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Kommentar

Ex-Bezirksbürgermeister
Wiener Platz war nie ein Platz der absoluten Glückseligkeit

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3 min
Für Norbert Fuchs war der Wiener Platz in Mülheim schon immer vor allem ein Verkehrsknotenpunkt.

Für Norbert Fuchs war der Wiener Platz in Mülheim schon immer vor allem ein Verkehrsknotenpunkt.

Der ehemalige langjährige Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs erzählt in einem Gastbeitrag die Geschichte des Wiener Platzes in Mülheim der vergangenen 70 Jahre.

Sieben Jahrzehnte erlebe ich den Wiener Platz als größten Verkehrsknotenpunkt im Rechtsrheinischen mit täglich zigtausenden Umsteigebeziehungen in Bus und Bahn, als Einkaufszentrum, als Veranstaltungsort für zahlreiche gelungene Events, als Ort vieler gemeinsamer Treffen mit Freundinnen und Freunden. Aber auch als großstädtischen Platz mit all seinen Problemen, mit Starktrinkern, Drogenkonsumenten, Dealern und Kriminellen. Waffenverbotszone und Videoüberwachung finde ich gut. Aber mir fehlt da der Bezirksbeamte oder die Bezirksbeamtin, der Schutzmann oder die Schutzfrau vor Ort, die ihre Pappenheimer kennen, klare Ansagen machen können und präventiv tätig werden.

In meiner Kindheit kannte ich den Wiener Platz als Umsteigehaltestelle für Verwandtenbesuche in Wiesdorf oder Nippes und vom Einkaufen mit meiner Mutter im Kaufhof.

Die heutigen Toiletten sind im Vergleich zu damals Luxus

In meiner Jugendzeit war er die Verbindung zwischen Buchforst und dem Mülheimer Ufer, wenn es zum Rudertraining zum MüWa ging. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Papas Käfer ging es über den Wiener Platz. In den 1960er Jahren fuhr man durchgehend von der Frankfurter Straße zur Buchheimer Straße. Damals war der Platz ein großer Parkplatz, eingefasst in breite Straßen und die Schienenanlage, mit wenig Rasenfläche, ein paar Bäumen, einem Kiosk und einer unterirdischen Toilette, die man lieber nicht benutzen wollte. Dagegen sind die heutigen Toiletten Luxusexemplare, für die wir in der Bezirksvertretung lange gekämpft haben, die hochfrequentiert sind und nach Aussage der AWB zu einer merklichen Reduzierung der Verschmutzung des Platzes und seiner Umgebung beigetragen haben.

Später war der Wiener Platz mehr als drei Jahrzehnte mein zweiter „Arbeitsplatz“ als ehrenamtlicher Bezirksbürgermeister, zunächst im Woolworth-Gebäude und seit 1997 im neugebauten Bezirksrathaus.

Der Wiener Platz war nie ein Platz der absoluten Glückseligkeit.

1989 bis 2025 war Norbert Fuchs Bezirksbürgermeister Mülheims.

1989 bis 2025 war Norbert Fuchs Bezirksbürgermeister Mülheims. (Archivbild)

Ein Platz, der die Verkehrsströme von Bahnen, Bussen, Autos, Rädern und Fußgängern aus allen Himmelsrichtungen kanalisieren musste. Was bei wachsendem ÖPNV und Autoverkehr nicht mehr funktionierte. Als Fußgänger hatte man Probleme, über den Clevischen Ring und die Schienen in die Buchheimer Straße zu gelangen.

In den 1990er Jahren starteten U-Bahn-Bau und Neugestaltung des Wiener Platzes. Wohlgemerkt, im vorgesehenen Kosten- und Zeitrahmen. Unser Wunsch in der Bezirksvertretung, den gesamten Bahn- und Autoverkehr unter die Erde zu legen und einen attraktiven Platz für die Mülheimerinnen und Mülheimer zu schaffen, ging leider nicht in Erfüllung. Das scheiterte an technischen Problemen, da es eine Verknüpfung mit dem Mülheimer Bahnhof geben musste, und vor allem an der Finanzierung der Mehrkosten dieser Variante.

Zeit für die Sanierung der U-Bahn-Station Wiener Platz

2027 jährt sich die Eröffnung von U-Bahn, Bezirksrathaus und Wiener Platz zum 30. Mal.

Zeit für die Sanierung der heruntergekommenen U-Bahn-Station und für den Start von Maßnahmen zur Umgestaltung des Wiener Platzes. Planungen und Ideen gibt es genug. Sie müssen nur strukturiert und umgesetzt werden. Was auf Plätzen in der Innenstadt geht, muss auch in Mülheim möglich sein.

Und dass der Wiener Platz auch heute belebt sein kann, zeigen Biergarten, Wochenmarkt und Veranstaltungen, wie letzthin 75 Jahre Bürgervereinigung, Weihnachtsmarkt oder unsere Eröffnung des Straßenkarnevals zu Weiberfastnacht.


Norbert Fuchs wurde 1984 erstmals für die SPD in die Bezirksvertretung gewählt. Von 1989 bis 2025 prägte er Mülheim als Bezirksbürgermeister, bis er sich zur Kommunalwahl im Vorjahr mit dann 76 Jahren nicht mehr zur Wahl stellte und in den politischen Ruhestand ging.

Unsere Serie „Kölner Plätze“ rückt einmal im Monat einen Ort in Köln in den Fokus. Dieser Beitrag ist Teil der Folge zum Wiener Platz.