Der Palmengarten an der Stadthalle Köln ist die „erste Straußenwirtschaft Kölns“. Betreiber Daniel Rabe liebt Wein und hatte davon sehr viel im Keller.
Kein KölschDer „Palmengarten“ in Mülheim ist Kölns erste Straußenwirtschaft

Klara Neifer ist die Tochter von Stadthallen-Besitzer Daniel Rabe und leitet als Auszubildende den Palmengarten.
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Dass in den Gaststätten der Domstadt Kölsch ausgeschenkt wird, ist so sicher wie die Fließrichtung des Rheins. Der Palmengarten in Mülheim setzt neuerdings dagegen hauptsächlich auf Wein. Die laut Betreiber Daniel Rabe „erste Straußenwirtschaft Kölns“ bietet dazu typische Gerichte aus den Weinbauregionen Deutschlands an. Kölsch gibt es nur in Flaschen.
Rabe betreibt das Lokal „Bagatelle“ in der Südstadt und ist Eigentümer der Stadthalle Köln, an die der Palmengarten angeschlossen ist. In den bisherigen Sommern war er ein Biergarten. Doch Rabe, bekennender Weinliebhaber, hatte einen Plan: „Für die Bagatelle hatten wir zuletzt viel zu viel Wein bestellt, der Keller ist voll mit Grauburgunder, Scheurebe, Gutsriesling und Müller-Thurgau. Für die Bagatelle haben wir eine eigene Edition und beziehen die Literflaschen direkt aus Rheinhessen“, schildert er.
Der Übergang vom Bier- zum Weingarten an der Stadthalle sei daher fließend gewesen, die Essensbude wich, ein riesiges Weinfass mit komfortabler Sitzgelegenheit hielt Einzug. „Wir haben nun eine Straußenwirtschaft. Das ist eine klassische Gastronomie, die zu einem Weinanbaugebiet gehört. In Hessen und Baden-Württemberg ist diese Bezeichnung sogar geschützt, eine Straußenwirtschaft muss dort direkt neben einem Weinberg liegen und darf nur saisonal öffnen. In NRW ist das nicht so, deswegen war das möglich“, sagt Rabe. In Rheinland-Pfalz spreche man üblicherweise von der Straußenwirtschaft.

Der Palmengarten ist Kölns erste Straußenwirtschaft, wie es sie in Weinregionen gibt.
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Es gebe in Köln viele Leute, die gerne Wein tränken, aber auch auf das Portemonnaie achteten. „Deswegen bieten wir billige, einfache Speisen und Bewirtung, die Leute lieben es.“ Ein Klassiker in Rheinhessen seien Pellkartoffeln mit Ei und Grüner Soße. Das Gericht steht im Palmengarten für 12 Euro auf der Karte, das Glas Wein kostet 6,25 Euro, der halbe Liter 15 Euro. Weitere Klassiker sind gebackener Camembert, Wurstsalat und Bergische Rauchforelle.
Fassbier aus Franken, aber kein Kölsch vom Fass
Und dennoch verbannt der Palmengarten bewusst Kölsch von der Getränkekarte, zumindest das vom Fass. Ein Sakrileg? Rabe sieht das deutlich nüchterner: „Es wünscht gar nicht jeder Gast Kölsch. Die Leute sollen das Gefühl bekommen, zwei Stunden weg zu sein. Wenn man woanders ist, trinkt man vielleicht auch mal das lokale Bier. Beschwert hat sich deswegen jedenfalls noch keiner, es ist auch immer Gesprächsthema“, sagt er. Fassbier gibt es aber trotzdem, nämlich eines aus Franken.
Die Geschicke der Straußenwirtschaft leitet indes Rabes 17-jährige Tochter Klara Neifer. Sie und ihre Kollegin machen eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau. Im zweiten Lehrjahr bilden sie nun, unterstützt von einem dualen Studenten, das Leitungsteam. Das schärfe auch den Blick eines erfahrenen Gastronomen, sagt Rabe: „Ich bin 45 Jahre alt und merke durch die Drei, was junge Leute wollen.“ Neifer plane vor allem Werbung auf Social Media zu machen und Trends einzubeziehen, von der die Elterngeneration noch nie etwas gehört habe. „Wenn die Leute mitkriegen, dass hier auch junge Menschen mitwirken, wird das auch ein jüngeres Publikum anziehen“, glaubt sie.
Die Gäste, von denen viele im Anschluss ein Konzert in der Stadthalle besuchten, erwarte eine gemütliche Atmosphäre, umgeben von wilden Weinreben. „Im Spätsommer werden die richtig gewachsen sein“, sagt Rabe. „Ein Weingarten ist keine Wissenschaft: Die meisten Leute wollen ein ordentliches Glas Wein, am Ende nicht arm sein und einen guten Abend haben.“
Palmengarten | Jan-Wellem-Straße 2, Köln-Mülheim | Täglich ab 17 Uhr geöffnet | https://palmengarten.koeln

