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Inklusive AbholserviceKölner Schwimmschule bietet Kurse für Kita-Kinder an

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Schwimmkurs Sharky

Schwimmlehrerin Michelle Thiel übt mit den Kindern

Köln – Kanonenkugel und Waschmaschine sind besonders beliebt: Am Ende der Schwimmstunde darf sich jedes Kind etwas wünschen. Bei der Kanonenkugel rollt sich Ida auf dem Arm der Trainerin zusammen, die Beine ganz dicht am Körper, dann fliegt die Fünfjährige hoch in die Luft. Mit einem lauten „Platsch“ landet Ida im Becken, das Wasser spritzt in alle Richtungen. Bei der „Waschmaschine“ gießt die Trainerin Max Wasser über den Kopf, dreht ihn in kreisenden Bewegungen durchs Wasser, schleudert ihn wild hin und her. Max jauchzt.

Sarah Kromm sitzt am Beckenrand und guckt dem Spektakel im Wasser zu. „Die Kinder lieben den Schwimmkurs und freuen sich schon Tage vorher darauf“, sagt die Erzieherin einer Kita aus Braunsfeld. Sie begleitet an diesem Vormittag fünf Vorschulkinder, die seit Anfang September im „Sharky Sportsclub“ in Lövenich an einem Schwimmkurs für Kita-Kinder teilnehmen.

Massiver Mangel an Schwimmkursen

„Unser Ziel ist, mehr Kinder ins Wasser zu bekommen“, sagt „Sharky“-Geschäftsführer Martin Becker. In Zeiten von massivem Mangel an Schwimmkursen und unendlich langen Wartelisten – zusätzlich verschärft durch die Corona-Pandemie – scheint das eine fast unlösbare Aufgabe. Denn das Bad ist bereits unter der Woche von 7 bis 22 Uhr durchgängig geöffnet, am Wochenende von 8 bis 22 Uhr. Wenn möglich, finden zwei Kurse parallel im Becken statt.

Um dennoch weitere Kapazitäten frei zu machen, strukturierten Becker und sein Team das Kursprogramm um. Zwar liege der Schwerpunkt schon immer auf dem Kinderschwimmen. Doch „Sharky“ bietet auch Kurse für Erwachsene an. „Wir haben den Seniorensport auf den frühen Morgen verlegt und so Platz für die Kita-Kurse gewonnen“, sagt Becker. An vier Tagen in der Woche können nun 13 Kita-Gruppen mit jeweils sieben Kindern schwimmen. Die Kinder werden zusammen mit einer Erzieherin von einem „Sharky“-Bus abgeholt und wieder zurück gebracht. Der Shuttle-Service ist kostenlos, die Eltern der Kinder zahlen nur für die Kurse. Damit auch Kinder aus sozial schwachen Familien dabei sein können, werden deren Kurse über das „Wecon“-Netzwerk Köln gesponsert, einem Zusammenschluss Dutzender Unternehmen aus der Region. „Momentan werden die Kurse für zehn Kinder auf diese Weise finanziert“, sagt der 36-Jährige.

Martin Becker will weitere Kurse für Kita-Kinder anbieten

Das Interesse bei den Kitas ist Becker zufolge groß. Daher plant er, weitere Kurse anzubieten. „Wir wollen einen zweiten Bus organisieren und Kurse in einem Hotelpool in Marsdorf anbieten. Langfristig würden wir gern rund 40 Kita-Kurse für rund 300 Kinder anbieten.“ Becker hat selbst zwei Kinder im Kindergarten-Alter. „Das ideale Alter, um mit dem Schwimmen lernen anzufangen, ist zwischen viereinhalb und fünf Jahren. Wenn die Kinder einen Kurs mit ihrer Kita-Gruppe machen, fühlen sie sich sicherer, weil sie sich untereinander kennen.“

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Lisa Abelein ist glücklich, dass es die Kita-Kurse gibt. Die Mutter einer Fünfjährigen ist an diesem Tag als Begleitperson im Schwimmbad dabei, um den Kindern aus einer Kita in Sülz beim Umziehen zu helfen. „Wir haben in den vergangenen eineinhalb Jahren vergeblich versucht, einen Schwimmkurs für unsere Tochter zu bekommen – keine Chance.“ Da sei das Angebot der Kita genau richtig gekommen. „Der Abholservice ist super und auch, dass die Kurse vormittags während der Betreuungszeit stattfinden.“

In 14 Kurseinheiten übt Schwimmlehrerin Michelle Thiel mit den Kindern, wie sich sicher im und unter Wasser bewegen. Der Fokus liegt dabei auf dem Gleiten und Tauchen. Je nach Können nutzen die Kinder verschiedene Hilfsmittel wie Schwimmnudeln, Bretter oder Flossen und bewegen sich damit von einem Beckenrand zum anderen. „Jetzt dürft ihr nur die Beine benutzen. Stellt euch vor, ihr seid Frösche“, ruft Thiel. Später tauchen die Kinder nach bunten Ringen. Die anderen klatschen, wenn ein Kind mit einem Ring wieder auftaucht. Der Spaß steht im Vordergrund des Kurses. „Am besten ist immer das Tauchen und Springen“, sagt Vera am Ende der Stunde. Und: „Ich will bald mein Seepferdchen machen. Aber jetzt bin ich müde. Und habe Hunger.“

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