscheiden neu organisiert zu haben.

Ein interner Bericht des Rechnungsprüfungsamtes bewertete zuletzt die Leistungen von Greitemann/Volm nüchterner: Demnach habe das Duo „gänzlich andere Voraussetzungen vorgefunden“ als Streitberger, als dieser 2016 die Chaos-Baustelle übernahm. Die Planung war abgeschlossen, die Rückbauten absolviert, ein „normales Abarbeiten war möglich“, das „entschärfte räumliche und terminliche Zwänge“.

Ein Beteiligter sagt zur Bedeutung der Technischen Betriebsleitung für die Sanierung: „Volm hat das Projekt fit gemacht, niemand anderes.“