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Stadt und KD lehnen abErneuter Versuch der Wiederbelebung des „Müllemer Böötche“ gescheitert

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Die MS Willi Ostermann sollte das traditionsreiche „Müllemer Böötche“ fortführen – dann wurde 2019 der Landesteg zerstört (Archivbild).

Die MS Willi Ostermann sollte das traditionsreiche „Müllemer Böötche“ fortführen – dann wurde 2019 der Landesteg zerstört (Archivbild).

Die KD hätte den zerstörten Mülheimer Schiffsanleger neu gebaut, wenn auch Flusskreuzfahrtschiffe dort festmachen dürften. Doch der Plan geht nicht auf.

Wohl nie mehr „Heidewitzka“ in Köln: Die Stadtverwaltung teilte der Bezirksvertretung Mülheim mit, die Wiederbelebung des „Müllemer Böötche“ nicht weiter zu verfolgen.

Grund ist, dass der Neubau des Anlegers für das „Müllemer Böötche“ laut Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt (KD) und Stadt unwirtschaftlich ist – es sei denn, auch Flusskreuzfahrtschiffe könnten dort festmachen. Einen so großen Anleger wiederum würde die für Schifffahrt auf dem Rhein zuständige Behörde nicht genehmigen, wie die Stadt jetzt bekannt gab.

Die alte Fährverbindung zwischen dem rechtsrheinischen Mülheim und der linksrheinischen Kölner Altstadt ist mehr als 150 Jahre alt. Bis vor sechs Jahren legten noch drei Schiffe in Mülheim an, danach sollte das Ausflugsschiff MS Willi Ostermann des Unternehmens Dampfschiffahrt Colonia die Aufgabe allein fortführen. 

Doch ein manövrierunfähiges Tankschiff rammte im Dezember 2019 den Landesteg unterhalb des Mülheimer Kohlplatzes und beschädigte dabei die Uferbefestigung. Danach wurde die Anlegestelle nicht erneuert. Die Kosten wurden zuletzt 2024 auf 1,5 Millionen Euro geschätzt.

KD nannte Stadt neue Idee für Mülheimer Schiffsanleger

Seitdem erinnert nur noch eines der bekanntesten kölschen Lieder an die traditionsreiche Schiffsverbindung: „Heidewitzka, Herr Kapitän! Mem Müllemer Böötche fahre mir su jähn!“ Auch wegen seiner identitätsstiftenden Bedeutung für Köln kämpfen Bürgerinnen und Bürger dafür, dass der Anleger erneuert und die Schiffsverbindung wiederhergestellt wird. Die Mülheimer Bezirksvertretung fasste mehrfach einstimmige Beschlüsse für den Erhalt der Tradition, die im Rathaus nicht verfolgt wurden. Als sich Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) diesen Januar den Anliegen der Mülheimer bei einem Besuch einer Aktion des Ordnungsamtes auf dem Wiener Platz stellte, war das Böötche eines der ersten Themen, mit dem er konfrontiert wurde.

Inzwischen hat die KD die Dampfschifffahrt Colonia übernommen, seit Anfang 2025 fährt auch die Willi Ostermann wieder über den Rhein durch Köln – ohne in Mülheim anzulegen. Die KD hatte anfangs versprochen, das „Müllemer Böötche“ fortzuführen, zuletzt im Mai 2025 der Redaktion aber mitgeteilt, den Anleger nicht erneuern zu wollen. Damals hatte das Schifffahrtsamt mitgeteilt, dass ein Anleger grundsätzlich genehmigungsfähig sei, aber bisher niemand einen Antrag gestellt habe.

Diesen Februar habe die Stadt nach eigenen Angaben „noch einmal intensive Gespräche mit der KD-Geschäftsführung geführt“. Demnach geht die KD nach wie vor davon aus, dass der Betrieb allein des „Müllemer Böötche“ defizitär wäre, weshalb sie auch Flusskreuzfahrtschiffe anlegen lassen wollen würde. Dann müsste der Anleger allerdings 135 Meter lang sein.

Großer Anleger für Flusskreuzfahrten in Mülheim nicht möglich

Ob das möglich sei, fragte die Stadtverwaltung danach bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) an und teilte nun die Antwort mit: „Der Abstand zur Fahrrinne ist zu gering und die bestehende Landebrücke wurde bereits wiederholt von Fahrzeugen angefahren. Die möglichen Folgen eines solchen Vorfalls bei gleichzeitiger Belegung mit einem Hotelschiff wären laut WSV erheblich und nicht vertretbar.“

Das heißt, die Bedingung der KD zur Wiederbelebung des „Müllemer Böötche“ kann nicht erfüllt werden und auch die Stadt erteilt erneut eine Absage: „Eine Herstellung des Anlegers mit einem solitären Betrieb des ‚Müllemer Böötche‘ schließt die Verwaltung ebenfalls aus Gründen der Unwirtschaftlichkeit und einer erforderlichen Defizitübernahme seitens der Stadt Köln aus.“