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Wutrede zu Kitastreik und MuttertagMuss die Mutti ihr Yoga halt vormittags machen

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Streikende Kita-Beschäftigte (Symbolbild)

  1. Ein Kommentar.

Köln – Dass Sonntag Muttertag ist, macht nicht viel mit unserer Autorin. Oder genauer: nicht viel Gutes. Ihre Sorge ist nicht, ob sie am Sonntag Blümchen und Frühstück ans Bett bekommt, sie beschäftigen Kita-Streik, Ungleichbezahlung und falsche Mütter-Bilder. Eine Wutrede.

Sind Sie eine Frau? Haben Sie ein Kind? Arbeiten Sie? Verrückte Kombination, ich weiß. Aber es soll tatsächlich Mütter geben, die zur Deckung Ihres Lebensunterhalts auf Erwerbsarbeit setzen. Das ist natürlich nicht besonders naheliegend. Gerade in diesen Tagen. Denn die Kitas streiken. Völlig zu Recht, übrigens. Schließlich arbeiten da auch zum Großteil Frauen, oft sogar auch Mütter, was noch verrückter klingt. Und die bekommen dafür – wie in zu großen Teilen von Frauen besetzten Care-Berufen üblich – wenig Geld. Jedenfalls sind die Kleinkinder zu Hause. Sie fragen sich, wie das geht?

Was denkt die Politik? Dass die Muttis bei der Maniküre sind?

Sie glauben im ersten Moment: Ohje, das Problem muss man schnell lösen. Denn wohin sollen die ganzen Dreijährigen, wenn Mutter und Vater auf die Idee gekommen sind, ihr Leben durch beiderseitige Erwerbsarbeit zu finanzieren. Die Politik, so kommt es mir vor, fragt sich das alles seit vielen Jahren nicht. Oder zu wenig. Oder es folgt einfach nur Dürftiges daraus.

Manchmal kommt es mir vor, als dächten Menschen, Mütter seien in der Hauptsache faul, hätten keine bezahlten Aufgaben, keine Ideen, aus denen sich Geld machen lässt, gutes Leben, Fortschritt. Die sich, während das Kind in der Kita ist, dauernd die Fingernägel lackieren lassen. Aus Verzweiflung, weil ihnen nichts Besseres einfällt.

Anders ist kaum zu erklären, dass Kindertagesstätten permanent unterfinanziert sind. Bis 16.30 Uhr sind die Kitas der Stadt Köln beispielsweise in der Regel geöffnet. Jeder, der schon mal versucht hat, einen Vollzeitjob zu ergattern, in dem er zuverlässig um 16 Uhr abhauen kann, um dann abgehetzt kurz vor Torschließung das Kind wieder in Empfang nehmen zu können, weiß: Das ist gar nicht mal so einfach. Und Supermarktkassiererinnen oder Krankenschwestern wissen, dass man nicht einmal einen hochbezahlten Top-Job haben muss, um bis 17 oder 18 Uhr arbeiten zu müssen.

Kitas schließen wegen Personalmangels gern auch mal mittags

Und falls jemand glaubt, Kindertagesstätten seien gut genug ausgestattet, um – auch ganz abgesehen von Streiktagen - wenigstens die Öffnungszeit bis 16.30 Uhr sicherzustellen, dann liegt er damit leider auch nicht richtig. Denn: Zahlreiche Kitas in der ganzen Stadt schließen wegen Personalmangels mittlerweile an einigen Tagen schon um 15 Uhr. Oder auch mal mittags.

Es könnte sein, dass sich der ein oder andere denkt: Egal, müssen die Muttis ihr Yoga halt vormittags machen. Die haben eh keinen richtigen Job, wie wichtig können die schon sein? Sollen sie lieber einen richtig reichen Vati heiraten, um finanziell über die Runden zu kommen. Das hört sich polemisch an, ist aber leider die Realität. Wie eine Bertelsmann-Studie in den vergangenen Wochen vorrechnete, ist Heirat für eine Mutter immer noch der zuverlässigere Weg, um sich vor Armut zu schützen, als eigene Erwerbsarbeit.

Rund 40 Prozent Einkommenseinbußen nehmen die Frauen in Kauf, die sich für die Mutterschaft entscheiden. Bei drei oder mehr Kindern ergibt sich sogar ein Minus von 70 Prozent - ein Leben lang. Diese massiven Einschnitte erklären sich laut Studie vor allem dadurch, dass viele Mütter ihre Beschäftigung zeitweise pausieren und oft in Teilzeit arbeiten.

Vielleicht arbeiten sie ja in Teilzeit, weil sie um drei zur Kita hetzen müssen. Aufmerksame Beobachter könnten hier einen Zusammenhang zwischen politischer Struktur und einem Mangel an Gleichberechtigung vermuten. Aber wahrscheinlich ist das Quatsch. Wahrscheinlich sind Mütter einfach zu faul für hohe Löhne.

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Den Kindern kann man übrigens ebenso wenig wie den Erzieherinnen die Schuld in die Schuhe schieben. Für Männer bedeuten Kinder nämlich sogar ein Einkommensplus. Hauptgrund für die Ungleichheit ist der Studie zufolge, dass in Deutschland „faktisch nach wie vor das Modell des männlichen Ernährers“  dominiert. Obwohl „Frauen Männern hinsichtlich ihrer Qualifikation für den Arbeitsmarkt in nichts nachstehen“, seien sie häufiger nur in Teilzeit oder gar nicht erwerbstätig und gleichzeitig hauptverantwortlich für den Haushalt sowie die Betreuung von Kindern oder Angehörigen. Die Forderung ist also einfach: Wer Gleichberechtigung und vor allem Kinder zum Fortbestand der Menschheit will, muss endlich unbezahlte Care-Arbeit gleichmäßig verteilen und bezahlte Care-Arbeit besser entlohnen.

Aber vielleicht reicht als Wertschätzung ja auch der Muttertag. Mit Blumen. Und Lächeln und Seligkeit.

Im Ernst: So einen Muttertag braucht niemand.