Weinlokal statt Mütter-Kind-CaféJubo will kein Hipster-Laden in Klettenberg sein

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jubo Interieur

Weinlokal Jubo in Klettenberg

Köln – Das Mütter-Kind-Café ist passé, „es ist jetzt ein Erwachsenen-Spielplatz“, zitiert Julia Höffer lachend einen neu gewonnenen Gast, den die Umwandlung des Ecklokals in eine Weinstube dermaßen freut, dass er dort inzwischen mehrmals in der Woche anzutreffen ist. Wenn sich das fortsetzt, was Höffer und ihr Geschäftspartner Boris Fisch in den wenigen Tagen seit Lokaleröffnung erleben, kann man nur hoffen, dass die Genehmigung für weitere 25 beantragte Außenplätze bald erfolgt. Offenbar ist man in Klettenberg nicht unglücklich darüber, dass das Café Rosemarie (ehemals Kleines Röggelchen) der Vergangenheit angehört.

Der große Zuspruch, den sie gerade erleben, ist Höffer und Fisch allerdings auch zu gönnen, da sie im letzten Jahr doppelt gelitten haben: Unter Corona, wie viele andere auch, aber auch unter der Überschwemmungskatastrophe im letzten Sommer.

Die ursprünglich aus dem Sauerland stammende Touristik-Expertin hat nach ihrer beruflichen Umorientierung nämlich ein Weinreise-Unternehmen gegründet und unter anderem Tagesreisen an die Ahr angeboten.

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Austern aus der Bretagne und andere Delikatessen

Wein ist das Thema, das Höffer und Fisch verbindet. Nachdem die 32-Jährige im Burgendland Weinmarketing studiert und beim Master of Wine Roman Horvarth auf dessen Domäne Wachau ihr weiteres Rüstzeug erworben hat, ist sie mit großer Leidenschaft bei der Sache. Dennoch war zunächst nicht geplant, ein eigenes Lokal zu eröffnen. Als sie jedoch im Weinhaus Brungs den dort beschäftigten Boris Fisch kennengelernt und mit ihm zusammen erfolgreich Verkostungen in Kölner Gastronomie-Betrieben durchgeführt hatte, stellte sich für beide die Frage: „Weshalb machen wir das nicht bei uns?“

Boris Fisch, der in Moskau geboren ist, hat eine russische Mutter, einen ukrainischen Vater „und einen Opa, der aus Polen stammt“. Außerdem hat der 28-Jährige ein gutes Händchen für besondere Lebensmittelquellen. So arbeitet das Duo Julia und Boris (Jubo) beispielsweise mit einem französischen Lebensmittellieferanten, der einmal in der Woche „ganz tolle Austern aus der Bretagne“ liefert aber auch Jakobsmuscheln, Oktopus, schottischen Lachs und Schnecken.

Alte und Junge sollen sich wohlfühlen

Jubo möchte kein Hipster-Laden sein, sondern ein Lokal, wo sich alte und junge Menschen und auch weniger Gutbetuchte wohlfühlen. Rein optisch erinnert das Interieur aufgrund des häufig wiederkehrenden, dunkeln Grüntons ein bisschen an einen Pub. Und obwohl es auch Bier vom Fass gibt – Reissdorf -Kölsch (1,90 Euro) und Oberbräu, ein Helles aus Bayern – dominiert eindeutig der Wein.

Weil Quiche (10,50 mit Salat) oder Flammkuchen (10,50 -13 Euro) gut zum Wein passen, gehört beides zum festen Bestandteil der Karte. Zurzeit gibt es außerdem einen Antipasti-Teller (15 Euro) oder Risotto mit Champignons (14 Euro). „Weil wir aber merken, dass wir auch Gäste haben, die mehr Geld ausgeben wollen, als unser teuerstes Gericht“, werde die Karte künftig auch Gerichte beinhalten, die allein aufgrund der Fleisch- oder Fischqualität etwas teurer sein müssen, erklärt Höffer. Ab der kommenden Woche werde es zudem eine Spargelkarte geben – etwa mit dreierlei hochwertigem Schinken wie Pata Negra – oder mit hausgezeiztem Lachs. 

Der eigene Vino Colonia in sechs Sorten

Auch die Weinkarte mit derzeit etwa 80 Positionen ist noch nicht endgültig, sondern wird erweitert. Neben etlichen Sorten aus vielen deutschen Regionen schenken Höffer und Fisch in ihrem Jubo auch ihren eigenen  Vino Colonia aus, den es seit September in sechs Sorten gibt, und der von dem Familienweingut Blöser in Königswinter produziert wird. Wer mehrere Weine verkosten möchte, kann sich für neun Euro (drei Sorten) oder zwölf Euro (fünf Sorten) durchs Angebot probieren. 

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Da das Weinlokal bereits um zehn Uhr öffnet, gibt es ein breites Frühstücksangebot sowie wöchentlich wechselnde Kuchen wie etwa die Tarte au Chocolat oder den Rhabarber-Cheesecake (3,50 Euro) Der Cappuccino von Borbone/Florenz kostet 2,90 Euro.

Weinlokal Jubo, Hirschbergstraße 28, Köln-Klettenberg. Telefon: 0221-78995593 Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10 Uhr bis 0 Uhr, sonntags nur bis 22 Uhr, montags Ruhetag.

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