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War Greitemann der erhoffte Macher?Kölns Baudezernent hört nach acht Jahren auf

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Auf der Baustelle: Markus Greitemann.

Auf der Baustelle: Markus Greitemann.

Markus Greitemann sollte als Baudezernent in Köln ein Macher sein. Einen Teil seiner Ziele hat er erreicht, andere nicht.

Als Markus Greitemann vor acht Jahren als Kölns Baudezernent angefangen hat, hatte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) zuvor gesagt: „Einer der Gründe für die Entscheidung für Herrn Greitemann war ja: Wir brauchen einen Macher, der baut.“ Aufgaben müssten schneller erledigt werden. Jetzt, nach seinem letzten Arbeitstag am Freitag, bleibt die große Frage: War Markus Greitemann, 66, ein Macher für Köln?

Er selbst sagt: „Ich bin kreuzglücklich, dass ich acht Jahre hier mitwirken durfte. In so einer Stadt wie Köln ist das die Königsdisziplin für mich.“ Greitemann, damit tritt man ihm sicher nicht zu nahe, ist überzeugt von sich und seiner Arbeit. Vor acht Jahren kündigte er, zuvor Baudezernent an der Uni Köln, an: „Ich möchte gerne Erfolge feiern. Ich möchte mehr Kräne in Köln sehen.“ 

Im Jahr 2018 wählt der Rat Markus Greitemann zum Baudezernenten. Links die damalige OB Henriette Reker (parteilos).

Im Jahr 2018 wählt der Rat Markus Greitemann zum Baudezernenten. Links die damalige OB Henriette Reker (parteilos).

Es sind Sätze, die ihm acht Jahre später ein Stück weit auf die Füße fallen, weil beispielsweise keines der städtischen Museen fertig saniert ist, der Wohnungsbau mit Ausnahme des Vorjahres eingebrochen ist, die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen nur stagniert. Es gibt Kölner Bauunternehmer, die Greitemann als „Ankündigungsminister“ bezeichnet haben, er wies das stets zurück, ärgerte sich darüber.

Greitemanns Amtszeit, das gehört zur Wahrheit, hat vor allem ab dem Jahr 2020 einige Hemmnisse: Die Corona-Pandemie, später der Ukraine-Krieg, die Zinswende, all das verteuert das Bauen – viele Projekte sterben einen langsamen Tod, wenn den Firmen das Geld ausgeht. Greitemann ist in der Zeit interimsweise auch Wirtschaftsdezernent, muss viel regeln. Er, das sagt er heute, hatte sich das anders vorgestellt.

Köln ist und bleibt aber auch nach den acht Jahren Greitemann ein Problemfall, was große Bauprojekte angeht – sie dauern häufig viel länger, kosten mehr und er ist als Baudezernent das Gesicht dazu, nicht immer zurecht, siehe die Sanierung der Mülheimer Brücke, die im Verkehrsdezernat angedockt ist.

Ja, damit ist Köln nicht allein, aber zumindest eine Verbesserung wäre ein Anfang. Dabei hatte Greitemann sich vor acht Jahren vorgenommen, das zu ändern. Damals sagte er: „Große Projekte sind etwas Gutes. Gerade in dieser Stadt sollten wir den notwendigen Respekt bei der Herangehensweise an solche Projekte haben, aber bitte keine Angst.“

2018: Markus Greitemann räumt als neuer Baudezernent sein Büro ein.

2018: Markus Greitemann räumt als neuer Baudezernent sein Büro ein.

Wer allerdings die Diskussionen, etwa um einen möglichen Tunnel auf der Ost-West-Achse, aufmerksam verfolgte, hörte häufig: Wie soll Köln das hinbekommen? Eine Stadt, deren Bühnen-Sanierung beispielsweise 14 statt drei Jahre dauert, deren Bau 798,6 statt 253 Millionen Euro kostet.

Greitemann war für dieses Bauprojekt bis 2024 nicht zuständig, weil die Bühnen in Bernd Streitberger einen eigenen Sanierungschef hatten, der das Projekt nach der abgesagten Eröffnung 2015 fast von Grund auf neu plante und aufstellte – und Greitemann vermied tunlichst, damit in Verbindung gebracht zu werden.

Dort gab es lange nichts zu gewinnen, weil das Großbauprojekt Jahr für Jahr Negativ-Schlagzeilen produzierte. Als Streitberger 2024 nach einem Schlaganfall mit 75 Jahren aufhören musste, übernahm Greitemann dann doch mit dem externen Projektmanager Jürgen Marc Volm, bevor ihn Stadtdirektorin Andrea Blome ein Jahr später wegen seiner Oberbürgermeister-Kandidatur ablöste.

Mit Bauhelm: Markus Greitemann im Otto-Langen-Quartier.

Mit Bauhelm im Jahr 2022: Markus Greitemann im Otto-Langen-Quartier.

Das Duo Greitemann/Volm organisierte die Baustelle neu, war oft spürbar stolz, Kölns Problemprojekt auf die Eröffnung in diesem September hinzuführen. Ein Bericht des städtischen Rechnungsprüfungsamtes bewertete die Leistungen von Greitemann/Volm zuletzt: Demnach habe das neue Duo „gänzlich andere Voraussetzungen vorgefunden“ als Streitberger. Die Planung war abgeschlossen, die Rückbauten absolviert, ein „normales Abarbeiten war möglich“, das „entschärfte räumliche und terminliche Zwänge“. Das schmälert Greitemanns Leistung nicht, relativiert sie aber im Gesamtkontext.

Dass unter anderem das Römisch-Germanische Museum, die Zentralbibliothek oder das neue Jüdische Museum (MiQua) auch unter ihm nicht fertig werden, ärgert ihn. Er kündigt die Fertigstellung der Kulturbauten bis 2029/2030 an, argumentiert, dass erst er sie ins Laufen gebracht habe. Greitemann sagt: „Die Projekte im Kulturbau waren fast alle eingefroren, als ich begonnen habe. Jetzt laufen sie und werden fertig. Aber die Dauer und die Preise stellen mich nicht zufrieden, etwa beim MiQua.“ Die Lesart soll sein: Er räumte auf, jetzt läuft es und wird fertig. Nicht alle in Politik und Verwaltung sehen das so.

August 2025 im OB-Wahlkampf: Markus Greitemann mit seiner Katze im Wohnzimmer seiner Wohnung.

August 2025 im OB-Wahlkampf: Markus Greitemann mit seiner Katze im Wohnzimmer seiner Wohnung.

Er nennt den Schulbau als Erfolg, dort habe er seine Ziele erreicht. Tatsächlich saniert und baut die Stadt Köln Schule um Schule oder besser gesagt: Sie lässt bauen. Das neue Tempo verdankt sie dem Umstand, dass sie Total- und Generalunternehmer beauftragt und nicht mehr jede Arbeit einzeln vergibt, was regelmäßig zu Kostenexplosionen führte. Jetzt verlagert die Verwaltung das Risiko auf die Unternehmen, doch die lassen es sich gut bezahlen. Greitemann sagt dazu: „Das ist eine provokante Kritik. Definitiv. Aber sie ist ein Stück weit richtig. Trotzdem: Im bundesweiten Vergleich sind die Kosten gar nicht so hoch.“

Wofür ihn die Beteiligten loben, ist die Baustelle des Laurenz-Carrés am Dom: Nach der Insolvenz des Projektentwicklers fürchteten viele eine jahrelange Baugrube am Welterbe. Dazu kommt es nicht, auch weil ein wöchentlicher Besprechungstermin mit den Schlüsselfiguren für eine Verbindlichkeit und ein Tempo sorgt, das einige von der Stadt auch anders kennen.

April 2025: Bei einem Rundgang über die Opern-Baustelle stehen Markus Greitemann und Projektmanager Jürgen Marc Volm auf der Bühne.

April 2025: Bei einem Rundgang über die Opern-Baustelle stehen Markus Greitemann und Projektmanager Jürgen Marc Volm auf der Bühne.

Anders sieht es im Wohnungsbau aus, in Greitemanns Amtszeit bricht die Zahl der fertiggestellten Wohnungen mit Ausnahme des Vorjahres ein, von den angepeilten 6000 neuen Wohnungen jährlich ist sie weit entfernt. Greitemann sagt: „Beim Wohnungsbau haben Verwaltung, Politik und Wohnungswirtschaft nicht genügend geschafft in den letzten Jahren.“ Die Stadt Köln schafft nur die Rahmenbedingungen, kann etwa das Tempo für Baugenehmigungen beeinflussen, doch private Firmen bauen.

Im letzten Jahr seiner achtjährigen Amtszeit hätte Greitemann seine bevorstehende Rente noch einmal aufschieben können: Am Ende einer chaotischen Kandidatenfindung stellt die Kölner CDU ihn als ihren OB-Kandidaten auf, obwohl ihr damaliger Vorsitzender Karl Mandl ihm zuvor die Eignung abspricht.

27. Januar 2025 Köln: Die CDU Köln wählt bei einer Mitgliederversammlung ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl, Markus Greitemann.

27. Januar 2025 Köln: Die CDU Köln wählt bei einer Mitgliederversammlung ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl, Markus Greitemann.

Doch aus einer persönlichen Ehre für CDU-Mitglied Greitemann wird nur der dritte Platz für ihn und die CDU, er schafft es nicht in die Stichwahl, es ist eine große Enttäuschung: Im Wahlkampf nutzt die politische Konkurrenz Greitemanns Baudezernenten-Job. Rückblickend sagt er: „Meine Tätigkeit als Baudezernent war für den Wahlkampf ein Mühlstein. Das hat man gemerkt.“

Auch andere im Rathaus sagen: Die Wählerinnen und Wähler haben nicht über Greitemann als OB-Kandidat abgestimmt, sondern über seine Aktivität als Baudezernent. Er selbst ist laut eigener Aussage sehr dankbar für die Erfahrung: „Wer darf mit 65 noch OB-Kandidat in Köln werden?“

Anders als einige seiner Dezernenten-Kollegen hatte Greitemann keine Allergie, sich öffentlich zu äußern. Er könne in den Spiegel schauen. Auf der Internet-Plattform Linkedin kündigt er an, dem Bereich Planen und Bauen erhalten zu bleiben, offen sei noch in welcher Form. Er will mit seiner Ehefrau auch in Sürth wohnen bleiben. Sein Dezernat wechselt in den Geschäftsbereich von Stadtentwicklungsdezernent Andree Haack.

In seiner Abschiedsmail an seine Mitarbeiter, die er im Gespräch mehrfach lobt, schreibt Greitemann: „Mein Anspruch war und ist, immer nahbar, authentisch und verbindlich zu sein, bei mir zu bleiben.“


Stimmen zum Greitemann-Abgang

Erich Pössl, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (dem Greitemann als außerordentliches Mitglied angehört): „Zum Beigeordneten als Macher gewählt, der Dinge pragmatisch umsetzt, hat Markus Greitemann mit Erfolg die notwendige Dynamik entfaltet, um dem Schulnotstand entgegenzutreten. Seine Strategie der Totalunternehmer-Vergabe öffentlicher Bauaufträge konnten wir als vorübergehende Notmaßnahme nachvollziehen, nicht jedoch als Dauerlösung, die an kleinen und mittelgroßen Architekturbüros sowie an der mittelständischen Bauwirtschaft vorbei agiert.“

Stefan Rappen (Vorsitzender Wohnungsbauinitiative Köln): „Die Bewertung seiner Amtszeit fällt in unseren Mitgliedsunternehmen unterschiedlich aus. Anerkannt wird das große Engagement von Markus Greitemann im Bemühen um schlankere und besser koordinierte Verfahren und einen zielführenden Austausch mit der Bau- und Immobilienwirtschaft. Im Ergebnis wurde das gemeinsam verfolgte Ziel im Bündnis für Wohnen, dauerhaft 6000 neue Wohneinheiten pro Jahr zu bauen, leider nicht erreicht. Die Gründe dafür sind vielfach. Sein großer Verdienst zum Ende seiner Amtszeit ist es jedoch, einer der Initiatoren des laufenden Dialogprozesses Köln baut bezahlbar zu sein.“

Michael Rohr, Geschäftsführer Geschäftsstelle Köln des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen: „Die Amtszeit von Markus Greitemann als Baudezernent der Stadt Köln war aus Sicht der Kölner Bauindustrie von einem intensiven Austausch und einer konstruktiven Zusammenarbeit geprägt. In einer Phase mit zahlreichen Herausforderungen im Bereich Planen und Bauen hat er wichtige Impulse gesetzt und zentrale Themen vorangebracht.“