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Umbau zum RadwegKölner Verkehrsdezernent will Mülheimer Brücke dauerhaft einspurig machen

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Das Bild zeigt Sanierungsarbeiten auf der Mülheimer Brücke im September 2024.

Das Bild zeigt Sanierungsarbeiten auf der Mülheimer Brücke im September 2024.

Bisher gibt es zwei Fahrspuren in jede Richtung. Zwei Gutachten sollen zeigen, welche Auswirkungen es hat, wenn es nur noch eine ist.

Verkehrsdezernent Ascan Egerer hat einen weiteren Vorstoß unternommen, die Autos nach Abschluss der Bauarbeiten nur noch einspurig über die Mülheimer Brücke fahren zu lassen – vor der Generalsanierung standen pro Richtung jeweils zwei Fahrspuren zur Verfügung. Die zweite Autospur der wichtigen Verkehrsachse will Egerer in einen 2,50 Meter breiten Radweg umwandeln. Der Verkehrsdezernent hatte diese Pläne erstmals im April 2024 vorgestellt, seitdem aber nicht weiterverfolgt.

Was wären die Konsequenzen für das Verkehrsnetz?

Jetzt will Egerer ein externes Ingenieurbüro mit einer Verkehrsuntersuchung beauftragen, welche die Auswirkungen einer Einspurigkeit für Kraftfahrzeuge auf das direkte Umfeld der Mülheimer Brücke zeigen soll. Das soll 110.000 Euro kosten. Das Mobilitätsdezernat verfüge nicht über die notwendigen technischen und personellen Ressourcen, um die Aufgabe selbst zu übernehmen, sagt Egerer.

Welche Konsequenzen die Entscheidung auf das gesamte Verkehrsnetz hätte, will das zum Mobilitätsdezernat gehörende Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung hingegen selbst untersuchen. „Ressourcen und Know-how stehen hierfür zur Verfügung“, heißt es in der Beschlussvorlage für die Politik. Überprüft werden soll unter anderem, wohin der Autoverkehr bei einer Einspurigkeit verdrängt würde.

Ascan Egerer ist Verkehrsdezernent der Stadt Köln.

Ascan Egerer ist Verkehrsdezernent der Stadt Köln.

Obwohl die Ergebnisse dieser beiden Verkehrsuntersuchungen noch ausstehen, hat sich das Verkehrsdezernat offensichtlich bereits darauf festgelegt, eine der zwei Autospuren pro Richtung in einen Radweg umzubauen. „Die stetige Zunahme der Verkehrsmengen im Radverkehr macht eine Änderung der Verkehrsführung erforderlich“, teilt Egerer mit. Als Beleg zieht er die Ergebnisse mehrerer Zählungen heran: Habe die Stadt Köln im Jahr 2019 noch 4500 Radfahrer pro Tag auf der Mülheimer Brücke gemessen, seien es im Jahr 2023 bereits 6000 gewesen.

In aktuellen Zählungen seien im April und Mai 2025 (während der Sperrung der Brücke für die Stadtbahn) in der Spitze knapp 7000 Radfahrerinnen und Radfahrer erfasst worden. Unklar ist, ob zumindest ein Teil des zusätzlichen Radverkehrs auch dadurch begründet sein könnte, dass seit Beginn der Generalsanierung bereits eine Autofahrspur weggefallen und ein Teil der Autofahrer deshalb schon auf das Fahrrad umgestiegen ist.

Die Pläne des Verkehrsdezernenten waren im April 2024 in Reihen der Politik auf Widerstand getroffen, und es gab Differenzen im damaligen Ratsbündnis. Während sich die Grünen für die Umwandlung einer Autospur in einen Radweg aussprachen, lehnte die CDU das ab. Auch die SPD zeigte sich damals zunächst skeptisch. Die beiden Gutachten sollen nun für alle Seiten Klarheit bringen.

Baukosten werden auf 500 Millionen Euro beziffert

Wie aus der Beschlussvorlage hervorgeht, wollte Egerer das externe Büro eigentlich bereits im vergangenen Jahr beauftragen. „Mit den Erhebungen soll 2025 begonnen werden. Die Fertigstellung des Gutachtens ist für 2026 vorgesehen“, heißt es an einer Stelle. Der aktuelle Zeitplan sieht hingegen vor, den Auftrag im zweiten Quartal dieses Jahres zu vergeben, sodass die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung bis Mitte 2027 vorliegen sollen. Für das dritte Quartal ist eine Diskussion mit Bürgern und der Politik vorgesehen, und bis Ende 2027 soll der Stadtrat einen Beschluss fassen. Ende März 2028 soll die Generalsanierung der Mülheimer abgeschlossen sein und mit der dann gültigen Verkehrsregelung wieder vollständig in Betrieb gehen.

Die Gefahr, wegen einer Reduzierung der Fahrspuren für Kraftfahrzeuge Fördergelder für das Projekt zu verlieren, schließt der Verkehrsdezernent aus. Gespräche mit der Bezirksregierung hätten ergeben, dass „kein grundlegender Konflikt zwischen den Förderzusagen bezüglich der laufenden Generalsanierung und der Neuaufteilung der Verkehrsflächen“ bestehe. Das liege daran, dass es jederzeit möglich wäre, die Umwandlung einer Autospur in einen Radweg rückgängig zu machen, falls sich diese Lösung nicht auszahlen sollte.

Die Generalsanierung der Mülheimer Brücke hat sich in den vergangenen Jahren zu einem finanziellen Fiasko entwickelt. Sollte das Projekt 2016 noch 116 Millionen Euro kosten, sind es inzwischen rund 500 Millionen Euro. Die Mülheimer Brücke ist denkmalgeschützt. Der Kölner Architekt Wilhelm Riphahn hatte sie nach dem Zweiten Weltkrieg entworfen. Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer weihte das Bauwerk im September 1951 ein.