Neue private GesamtschuleMitten im Schuljahr ist die Kölner Sieben Brücken Schule provisorisch gestartet

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Vier Menschen stehen vor dem Logo einer Schule.

Das Gründungsteam der Gesamtschule Sieben Brücken vor der neuen Schule: Sportlehrerin Francesca Diefenhardt, Maria Beister vom Vorstand des Trägervereins, Schulleiter Norman Mellein und Elternvertreterin Bianca Schmitz.

Noch ist die Betriebsgenehmigung vorläufig. Das Konzept der Schule stammt von einem Mormonen aus den USA.

Noch wirken die Räume der neu gegründeten privaten Gesamtschule Sieben Brücken ziemlich karg. Ein paar Kürbisse stehen schon vor der Tür, die Wände sind noch weiß. Im Eingangsfoyer hängt das „Handyhotel“. In einem eigenen kleinen Stofffach verstaut hier jeder Schüler und jede Schülerin beim Ankommen sein Handy. Alle hier sollen lernen, sich während des Schultags ohne Ablenkung zu konzentrieren. „In den nächsten Wochen wird hier nach und nach Leben einziehen“, sagt Schulleiter Norman Mellein. Mitten im Schuljahr hat die neue Gesamtschule vor einigen Wochen die vorläufige Betriebserlaubnis erhalten.

„Ein echter Kaltstart. Aber der ist gelungen“, sagt Mellein. Eigentlich hatte das Schulteam gehofft, mit Beginn des neuen Schuljahres zu starten. Aber die Genehmigung der Bezirksregierung kam nicht pünktlich, die Genehmigung der Nutzungsänderung für das Bürogebäude in Lövenich ließ auf sich warten. Das frühere Gebäude der Versicherungsmakler-Agentur Sitt und Overlack soll von dem Düsseldorfer Immobilien Projektentwickler Tabor Real Estate zur Schule umgebaut werden. Diese wird dann von dem aus Eltern bestehenden Gründungsverein, der als Schulträger fungiert, für 28 Jahre angemietet.

Kölner Schule muss Lehrergehälter derzeit selbst erwirtschaften

Da der Umbau noch nicht fertig ist und noch Fachräume fehlen, haben die derzeit 35 Schülerinnen und Schüler für den Unterricht in Fachräumen bis Ende des Schuljahres im Gymnasium Neue Sandkaul Asyl gefunden. Dann muss alles fertig sein. Auch sonst muss die Schule improvisieren: Da die Erlaubnis für die Schule vorläufig ist, gibt es bis zur endgültigen Genehmigung keinerlei staatliche Refinanzierung. Das heißt, der Schulträger – ein Zusammenschluss von Eltern – muss bislang sämtliche Kosten selbst bestreiten. Das gilt auch für die Lehrergehälter.

„Wir bringen hier gerade sehr viel Idealismus mit“, sagt Mellein. Er war vorher stellvertretender Schulleiter des Erich-Kästner-Gymnasiums und hat sich für zunächst zwei Jahre beurlauben lassen, um die neue Schule aufzubauen. Bislang habe noch keine der Lehrkräfte Geld für ihre Arbeit bekommen. Das gehe natürlich nicht auf Dauer, sagt Mellein. „Bis Ende Dezember muss das Genehmigungsverfahren durch sein. Und wir gehen auch davon aus, dass das klappt.“

Geplant ist, dass die Finanzierung folgendermaßen aussieht: Ein Schulgeld soll nicht erhoben werden. Wenn die Betriebsgenehmigung in eine dauerhafte umgewandelt wird, erhält die dann staatlich anerkannte Ersatzschule eine öffentliche Förderung von 87 Prozent, der Rest soll bei der Sieben Brücken Schule über Spenden an die gemeinnützige GmbH erwirtschaftet werden, die der Elternverein gegründet hat. Ausgegangen wird von einer Spende von 150 Euro monatlich.

Der Schulleiter steht vor einem Plakat in der neuen Schule-

Norman Mellein, Schulleiter der neuen Gesamtschule Sieben Brücken.

Derzeit sind als Schule im Aufbau eine fünfte und eine siebte Klasse am Start. Ein Großteil dieser Kinder sind solche, die nach der Erprobungsstufe – also der 6. Klasse – das Gymnasium verlassen mussten. Für diese Kinder Plätze an einer Gesamtschule zu finden, war bislang für Eltern angesichts voll belegter Gesamtschulen und notorischem Platzmangel unmöglich. Im Endausbau soll die Schule etwa 450 Gesamtschulplätze zur Verfügung stellen.

Der Start der Schule ist so ungewöhnlich wie das pädagogische Konzept, mit dem die Schule arbeitet: Es heißt „Leader in me“ und ist ein Programm zur Persönlichkeitsbildung. Schülerinnen und Schüler sollen in kleinen Klassen proaktiv Aufgaben für sich und andere übernehmen und dabei Selbstwirksamkeit und Übernahme von Verantwortung lernen. Das Konzept kommt aus den USA und beruht auf dem Bestseller „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephan R. Covey, einem Mormonen.

Es geht darin um eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung und wurde 1999 von der US-amerikanischen Lehrerin Muriel Summers für Schulen umgesetzt. Inzwischen wird das Schulentwicklungskonzept von fast 6000 Schulen in über 50 Ländern umgesetzt – vor allem in den USA und den Niederlanden. In Deutschland ist die Sieben Brücken Gesamtschule die erste, die nach dem Konzept arbeitet.

Gründer bezeichnen sich als „Familien mit christlicher Prägung“

Das Konzept weckt bei vielen Eltern Neugier, aber auch Fragen zum Hintergrund. Keiner aus dem Schulteam sei Mormone, erklärt Schulleiter Mellein auf Anfrage. Auch an den „Kölner Stadt-Anzeiger“ herangetragene Gerüchte, Schulleitung und Leitung des Gründungsvereins seien Mitglied bei der konservativen katholischen Gemeinschaft „Opus Dei“, wurden zurückgewiesen. „Das stimmt nicht“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Gründungsvereins, Maria Beister. Mellein sagte, er engagiere sich lediglich privat in der Kölner Opus-Dei-Gemeinde St. Pantaleon, ohne allerdings Mitglied zu sein.

Auf der Homepage bezeichnen sich die Gründungsmitglieder als „Initiative von Kölner Bürgern und Eltern, die aufgrund ihrer christlichen Prägung Verantwortung für die Schulbildung in Köln übernehmen“.  „Die Sieben Brücken Schule ist aber keine konfessionelle Schule und steht allen Kindern offen“, betont Mellein. Grundlage sei das christliche Menschenbild. Es gebe an der Schule keinen Religionsunterricht, sondern Philosophie als Unterrichtsfach für alle. „Das ist die Grundlage, die wir alle zusammen haben“, betont Mellein. Zumal unter der Schülerschaft auch muslimische Kinder seien.

Das Interesse für die Schule ist angesichts knapper Gesamtschulplätze groß. Beim ersten Tag der offenen Tür kamen 400 Eltern. Bianca Schmitz aus Lövenich hat sich entschieden, ihre Tochter hier anzumelden und engagiert sich bereits jetzt in der Elternvertretung. „Das ist genau das, was ich für meine Tochter gesucht habe. Weg von der Einheitsschule, hin zu einer Schule, in der mein Kind in seinen Stärken bestärkt wird und Selbstwirksamkeit erfährt“, meint sie. Der nächste Tag der offenen Tür findet am 23. November um 19.30 Uhr statt.

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