Die einen loben sie, die anderen kritisieren sie: Ordnungsdezernentin Andrea Blome geht in Ruhestand. Ein Rückblick.
„Nicht in Panik verfallen“Stadtdirektorin Blome geht in Ruhestand

Wahlleiterin Andrea Blome bei der Kommunalwahl 2025
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Andrea Blome (66) hätte sich sicher weniger Diskussionen um ihre Person gewünscht auf den letzten Metern ihrer neuneinhalb Jahre als Dezernentin der Stadt Köln. Darf sie auch nach dem Ausscheiden Ende Juni noch wie geplant sechs weitere Monate Technische Betriebsleiterin der Bühnen-Sanierung bleiben oder nicht?
Für rund zwei Wochen war das unklar, weil Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sie durch den früheren Baudezernenten Markus Greitemann ersetzen wollte. Dann blies er das Vorhaben ab, Blome soll auch im Dezernentinnen-Ruhestand Betriebsleiterin der Bühnen-Sanierung bleiben.
Doch was bleibt von einer Frau, die 2017 in Köln zunächst viereinhalb Jahre als Verkehrsexpertin arbeitete, bevor sie wegen einer politischen Absprache ins Ordnungsdezernat wechselte und zusätzlich Stadtdirektorin wurde?

Ein Bild vom 22. September 2016: Der Rat hatte gerade Andrea Blome zur Verkehrsdezernentin gewählt und Stephan Keller zum Ordnungsdezernenten.
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Sie selbst sagt: „Knapp zehn Jahre als Dezernentin in einer Millionenstadt fordern einen Tag für Tag aufs Neue. Aber trotz der vielen Herausforderungen habe ich diese Aufgabe zu jeder Zeit gerne gemacht und bin dabei immer glücklich und ich selbst geblieben.“
Hört man sich um in der Verwaltung, im Rathaus und bei Interessensvertretungen, hört man die komplette Bandbreite an Bewertungen über Blome: Diejenigen, die sie schätzen, die ihre Entscheidungsfreudigkeit und Verbindlichkeit insgesamt, aber auch als Leiterin von Krisenstäben loben, und diejenigen, die ihr eine befriedigende Note für ihre Arbeit ausstellen. „Sie macht das ordentlich und besser als viele ihrer Kollegen im Stadtvorstand.“
Blome äußert sich zur Olympia-Panne
Blome weiß aber selbst, dass es gerade im konfliktreichen Ordnungsdezernat auch die andere Seite gibt. Diejenigen, die ihren Abschied herbeisehnen („Wir sind froh, dass bald jemand neues kommt“), die auf eine Liste von Fehlschlägen in ihrem Arbeitsbereich verweisen.
Etwa den Skandal um die Sicherheitsfirmen an Karneval, die Vergabefehler bei der Deutzer Kirmes inklusive Absage des Volksfestes, die gefühlt ewig dauernde Auszählung der Stimmen beim Olympia-Bürgerentscheid. Köln zählte im April bis 3 Uhr nachts aus statt bis 22 Uhr.
Darauf angesprochen sagt Blome zur Auszählungspanne: „Ich bin am Abend zum Auszählungszentrum gefahren, aber es bringt dann nichts, auf die Auszählerinnen und Auszähler Druck auszuüben und denen zu erzählen, sie sollten doch jetzt bitte mal schneller machen. Das hat gar keinen Zweck, weil man dann nur noch mehr Unruhe erzeugt und es damit noch schlimmer macht. Da hilft nur ruhig bleiben, nicht in Panik verfallen und sagen: Wir müssen da jetzt durch und den Reputationsschaden für die Stadt Köln nehme ich persönlich auf mich, das ist auch meine Aufgabe. Hinterher haben wir alles kritisch aufgearbeitet, das wird nicht mehr passieren.“

Andrea Blome im Jahr 2018 bei einer Pressekonferenz zur Ost-West-Achse
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Das Besondere an Blomes Amtszeit ist die Zweiteilung: Sie kam 2017 aus Düsseldorf als Verkehrsdezernentin und geht als Ordnungsdezernentin und Stadtdirektorin in den Ruhestand.
Statt Radwegen, Brücken und Verkehrsversuchen ging es ab Sommer 2021 für die gelernte Architektin um Personal, juristische Fragen, Feuerwehr, Ordnungsamt, Kundenzentren, Karneval, Brüsseler Platz, Gastronomie – also viele Themen mit Konflikten, oft öffentlich, darunter die eine oder andere Rücktrittsforderung, heute sagt sie: „Natürlich lässt einen nicht kalt, wenn Ratsmitglieder den eigenen Rücktritt fordern, aber da kann man nur stabil bleiben und weitermachen.“
Gemischte Bilanz als Verkehrsdezernentin
Ihre Bilanz als Verkehrsdezernentin in den viereinhalb Jahren zwischen Januar 2017 und Juni 2021 fällt gemischt aus. Zu Beginn ihrer Amtszeit hatte sie noch Aufbruch signalisiert: Den fahrradfreundlichen Umbau der Kölner Ringe nannte sie „spannend“, bessere Radwege stellte sie in Aussicht. Für die Bürgerinitiative „Ring frei“, die Tempo 30 und eine eigene Radspur auf Kosten einer Autospur forderte, klang das zunächst nach einer Unterstützung.
Tatsächlich folgte jedoch ein jahrelanger Kampf. Dass die Ringe heute europaweit als gelungenes Radverkehrsprojekt gelten, ist deshalb nur bedingt ein Erfolg, den Blome für sich beanspruchen kann.

Andrea Blome auf einem Leihrad.
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Blome sagt heute: „Als ich 2017 nach Köln kam, wollte ich als Dezernentin für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur direkt fachliche Themen anstoßen – doch zunächst mal musste ich ausschließlich Organisationsarbeit leisten, also die Strukturen und Prozesse so gestalten, dass wir zu möglichst viel Output kommen.“
Auch jenseits davon verlief der Ausbau des Radwegenetzes während ihrer Zeit im Verkehrsdezernat schleppend. Erst nach ihrem Wechsel ins Ordnungsdezernat und dem Amtsantritt ihres Nachfolgers Ascan Egerer entstanden in der Innenstadt sichtbar schneller neue Radverbindungen; auch die autofreie Ehrenstraße wurde erst dann schnell umgesetzt.

Testfahrt eines Löschwagens der Feuerwehr an der Münchener Straße in Höhenberg im Jahr 2021. Mit dabei Stadtdirektorin Andrea Blome.
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Blome sagt: „Es gab keine rund um die Uhr besetzte Verkehrsleitzentrale, keine Zusammenarbeit mit externen Planern. Bis dahin war das Thema Verkehr nur ein Nebenaspekt beim Baudezernat. Ich bin stolz auf die Jahre und dass wir da Tempo aufnehmen konnten.“
Hinzu kamen Großprojekte, die Blomes Amtszeit belasteten: die Sanierung des Stadtautobahntunnels in Kalk, die Arbeiten an den Rheinbrücken und besonders die Generalsanierung der Mülheimer Brücke, deren Kosten von ursprünglich rund 100 Millionen Euro auf inzwischen bis zu 500 Millionen Euro gestiegen sind. Zwar hatte Blome viele dieser Probleme von ihrem Vorgänger Franz-Josef Höing geerbt, doch gelang es ihrem Dezernat nur selten, erfolgreich gegenzusteuern.
Keine Mehrheit für U-Bahn in ihrer Amtszeit
Blomes Herzensprojekt, der Ausbau der Ost-West-Achse als U-Bahn-Tunnel, erhielt während ihrer Amtszeit keine politische Mehrheit. Trotz eines eindringlichen Appells an den Rat im Dezember 2018 wurde die Entscheidung aus Sorge vor einem Bruch des damaligen schwarz-grünen Bündnisses vertagt und erst 2025 entschieden. Für Blome war das eine Niederlage ausgerechnet bei jenem Vorhaben, mit dem sie ihre verkehrspolitische Kompetenz am deutlichsten unter Beweis stellen wollte.
Der Wechsel ins Ordnungsdezernat im Jahr 2021 war dann keine freiwillige Entscheidung Blomes, sondern nötig, weil die Grünen nach der Kommunalwahl im Herbst 2020 im Mehrheitsbündnis im Rat mit CDU und Volt unbedingt den neuen Verkehrsdezernenten stellen wollten. Sie entschieden sich für Ascan Egerer, die CDU verschob die ihr politisch nahestehende Blome, eine gelernte Architektin, auf das Ordnungsdezernat.
Ablehnung kam nicht infrage
Auf die Frage, ob sie damals darüber nachdachte, abzulehnen, sagt sie: „Nein, das abzulehnen kam nicht in Frage. Dazu hätte ich Köln verlassen müssen. Das ist mir keine Sekunde in den Sinn gekommen. Ich halte mich für eine gute Managerin, aber selbstverständlich war der Wechsel mit neuen Herausforderungen verbunden.“
Mittlerweile wohnt Blome wieder in Düsseldorf, sie will mit Köln aber verbunden bleiben, kennt viele Menschen. Für den zehnköpfigen Verwaltungsvorstand, also das Gremium aus OB und Dezernentinnen und Dezernenten, wünscht sie sich wieder mehr Frauen. Nach ihrem Ausscheiden und Henriette Rekers Abschied als Oberbürgermeisterin bleibt nur noch Kämmerin Dörte Diemert als weibliches Mitglied.
Blome sagt: „Wenn Dörte Diemert jetzt die einzige Frau im Verwaltungsvorstand wäre: Nein, das wäre nicht gut. Gemischte Teams sind das absolute A und O. Das ist ein völlig anderes Arbeiten, als wenn da jetzt in einem solchen Zehner-Gremium nur Frauen oder nur Männer sitzen würden.“
