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Posse in Köln-Sülz
Kinder sollen auf „Platz der Kinderrechte“ nicht mehr skaten

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Skater inmitten der Sülzer Wohnsiedlung 

Sülz – Wohnanlagen sind meist von Architekten gut geplant. Doch wenn sich die fertigen Bauten dann mit Leben füllen, geschehen manchmal ganz andere Dinge als erwartet, wie beispielsweise in dem neuen Quartier, das auf dem Gelände des ehemaligen Kinderheims in Sülz entstanden ist. Die niedrigen Mauern, die sanft ansteigenden Treppen und Rampen, die den Menschen auch mit ihren Fahrzeugen den Zugang zu den Gebäuden erleichtern sollen, sind zu einem Parcours für junge Skater und Rollerfahrer aus dem Viertel mutiert – sehr zum Ärger der Anwohner.

Bei vielen Bewohnern liegen die Nerven blank

Denn das Skaten, Rollen und Jumpen über die Gebäudeteile erfreut zwar diejenigen, die es tun, verursacht aber auch jede Menge Lärm.

Bei vielen Bewohnern liegen die Nerven blank; die Kinder und Jugendlichen lassen sich das letzte bisschen Spaß im Lockdown aber kaum verbieten. Zwei Elternteile aus dem kleinen Wohngebiet haben sich nun eine Lösung des Konflikts ausgedacht: Andreas Dittrich und Simone Tzotschew haben eine Petition ins Leben gerufen, mit der sich Sülzer Bürger dafür einsetzen, dass im Viertel eine Skateranlage für Jugendliche gebaut wird. 1800 Stimmen haben sie mittlerweile gesammelt.

Aus dem Konflikt ist ein Kleinkrieg geworden

Ratsmitglied Lisa Steinmann legte die Petition der Bürger nun der Bezirksvertretung Lindenthal vor: „Die Petenten haben mich gebeten, ihnen die Petition zu übergeben, damit sie das ins politische Gefüge übertragen“, sagte sie. Die Situation vor Ort ist angespannt. Aus dem Konflikt ist ein Kleinkrieg geworden. Nachbarn rufen die Polizei und das Ordnungsamt – oder schreiten selbst zur Tat: Andreas Dittrich hat schon einiges erlebt: „Eine Anwohnerin hat meinem Sohn das Skateboard weggenommen und ihn geschubst“, erzählt er. Mittlerweile würden Grenzen überschritten.

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Andreas Dittrich und Simone Tzotschew auf dem Platz der Kinderrechte.  

Dass der Geräuschpegel die Nachbarn belastet, kann der Familienvater allerdings verstehen. Er hält das Gelände auch nicht für den passenden Ort für die sportlichen Aktivitäten der Jugend und setzt sich mit Tzotschew für eine Sülzer Skateranlage ein. „Wenn kein Geld da ist, gründen wir einen Verein und sammeln Spenden“, so überlegt er. „Die Nachbarn können sich dann sozusagen von dem Lärm freikaufen.“

Nicht genügend Freizeitmöglichkeiten

Neben dem Streit unter den Anwohnern sehen Tzotschew und Dittrich noch einen weiteren guten Grund für den Bau einer solchen Anlage: „Es gibt hier im Viertel einfach nicht genügend Freizeitmöglichkeiten für ältere Kinder und Jugendliche“, so Dittrich. Der Platz der Kinderrechte, der Kern des Geländes, ist zum zentralen Treffpunkt mutiert. Zwar trägt er den passenden Namen, als Jugendzentrum und Sportareal ist er allerdings nicht ganz geeignet.

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Die Lindenthaler Bezirksvertreter haben sich nun des Wunsches der Bürger angenommen: Bezirksbürgermeisterin Cornelia Weitekamp, Joachim Bauer, stellvertretender Leiter des Amts für Landschaftspflege und Grünflächen, und Petra Heinemann, Abteilungsleiterin im Amt für Kinderinteressen, haben einen Standort für die Skateranlage ausfindig gemacht. Dabei handelt es sich um einen kleinen Parkplatz unter der Fußgängerbrücke, die den Beethovenpark mit dem Stadtwald verbindet, auf der östlichen Straßenseite der Militärringstraße.

Ersatz-Parcours ist noch nicht fertig

Weitekamp erläutert das Vorhaben: „Der Parkplatz muss zunächst zur Militärringstraße hin so abgesperrt werden, dass die Skater nicht Gefahr laufen, mit ihren Boards auf die stark befahrene Straße zu geraten.“, schildert sie. „Dann soll im Kontakt mit den jugendlichen Nutzern entschieden werden, wie der Platz gestaltet werden soll.“

Bis die Anlage fertig ist, sollen den Jugendlichen provisorisch aufgestellte Geräte zu Verfügung stehen. Zum weiteren Schutz der Bewohner des ehemaligen Kinderheimgeländes vor Lärm möchten die Politik auch etwas unternehmen: „Den Skatern soll verdeutlicht werden, dass sie das Gelände des ehemaligen Kinderheims nicht mehr für ihre sportlichen Aktivitäten nutzen sollen“, so Weitekamp. Sie hofft, dass durch die neue Anlage und Gespräche mit den Skatern allen gedient ist, dem Wunsch der Anwohner nach Ruhe und dem der Jugendlichen nach Bewegung im Freien.  

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