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Die neue Kölner KinderoperEin unaufdringlich spektakulärer Ort acht Meter unter der Erde

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Eine Frau mit türkisfarbener Perücke gießt eine grüne Flüssigkeit in einen gläsernen Messbecher.

Feierte im Oktober vergangenen Jahres Premiere in der Kölner Kinderoper: die Inszenierung von „Der Wunschpunsch“

Die vierte Spielstätte am neuen Offenbachplatz ist die Kinderoper. Nun wurde nicht nur das Programm für die kommende Spielzeit, sondern auch der Raum selbst vorgestellt.

Nein, „fertig“ ist Kölns neue Kinderoper am Offenbachplatz nicht – sie ist immer noch eine Baustelle. Der Besucher, der sich von der Brüderstraße her nähert, geht über filzig-schützende Bodenbeläge, sieht verhüllende Plastikplanen. Manches ist nicht begehbar, der Aufzug verharrt im Stillstand-Modus, und es fehlen Treppengeländer. Aber er, der Besucher, kann sich jetzt doch gut vorstellen, wie das Ganze aussieht, wenn es am 10. Oktober, zu Beginn der kommenden Spielzeit, eröffnet wird. Tatsächlich kam deshalb auch am Freitagmorgen anlässlich des Pressetermins an Ort und Stelle verbreitet Freude auf – und das wohl nicht nur, weil die Anwesenden erleben durften, dass in Köln tatsächlich einmal etwas glücklich zu Ende gebracht wird.

Üblicherweise ist die Vorstellung der Kinderoper-Agenda nur ein Anhängsel der „großen“ Opern-PK, auf der das Programm für die jeweils bevorstehende Spielzeit präsentiert wird. Aber diesmal ging es eben nicht nur um die einschlägigen Mitteilungen und Erläuterungen, vielmehr ergriff man die Gelegenheit, diese in der künftigen Spielstätte bekanntzugeben – mit vielen Beteiligten aus Oper und Verwaltung, darunter Stadtdirektorin Andrea Blome. Sie rühmte mit spürbarem Enthusiasmus die neue Location, Ausstattung und Atmosphäre genauso wie die architektonische Leistung.

Acht Meter unter der Erde, gut isoliert gegen den Außenlärm

Die vom Architekturteam HPP geplante Kinderoper, die vierte Spielstätte am „neuen“ Offenbachplatz, befindet sich acht Meter unter der Erde – genauer: unter dem Dirk-Bach-Platz –, gut isoliert, wie zu hören ist, gegen den Außenlärm. Man kommt hinein über den südlichen Seiteneingang des Großen Hauses, wird über zwei wie eine Doppelhelix aufeinander bezogene Treppen hinabgeleitet, steht dann im Foyer vor der geschwungenen Außenwand des Publikumssaales, deren mosaikartiger Anstrich matt golden glänzt. Dazu gibt es variable Beleuchtungselemente.

Sechs Menschen sitzen nebeneinander auf einer Bühne und geben eine Pressekonferenz.

Brigitte Gillessen (l.), Leiterin der Kinderoper, mit Mitgliedern des Ensembles und Stephanie Sonnenschein (r.), Leiterin von „Oper.Stadt.Schule“, bei der Pressekonferenz zur neuen Spielzeit der Kinderoper am Offenbachplatz.

„Drinnen“ setzt sich der Eindruck des unaufdringlich Spektakulären fort: Dort warten – unten wie auf der Empore – lang gezogene Bänke aus edlem Holz auf insgesamt 220 Besucher. Der taubenblaue Bühnenvorhang hinter einem Orchestergraben, in dem 14 Musiker Platz nehmen können, ist noch nicht zu sehen, der Blick ging am Freitag gleich in den hohen Bühnenraum hinein. Gruftiges, Platzangst erregendes Bunker-Ambiente teilt sich hier nicht einen einzigen Augenblick lang mit. „Ein wunderbarer, heimeliger Ort“, befand die Stadtdirektorin – es fiel schwer, ihr zu widersprechen.

Ein Ort für die ganze Stadtgesellschaft

Brigitte Gillessen, die Leiterin der Kölner Kinderoper, beschrieb den „Geist“ des neuen Spielorts. Dieser soll offen sein „für die ganze Stadtgesellschaft, nicht nur für die Kinder“. Es geht um den „Abbau von Barrieren“, um die „Öffnung nach außen“, die „Teilnahme der Besucher an der Stückentwicklung“, um „Inklusion und Partizipation“. Dass es dabei politisch auch um die Förderung und Verteidigung demokratischer Lebensformen in einer Zeit ihrer Bedrohung geht, leugnet die Kinderoper gar nicht. So wird es im Umfeld der ersten Saisonproduktion vom 16. bis zum 20. November für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8 unter dem Motto „Power up!“ ein „Demokratie-Festival“ geben, in dem mit Unterstützung zahlreicher Partner Demokratie nicht nur diskutiert, sondern auch praktiziert werden soll.

Die besagte erste Produktion ist die Uraufführung von „Der König verschenkt was“ nach einem Libretto von Martin Baltscheit mit der Musik des Kölner Komponisten Philipp Matthias Kaufmann. Es handelt sich dabei um eine märchenhafte Umformung der Ringparabel aus Lessings „Nathan der Weise“ – wobei es eben nicht mehr um Religion, sondern um Demokratie geht. Am 3. April 2027 folgt die Uraufführung von „Grand Hotel der Gefühle“ nach dem Bestseller von Lidia Branković für alle Besucher ab fünf Jahren. In dieser Bühnenerzählung mit Musik unter anderem von Bizet, Verdi, Mozart und Ravel agiert ein inklusiver Chor aus Kindern mit und ohne Down-Syndrom. Das Libretto erarbeitet Gillessen selbst, das Orchesterarrangement stammt aus der Feder von Heribert Feckler.

Neben diesen Neuheiten kehrt ein Klassiker zurück: Wiederaufgenommen am 27. Mai 2027 wird Strawinskys „Die Nachtigall“. Die Parabel über Natur und Künstlichkeit begleitet die Kölner Kinderoper seit ihrer Gründung: Zur Eröffnung 1996 – vor 30 Jahren – wurde sie von Manfred Trojahns Düsseldorfer Kompositionsklasse in eine kammermusikalische Fassung gebracht. Die wird jetzt wieder zu hören sein – in der 2015er Inszenierung von Beka Savić.