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Kein VerpackungsmüllKölner Laden „Tante Olga“ macht es vor

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Ein EU-Gesetz soll Einweg-Behälter deutlich reduzieren. Olga Witt aus Köln-Sülz macht vor, wie es ganz ohne Verpackung geht.

Seit dem 1. Januar 2023 sind Restaurants, Cafés und Bistros verpflichtet, ihre Produkte auch in Mehrwegverpackungen anzubieten. Sie sollen insbesondere Kunststoffverpackungen ersetzen. Eine entsprechende EU-Verordnung vom November 2022 sieht vor, dass für alle Angebotsgrößen eines To-Go-Getränks entsprechende Mehrwegbecher zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus dürfen Lebensmittel in Mehrweg-Umhüllung nicht zu schlechteren Bedingungen, also auch nicht teurer, als ihr Einweg-Äquivalent angeboten werden. Die Geschäfte können stattdessen auch ein Pfandsystem für die Mehrwegverpackung anbieten.

Das neue Verpackungsgesetz bezieht sich auf alle „Letztvertreibenden“, schließt dadurch auch Kantinen, Supermärkte, Cateringbetriebe und Tankstellen ein. Ausgenommen sind kleinere Geschäfte mit weniger als fünf Mitarbeitern.

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Der Bundestag hatte die Gesetzesnovelle im Mai vergangenen Jahres beschlossen, die Länder sollen die Einhaltung der Pflicht kontrollieren. Die Europäische Union möchte Recycling in ihren Mitgliedstaaten vorantreiben. In Zukunft soll es umfangreichere Pfand- und Rücknahmesysteme für Getränkeverpackungen und Take-away-Produkte geben.

Doch Kritik kommt von der Deutschen Umwelthilfe: Mehrweggeschirr nur als freiwilliges Angebot werde nicht die Lösung sein, sagt Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Umwelthilfe. Sie plädiert für eine Steuer auf klimaschädliche Einwegverpackungen. Außerdem werde die Verordnung noch nicht von allen Betrieben ernst genommen. 

Wie es auch gehen kann, zeigt der Unverpackt-Laden „Tante Olga“ im Kölner Stadtteil Sülz. Betreiberin Olga Witt verzichtet bei ihren Produkten ganz auf Verpackung. Hier bringt man Beutel oder Gläser selbst mit. „Uns geht es darum, dass die Sachen mehrfach benutzt werden“, sagt Witt.

Sie erachtet die EU-Verordnung als wichtigen „Schritt in die richtige Richtung, aber ich finde es traurig, dass es viele Ausnahmen gibt und man mehr für die Mehrweg-Option bezahlen muss. Gewisse Einwegverpackungen dürfen ja auch eine Alternative zur nachhaltigen Mehrweg-Lösung sein.“

Sie ist von ihrem System, bei dem die Kunden ihre Behälter selbst mitbringen, überzeugt. „Ich würde mir wünschen, dass es Unverpackt-Läden an jeder Ecke gibt, gerne auch, dass sie normale Supermärkte ablösen. Das wäre mein Traumkonzept.“

Dass Unverpackt-Geschäfte zu hohe Preise hätten, sei nur ein Vorurteil. „Wir sind eben ein Bio-Laden, haben also Bio-Laden-Preise.“ Unglücklicherweise seien regionale Produkte, wie Olga Witt sie vertreibt, teurer als aus dem Ausland importierte Ware. „Wenn man das Konzept Müllvermeidung ganzheitlicher sieht und überhaupt weniger konsumiert, spart man auch Müll und Ressourcen ein“, sagt sie.

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