Höheres Risiko, geringere ImpfquoteKölner Studie über Obdachlose und Corona vorgelegt

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Obdachlose_Corona

Corona gefährdet Obdachlose besonders.

Köln – Das Leben auf der Straße ist ohnehin hart, der Winter und die Corona-Pandemie verschärfen die Situation der Obdachlosen zusätzlich. Mark Oette, Chefarzt im Severinsklösterchen, hat nun nach eigenen Angaben die europaweit erste Studie vorgelegt, in der ermittelt wurde, wie stark obdachlose Menschen durch Corona-Infektionen gefährdet sind. Die jüngsten Zahlen stammen aus einer Umfrage in der Überlebensstation Gulliver aus dem Dezember 2021.

Demnach waren vier Prozent der Obdachlosen infiziert und etwa die Hälfte geimpft. Daten aus einer Kotrollgruppe fehlen noch, allerdings kann man die Zahlen aus Oettes Studie in Relation zu der Inzidenz in Köln im Dezember stellen. Dort lag der Wert in der Spitze bei 300 Fällen pro 100.000 Einwohnern, also 0,3 Prozent. Selbst inklusive einer hohen Dunkelziffer dürfte die Inzidenz bei Obdachlosen daher um ein Mehrfaches über dem Kölner Durchschnitt liegen. Die Impfquote unter Obdachlosen ist dagegen geringer als im Kölner Schnitt, wo sie derzeit bei gut 78 Prozent liegt. „Obdachlose sind stärker von Infektionen betroffen als der Durchschnitt der Bevölkerung und sie sind weniger oft geimpft“, bilanziert Oette.

Viele Obdachlose nur einfach geimpft

Obdachlose Menschen zu immunisieren dürfte noch schwieriger geworden sein, seitdem die Ständige Impfkommission (Stiko) den Impfstoff von Johnson & Johnson neu bewertet hat. Zunächst hieß es, dass man nach einer Injektion gegen das Corona-Virus geschützt sei. Obdachlose Menschen wurden daher bevorzugt mit diesem Vakzin geimpft, um eine zweite Spritze zu vermeiden, zu der womöglich der Impfling nicht gekommen wäre. Seit Herbst gilt, dass nach einer Spritze des Herstellers eine zweite Impfung mit einem MRNA-Impfstoff (Biotech oder Moderna) erfolgen muss und mit Abstand auch eine Boosterung durchgeführt werden soll, erläutert Oette.

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Fraglich ist nun, wie man die Obdachlosen am besten erreicht. Die Stadt Köln arbeite eng mit den Trägern der Wohnungslosenhilfe zusammen, teilte die Verwaltung mit. „Mitarbeitende und Ehrenamtliche haben regelmäßig Kontakt zu obdachlosen Menschen und klären sie über alle Impfangebote auf“, so eine Stadtsprecherin. „Darüber hinaus haben in der Vergangenheit bereits etliche Impfaktionen in unterschiedlichen Einrichtungen stattgefunden – sowohl in Einrichtungen für Wohnungslose als auch in Kontakt- und Beratungsstellen für obdachlose Menschen.“ Solche Aktionen seien auch künftig geplant. Wie viele Obdachlose in Köln bereits Corona hatten wird nicht registriert, auch die Impfquote oder die Zahl der Corona-Toten ohne festen Wohnsitz wird nicht gesondert erfasst.

680 Menschen im Gulliver geimpft

Die Überlebensstation Gulliver hat im vergangenen Jahr mehrere Impftermine angeboten. Bei drei Terminen im Mai und zwei weiteren im Dezember seien 680 Menschen geimpft worden, sagt Bernd Mombauer, Geschäftsführer des Kölner Arbeitslosenzentrums, dem Träger des Gulliver. Allerdings sei der Zuspruch im Dezember weit geringer gewesen als im Mai. „Die Mehrheit ist geimpft“, sagt Mombauer. Obdachlose seien auf Impfnachweise angewiesen, um etwa sich in Cafés aufzuwärmen oder mit Bussen und Bahnen zu fahren. Allerdings sei es schwer, den nicht kleinen Teil der Obdachlosen aus Südost-Europa zu erreichen, die mitunter wenig deutsch sprächen. Nötig seien nach der Neubewertung des Vakzins von Johnson & Johnson, dass die Impfangebote so niederschwellig wie möglich seien.

Laut Stadt gibt es 7200 wohnungslose Menschen, die über keinen Mietvertrag verfügen. Rund 300 Menschen lebten auf der Straße. Nicht bekannt ist, wie viele Obdachlose in Köln geimpft sind.

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