Abo

„Unstrukturiert, kompliziert und unbefriedigend“Was die Stellenstreichungen in der Verwaltung für Bürger bedeuten

4 min
Das Stadthaus in Deutz am Willy-Brandt-Platz ist das größte Verwaltungsgebäude der Kölner Stadtverwaltung.

Das Stadthaus in Deutz am Willy-Brandt-Platz ist das größte Verwaltungsgebäude der Kölner Stadtverwaltung. 

Frei werdende Stellen in der Stadtverwaltung werden in aller Regel nicht mehr nachbesetzt – Personalrat rechnet mit Qualitätsverlusten.   

Die Zahl der Beschäftigten bei der Stadt Köln ist im vergangenen Jahr zurückgegangen, zum 31. Dezember 2025 waren laut dem aktuell von der Stadt veröffentlichten Personalbericht noch 21.751 Mitarbeitende im Stammpersonal der Stadtverwaltung beschäftigt, 97 weniger als im Jahr zuvor. Der Personalkörper habe sich „moderat reduziert“, die Personalanpassungsstrategie zeige Wirkung, heißt es in einer Mitteilung des Personal- und Verwaltungsmanagements unter Stadtdirektorin Andrea Blome. Allerdings war das erst der Anfang. 

Im laufenden Jahr stehen der Verwaltung weit drastischere Personaleinsparungen bevor, frei werdende Stellen werden aktuell in aller Regel nicht neu besetzt. Im April war bekanntgegeben worden, dass auf Grund der schlechten finanziellen Lage der Stadt geplant sei, einmalig drei Prozent Personalkosten im Doppelhaushalt 2027/2028 einzusparen. Das bedeute, dass rund 50 Millionen Euro eingespart werden müssten. 2015 arbeiteten noch 17.303 Menschen als Stammpersonal bei der Stadt Köln, 2020 (21.158) stieg die Zahl erstmals über die 20.000er-Marke. 2024 erreichte das Stammpersonal mit 21.848 Mitarbeitenden den bisherigen Höchststand. 

Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester als Chef der Stadtverwaltung hatte sich im April in einer Videobotschaft an die Beschäftigten gewandt. Er bezeichnete die Haushaltslage der Stadt als „dramatisch“. Den nächsten Haushalt aufzustellen, werde „eine Herkulesaufgabe“. Burmester prophezeite „Enttäuschung und Frust in der Stadtgesellschaft und im Kollegium“. Er versprach aber auch: „Die Konsequenz darf und wird nicht sein, dass weniger Schultern die gleiche Arbeit stemmen müssen.“ Es werde eine Aufgabenkritik geben, hier seien die Führungskräfte gefragt, auch er als Oberbürgermeister. „Prioritäten müssen gesetzt werden, Standards und Prozesse auf den Prüfstand gestellt werden.“   

Unmut und Verunsicherung bei den Mitarbeitenden der Kölner Stadtverwaltung

Aktuell ist aus der Verwaltung allerdings viel Verunsicherung und Unmut zu vernehmen. Die Rede ist von einer „planlosen“, „völlig dem Zufall überlassenen“ Streichung von Stellen. Pech hätten jene Dienststellen, in denen jemand in den Ruhestand geht oder sich beruflich verändert. Amtsleitungen fühlten sich „entmündigt und übergangen“, sie könnten nicht mitentscheiden, welche Stellen entbehrlich sind und welche nicht, heißt es. Die vom OB angekündigte Aufgabenkritik finde nicht statt, eine Priorisierung gebe es nicht, die Anweisungen seien widersprüchlich. Sparen sei nötig und die Verwaltung an mancher Stelle sicherlich zu aufgebläht, ist auch zu hören. Aber der Personalabbau sei nicht durchdacht und könne so nicht ohne Qualitätseinbußen in verschiedenen Bereichen funktionieren.    

Der Gesamtpersonalrat der Stadt Köln hatte sich bereits im April gegen die Pläne gestellt, jetzt sagte die Vorsitzende Janine Pollex: „Wir begleiten die Maßnahme außerordentlich kritisch.“ Die Stellenstreichungen brächten viel Unruhe in die Belegschaft, die Maßnahmen seien „unstrukturiert, kompliziert und unbefriedigend“. Insgesamt kämen die Beschäftigten in eine sehr belastende Arbeitssituation, insbesondere in der Jugend- und Drogenhilfe seien drastische Auswirkungen zu erwarten: „Das wird spürbar werden für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt.“

Das jüngste Beispiel ist die Schließung des Drogenkonsumraums am Neumarkt an den Samstagen – wegen Personalmangels. Hier hatte sich in der vergangenen Woche die Politik eingeschaltet: Im Sozialausschuss beschlossen die demokratischen Fraktionen gemeinsam per Dinglichkeitsantrag, dass die Verwaltung die vakanten Stellen im Drogenkonsumraum am Neumarkt „unverzüglich wiederbesetzen“ solle.  

Weitere Auswirkungen des Personalabbaus bei der Stadt sind bereits hier spürbar: Die Führerscheinstelle im Kundenzentrum Chorweiler ist seit dem 10. April bis auf Weiteres geschlossen, Bürgerinnen und Bürger sollen sich an das Kundenzentrum Innenstadt wenden. Wer dort aktuell versucht, einen Termin zu buchen, etwa für die Beantragung eines Ersatzführerscheins, erhält aber ebenso wie für Chorweiler und Kalk den Hinweis: „Leider wurde kein Termin gefunden.“ In den übrigen Kundenzentren ist der früheste Terminvorschlag der 30. Juli. Sorgen sind auch aus der Kölner Jugendhilfe zu vernehmen. Hier könnten ambulante Betreuungen zum Teil schon nicht mehr übernommen werden und es drohten Schließungen von Gruppen, heißt es.

Die Stadt teilte auf Anfrage mit: „Es geht ausdrücklich nicht darum, dass künftig weniger Beschäftigte die gleiche Arbeitslast stemmen müssen. Im Mittelpunkt steht stattdessen eine ehrliche Aufgabenkritik: Alle Bereiche prüfen ihre Prioritätensetzungen, Standards und Prozesse.“ Das sei ein Veränderungsprozess, der Zeit brauche und der transparent begleitet werde. Ziel sei es, die dauerhafte Handlungsfähigkeit der Verwaltung zu sichern und ein Haushaltssicherungskonzept zu vermeiden.

Stadtkämmerin Dörte Diemert hatte zuletzt in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ gesagt, die zuletzt hohen Tarifabschlüsse hätten die Stadt Köln bei den Personalkosten in Bedrängnis gebracht. Dem widerspricht Janine Pollex: „Tatsächlich beträgt der Anteil der Personalkosten am Gesamthaushalt im Jahr 2026 22,87 Prozent, im Vorjahr waren es noch 23,93. Da gibt es viel belastendere Posten.“ Der Gesamthaushalt der Stadt Köln liegt 2026 bei etwas über 6,7 Milliarden Euro, die Personalkosten belaufen sich auf gut 1,5 Milliarden Euro. Für das vergangene Jahr rechnete die Stadt mit einem Fehlbetrag von rund 582 Millionen Euro.