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Museum Ludwig
Kusama in Köln – die Stadt sollte den Hype mitnehmen

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3 min
Yayoi Kusama im Museum Ludwig

Yayoi Kusama im Museum Ludwig

Die Kusama-Ausstellung ist ein Ereignis mit Strahlkraft – Köln sollte sie nutzen.

Yayoi Kusama zieht in ihren Bann. Die Werke dieser so besonderen 97 Jahre alten Japanerin haben einen Ansturm ausgelöst, den das Museum Ludwig noch nicht erlebt hat. Alle wollen sich zwischen den Kreisen und Kürbissen tummeln und im Infinity-Raum Instagram-taugliche Selfies erstellen. Kategorie: Muss man gesehen haben.

Um es gleich zu sagen: Die Sonderausstellung im Museum Ludwig ist sehr viel mehr als nur Hintergrundfläche für trendige Selbstporträts. Die aufwendig kuratierte Schau ergründet die Identität einer Frau, die sich in einer männlich dominierten Welt über die Kunst befreit hat, die sich selbst Zufluchtsräume schuf. Kürbisse als Seelentrost. Dieser Hype ist alles andere als flach, er hat Gehalt. Mehr noch: Die Ausstellung zeigt, welche Macht die Kunst hat.

Kusamas Werk spendet Trost und Optimismus

Und welche Anziehungskraft ihr innewohnt. Das ist eine gute Nachricht: In einer Zeit, in der vermeintlich Vereinzelung und Selbstoptimierung die Oberhand gewonnen haben, kann eine Jahrhunderte alte Tradition, die Ausstellung von Kunst, noch zu einem kollektiven Ereignis werden, zu einem Lagerfeuer-Erlebnis.

Es strömen junge und alte Besucher in diese Schau, sie alle sind fasziniert von den Zeichnungen, leuchtenden Kreisen und Bildern, und sie fühlen sich durch den gemeinsamen Besuch verbunden. Vielleicht, weil Kusamas Werk, ihre persönliche Heilung, Trost und Optimismus in unruhigen Zeiten spenden. Die sanfte Ästhetik wirkt wie eine Ruhezone in einer Welt, die aus den Fugen zu geraten droht. In einer Welt, die manchmal kaum auszuhalten ist.

Der Mega-Erfolg tut Köln gut

Der Mega-Erfolg ist einer mit Ansage, und er tut Köln gut. Kunstinteressierte in Hamburg und Frankfurt – ja, auch in Berlin sagen: Wir müssen nach Köln, Kusama schauen. Diese Strahlkraft darf man von den großen Museen der Stadt gelegentlich erwarten: dass sie auch bundesweit Besucher anziehen, und für den Kunststandort Köln werben. Leider ist seit langem vor allem der bauliche Zustand der Häuser zu beklagen: Das Museum Wallraf wird Anfang August seine Türen für eine lange Sanierungsphase schließen, das Römisch-Germanische Museum ist seit 2018 im Haupthaus Baustelle, andere Museen warten auf ihre Generalsanierung, auch das Museum Ludwig übrigens. Den derzeitigen Ansturm, das riesige Interesse, wird das Haus gut verkraften können.

Im Ludwig haben die Werke von Edward Hopper 2004 ähnlich viele Besucher fasziniert wie heute Yayoi Kusama. Das war vor 22 Jahren. In den letzten Jahren waren Blockbuster-Ausstellungen mit Werken von Marc Chagall, Yoko Ono oder Gerhard Richters verborgene Schätze im benachbarten Düsseldorf zu bewundern. Der frühere Ludwig-Museumschef Kasper König hat – und zwar nüchtern kalkuliert – alle zwei Jahre eine große Schau geliefert, um in der Zeit dazwischen neue, speziellere Kunst zu inszenieren, von der auch die Fachwelt angetan war. Schlauer Plan.

Kusama ist kulturelles Leuchtfeuer in Köln

Köln kann sich noch bis Anfang August an Kusama und ihrer leuchtenden Kunst erfreuen. Das Museum und die Stadt sollten den Hype mitnehmen, ihn feiern und ausleben, so gut es geht. Am besten mit einer Ausweitung der Öffnungszeiten, denn eine Verlängerung der Schau über den Sommer hinaus wird es nicht geben.

Stadt und Museum sollten auch dabei ungewöhnliche Wege gehen: Warum nicht eine lange Kusama-Nacht? Oder ein ganzes Infinity-Wochenende? Kusama 24-Stunden. Das wäre ein Ereignis, das Köln bundesweit erstrahlen ließe. Die Besucher, die sonst draußen bleiben müssten, würden es danken. Für die Stadt wäre es ein kulturelles Leuchtfeuer.