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Albtraum in KölnVermieter lässt Wohnungstür von 83-Jähriger rausreißen

Kölner Mieter sind fassungslos. In ihrem Haus wurden einfach mehrere Türen, darunter die Wohnungstür einer 83-Jährigen, herausgerissen.

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Eine Wohnungstür wurde samt Rahmen herausgebrochen.

Der neue Vermieter hat im Haus eine Wohnungstür samt Zargen rausreißen lassen, ebenso die Türen zweier Toiletten im Hausflur.

Als ein altes Haus in Köln-Mülheim verkauft wurde, schrieb der neue Besitzer im Sommer 2025 an die Mieter, er werde ihre Rechte respektieren und schützen und freue sich auf eine harmonische Zusammenarbeit. Jetzt ist dort eine Baustelle, und das Wohnen gleicht eher einem Albtraum.

Arbeiter rissen vor einigen Tagen die Wohnungstür einer 83-jährigen Mieterin samt Zargen raus, es folgten die Türen von drei der vier Toiletten im Treppenhaus. Die Wohnungen haben keine eigenen Klos. „Auch liegt überall Schutt“, beklagt Charlotte S. (58), eine andere Mieterin. Die Haustür habe zudem schon seit Monaten kein Schloss mehr, obwohl der Vermieter mehrfach kontaktiert worden sei.

Wohnungstür von 83-Jähriger entfernt

„Da kommen fremde Männer, die ich überhaupt nicht kenne, und brechen meine Wohnungstür und die Toilettentür im Flur auf. Was machen sie als Nächstes? So kann man doch nicht leben! Ich wohne seit 50 Jahren hier und habe so etwas noch nie erlebt“, erzählt die 83‑Jährige. Sie lebt seitdem in Angst.

Die Rentnerin hat in dem Haus zwei kleine Wohnungen, in einer hat sie sich eine Art Bibliothek eingerichtet. Dort klebte plötzlich ein schmaler Zettel, auf dem die Räumung des Raums angekündigt wurde – handschriftlich unterschrieben mit „Stadt Köln“. Bis zur Erschöpfung hat sie daraufhin die halbe Nacht ihre Sachen herausgeräumt.

Der Bruder des Vermieters, der diesen während dessen Abwesenheit vertritt, soll behauptet haben, alle noch verbliebenen vier Mieter würden dort illegal wohnen, weil es sich um eine Gewerbeimmobilie handele. Er soll angekündigt haben, die Wohnungen in Airbnb-Unterkünfte zu verwandeln. „Er meinte, ich könne noch froh sein, dass er mir zwei bis drei Monate zum Ausziehen gäbe“, so Charlotte S.

Die 58-Jährige, die auch schon fast 30 Jahre in dem Haus lebt, hat inzwischen Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung gestellt. Eine Polizeisprecherin bestätigt gegenüber dieser Redaktion den Eingang der Anzeige.

Die Tür einer Toilette ist entfernt worden.

Im Haus wurden auch die Türen der Toiletten im Hausflur rausgerissen. Die Wohnungen haben keine eigenen Klos.

„Was mir Angst macht, ist nicht die Sanierung an sich. Es ist die Art, wie sie geschieht: ohne Ankündigung, ohne Gespräch, ohne jede erkennbare Rücksicht darauf, dass hier Menschen leben“, stellt Charlotte S. klar. Weder seien die Sanierungsarbeiten angekündigt worden, noch hätte sie eine schriftliche Kündigung ihrer Wohnungen erhalten.

Katja Reuter von der Stadt erklärt auf unsere Anfrage: „Der Stadt liegen keine Genehmigungen vor. Mitarbeitende des Bauaufsichtsamtes und der Wohnungsaufsicht waren vor Ort. Der Eigentümer ist nun aufgefordert worden, eine Stellungnahme abzugeben.“ Es gäbe auch keine Hinweise darauf, dass es sich um eine reine Gewerbeimmobilie handelt.

Kölner Mieterin: „Er lässt uns einfach ausbluten“

Unangekündigte Sanierung, Entfernen von Türen, ein Zettel, angeblich von der Stadt, angebliches illegales Wohnen, geplante Airbnb-Unterkünfte, kein Haustürschloss, drei Monate Auszugsfrist: Zu all den Vorwürfen haben wir den Vermieter schriftlich um Stellungnahme gebeten. Bislang ohne Reaktion.

Die Mieter haben sich in ihrer Verzweiflung nicht nur an Stadt und Polizei gewandt, sondern auch die Sozialistische Selbsthilfe Mülheim (SSM) und einen Anwalt eingeschaltet. Charlotte S.: „Wir haben alles gemacht, was wir machen können. Aber wir wissen nicht, was der Vermieter eigentlich will. Es gibt keine Transparenz, nur Druck. Er lässt uns einfach ausbluten.“

Auch Kalle Gerigk, Kölner Mietrebell und Aktivist, ist alarmiert. „Wohnen ist ein Menschenrecht und kein Freibrief für Willkür. Wenn Menschen unter Druck gesetzt werden und sogar der Name der Stadt Köln ins Spiel gebracht wird, um Forderungen Nachdruck zu verleihen, müssen die Vorgänge geklärt werden“, sagt er.

„Es wurde niemand angegriffen oder beleidigt“

Am Mittwoch (4. November) erreicht diese Redaktion den Bruder des Vermieters auf dem Handy und erinnert ihn an die schriftliche Anfrage, für die bereits zwei gesetzte Fristen verstrichen sind. „Ich weiß gar nicht, was Sie wollen. Als wäre das jetzt hier ein Kriminalfall“, so seine erste Reaktion. Dann sagt er: „Kein Kommentar.“

Er äußert sich dann aber doch. „Es wurde niemand angegriffen oder beleidigt. Wir haben niemanden vor die Tür gesetzt, wir kümmern uns um unsere Mieter“, erklärt er. Es müsse doch mal was ausgetauscht werden, das Haus sei schließlich über 100 Jahre alt. Laut ihm wurden die Sanierungsmaßnahmen auch angekündigt, „schriftlich, fünf bis sechs Wochen vorher“.

Ein Zettel mit einer Räumungsandrohung hängt an der Wand.

Diesen Zettel, angeblich von der Stadt Köln, fand eine Mieterin vor.

Allerdings sei damals der eigentliche Postbote seit bereits über sechs Wochen krank gewesen, wie die Vertretung ihm und auch den Mietern erklärt haben soll. „Da können Sie sich Zähler und Nenner zusammenrechnen und dann haben Sie auch Ihre Antwort.“ Offenbar eine Andeutung, dass die Schreiben nicht angekommen sein könnten.

Über die Mieter sagt er, es seien Leute, die sich mit dem Zustand des Hauses zufriedengeben würden. „Es ist eigentlich unmenschlich, so zu leben. Da war auch irgendwie keine Heizung, die haben keine eigenen Toiletten. Wir wollen denen nur helfen, damit die eine vernünftige Bude haben“, so der Bruder des Vermieters weiter gegenüber unserer Redaktion.

In einer Toilette sei inzwischen auch wieder eine Tür drin, sagt er. „Wir haben sogar das Licht im Hausflur wieder anbekommen.“ Der frühere Eigentümer habe sich nicht darum gekümmert.

Tatsächlicher Eigentümer äußert sich

Charlotte S. hat am Dienstag den Eigentümer selbst getroffen. „Er erklärte mir, dass er sich das mit dem Airbnb anders überlegt hat. Das würde er jetzt nicht so machen. Er würde jetzt alle Zwei-Zimmer-Wohnungen im Haus sanieren, dann könnten wir anschließend in diese ziehen, solange er unsere Drei-Zimmer-Wohnung saniert. Dann leben wir aber weiterhin auf einer Baustelle.“

Sie habe das auch alles an ihren Anwalt geschickt. Die 58-Jährige: „Er hat dem Vermieter bereits eine Frist von einer Woche gesetzt, in der er das Licht reparieren, ein Haustürschloss einbauen und die Toilettentüren wieder einsetzen muss.“

Zumindest bis Mittwochmorgen sei in keiner der drei betroffenen Toiletten eine Tür wieder drin gewesen. Charlotte S.: „Wir blicken mit großer Sorge auf das, was jetzt weiter passiert.“