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Alte Sorten sollen bewahrt werden Köln bekommt riesigen Obstgarten

Spatenstich Arboretum (2)

Beatrice Bülter von der Kölner Grün Stiftung mit Mitstreitern

Longerich – Umgeben von Militärringstraße, A1 und Neusser Landstraße, findet sich im Longericher Norden das sogenannte Bergheimer Dreieck, das den nördlichen Abschluss des linksrheinischen Grüngürtels bildet. Eine Mischung aus landwirtschaftlicher Nutzung, Wiesen und Waldstücken sorgt hier für ein ländliches Ambiente. „Das ist ein Mix, den wir auch im Rahmen unseres Stadtentwicklungskonzepts für den nördlichen Grüngürtel hier beibehalten wollen“, sagt Joachim Bauer, stellvertretender Leiter des Kölner Amts für Landschaftspflege und Grünflächen.

160 Bäume sollen gepflanzt werden

„Allerdings soll es in Zukunft mehr in Richtung einer ökologischen Landwirtschaft gehen.“ Die Wiese südlich des Bergheimer Wegs, der das Areal durchzieht, wird daher ihr Gesicht in Zukunft deutlich verändern: Hier entsteht das erste Obstbaum-Arboretum im linksrheinischen Köln. 160 verschiedene Obstbäume sollen in den kommenden drei Jahren auf dem gut 1,2 Hektar großen Gelände angesiedelt werden.

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit der NABU-Naturschutzstation Leverkusen mit dem Kölner Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, finanziert wird es von der Kölner Grün Stiftung und der Jüdischen Liberalen Gemeinde Köln. Vertreter der beteiligten Organisationen hatten sich nun getroffen, um symbolisch den ersten Baum zu pflanzen, einen jungen Apfelbaum der Sorte Malus Reinette Franche.

Gelbe Schafsnase und Rheinische Speckbirne

Laut Volker Unterladstetter (NABU), der für die Naturschutzstation bereits mehrere Obstwiesen auf Kölner Gebiet betreut, soll das neue Arboretum zwei Funktionen erfüllen. „Zum einen die eines Archivs der Obstsorten, die im Rheinland entstanden sind, oder einen Bezug zum Rheinland haben. Das sind nämlich außergewöhnlich viele.“ Gut 100 Sorten listet etwa ein Handbuch der Biologischen Stationen im Rheinland auf, darunter so klangvolle Namen wie Crede’s Taubenapfel, Gelbe Schafsnase, Dressprümmche, Rheinische Speckbirne, oder Grevenbroicher Knorpelkirsche. „Diese Vielfalt droht aber zu verschwinden“, sagt Unterladstettter.  Ziel sei es daher, die rheinischen Obstsorten möglichst vollständig in dem neuen Arboretum zu versammeln, neben einigen Sorten aus den Niederlanden und Belgien. „Es soll jedoch kein Museum sein, wir wollen diese Sorten vielmehr wieder in Nutzung bringen“, so Unterladstetter.

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Gerade in Anbetracht des Klimawandels könnten in Vergessenheit geratene Sorten wieder entscheidende Vorteile mit sich bringen, ist Unterladstetter überzeugt. Auf der Suche nach einem Standort habe man das Entwicklungskonzept für den Grüngürtel aufgegriffen, so Sönke Geske, Leiter der Naturschutzstation. „Hier stimmt der Boden und die Umgebung“, meint er. Die Kölner Grün Stiftung und die Jüdische Liberale Gemeinde unterstützen das Vorhaben vor allem finanziell – die Grün Stiftung mit 35 000 Euro, die Gemeinde mit weiteren 15 000 Euro. „Wir haben in einer Aktion bereits über 1000 Baumpflanzungen im Kölner Stadtgebiet veranlasst und auch mit unserer Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt für das Planungskonzept für den Äußeren Grüngürtel gute Erfahrungen gemacht“, so Beatrice Bülter aus dem Vorstand der Kölner Grün Stiftung.

Äpfel haben im Judentum große Symbolik

Die 15 000 Euro der Jüdischen Liberalen Gemeinde wurden von den Mitgliedern zusammengetragen, daher werden die einzelnen Bäume auch mit Gedenkplaketten der Spender versehen. „Gerade jetzt nach der Klimakonferenz COP 26 ist wieder klar geworden, wie schlimm es um den Planeten bestellt ist, darum gab es bei uns das Bedürfnis, etwas zu tun“, sagt Kathrin Rothenberg-Elder, die sich auch bei Scientists For Future engagiert. „Wir möchten damit auch das Judentum einmal anders in die Öffentlichkeit bringen, das sonst nur im Zusammenhang mit antisemitischen Angriffen öffentlich in Erscheinung tritt“, so Rafi Rothenberg, der Vorstandsvorsitzende der Gemeinde. „Aber Äpfel etwa haben im Judentum große symbolische Bedeutung für Juden und beim jüdischen Neujahrsfest Tu Bischwat pflanzen wir traditionell Bäume.“