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Autofreie SiedlungNachbarn in Nippes kritisieren Pläne für Zuführungsgleis

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Neben Häuserblöcken verläuft ein Bahndamm.

Neben der Straße Am Ausbesserungswerk will die Bahn ein Gleis verlegen, das aus südlicher Richtung zum S-Bahn-Depot führen soll. 

Die Bahn will ein Zuführungsgleis zur S-Bahn auf dem Bahndamm bauen – genau am Nippeser Eisenbahnveedel vorbei, nur wenige Meter von Wohnhäusern entfernt.

„Für uns Anwohner sind die Pläne unzumutbar“, stellte Matthias Jungck, zweiter Vorsitzender der Anwohnergemeinschaft Nippeser Westen, in der Sitzung der Bezirksvertretung Nippes klar. Wenn das südliche Zuführungsgleis zur S-Bahn-Abstellanlage zwischen Bilderstöckchen und Mauenheim komme, sei es mit der Ruhe im Eisenbahnveedel vorbei. „Die S-Bahnen würden direkt vor unserer Haustür entlang fahren.“ Man sei nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben und fahre, zumal als Bewohner eines teils autofrei geplanten Viertels, gerne und oft Bahn. Aber mit seinem Vorgehen habe der Konzern die Nachbarschaft getäuscht.

„Die Projekthistorie lässt sich nicht außer Acht lassen“, verdeutlichte sein Vorstandskollege Stefan Hitzke. „Zu sagen, das Ganze wäre maximal unglücklich verlaufen, wäre sogar noch etwas schwach formuliert.“ Niemand in der Nachbarschaft habe einst geahnt, dass genau neben der Siedlung ein Gleis gebaut werde, bekräftigte CDU-Fraktionschef Christoph Schmitz. „Ich war Erstbezieher eines der Häuser des Investors. Die damaligen Bewohner sind bewusst getäuscht worden, was das spätere Gleis betrifft. Von diesem war nie die Rede; es wurde sogar von einer Anmiete-Möglichkeit für Gartenflächen neben der Siedlung gesprochen.“

Bahn wünscht südliche Anbindung ihres Depots

Nach knapp vier Jahren relativer Ruhe ist das seit 18 Jahren schwelende Reizthema zurück in der politischen Debatte. Die Bahn plant, ihr S-Bahn-Depot auf dem Bahndamm über eine neue Gleisverbindung von Süden her anzubinden. Diese würde in Höhe des Sechzigveedels vom Bahndamm herabgeführt und ebenerdig am Eisenbahnveedel, dem früheren Standort des DB-Ausbesserungswerks, vorbeiführen. In Höhe der Straße Am Ausbesserungswerk würden die auf diesem Abschnitt zweigleisig geführten Schienen nur wenige Meter neben dem Wohnhaus-Riegel entlang verlaufen.

Ein Schild hängt an einem Gitter. Darauf steht „Willkommen in der autofreien Siedlung“.

Direkt angrenzend an die autofreie Siedlung soll ein neues Bahngleis verlegt werden.

Über eine derzeit verwilderte, ungenutzte Bahnbrücke am Mauenheimer Gürtel ginge es durch einen Tunnel wieder mitten auf das Bahndammgelände. Hauptzweck der neuen Verbindung ist eine kreuzungsfreie Anbindung des Depots, ohne Behinderung durch andere Personen- oder durch Güterzüge. Der schmale Geländestreifen, auf dem das Gleis entstehen würde, ist nach wie vor im Besitz der Bahn. Im Sommer 2022, bei der Offenlegung der vorherigen Planversion, hatte die Nachbarschafts-Initiative mehr als 1000 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt. Zugleich hatte sie ein Alternativkonzept für eine Anbindung des Depots von Süden her ausgearbeitet: Durch eine Verlegung der Gütergleise wäre eine kreuzungsfreie Anfahrt auch so möglich. Die beiden Anwohnervertreter kritisierten außerdem die getrennte Planung und Genehmigung von S-Bahn-Abstellanlage und Zuführungsgleis; diese hätte gemeinsam erfolgen müssen, da sie zusammengehörten.

Neue S-Bahnen und -Linien sollen in nächsten Jahren kommen

„Es gibt eine große Dringlichkeit für das Vorhaben, das wie gesagt seit mittlerweile 18 Jahren läuft“, so Christian Dörkes, stellvertretender Bereichsleiter beim Schienenverkehrs-Zweckverband „go.Rheinland“. „Mittlerweile drängt die Zeit dermaßen, dass wir uns mit der Verwaltung zusammengesetzt haben, um eine Lösung herbeizuführen.“ Hintergrund ist der Kauf von 90 S-Bahnen mit einer Länge von bis zu 170 Metern, die ab 2029 erwartet werden. Ab den 2030er-Jahren soll das Kölner S-Bahn-Netz, derzeit aus fünf Linien (plus der VRR-Linie S6) bestehend, um weitere fünf Linien erweitert werden. Der Schwerpunkt des Netzes liege südlich der Abstellhalle, von daher müsse von dort auch eine Zufahrt her.

„Die Zweigleisigkeit wird nicht den ganzen Tag benötigt, sondern vor allem zu den Ein- und Ausrückzeiten. Dass man sich so häufig über die Bahn beschwert, weil vieles nicht funktioniert, liegt auch an der veralteten Infrastruktur. Wir wollen uns nicht einen absehbaren Engpass dort hinbauen.“ Die Zeiten mit hohem Verkehr vom und zum Depot seien morgens ab vier Uhr, sowie in mehreren Wellen in den Abend- und Nachtstunden, wenn die Züge ihren Linienbetrieb beendeten. Jens Schäfer, der Leiter des Knoten-Ausbaus Köln bei der DB Regio, sicherte in der Sitzung zu, für Gespräche bereitzustehen. „Es macht mich etwas traurig, dass die Kommunikation bislang nicht stattgefunden hat. Ich stehe persönlich zur Verfügung, wie auch mein Team. Nur gemeinsam können wir zu einer guten Lösung kommen.“

Umfangreiche Forderungen der Bezirkspolitik

Als Beschlussvorschlag für den Stadtentwicklungsausschuss formulierte die Bezirksvertretung Nippes mehrheitlich gegen die AfD drei Punkte: Komme es zum Bau, müsse es ein Lärmschutzkonzept für die Siedlung über das gesetzliche Mindestmaß hinaus geben – etwa eine Einhausung der Gleise. Zweitens seien Transporte während der Bauarbeiten grundsätzlich über die Schiene, nicht über die Straße, zu leisten; zudem müsste drittens vor Beginn der Arbeiten eine Beweissicherung an den umliegenden Häusern stattfinden. Außerdem wolle man über das weitere Verfahren informiert bleiben. Der Stadtentwicklungsausschuss, der fünf Tage später zusammentrat, vertagte seinen Beschluss in dieser Angelegenheit; zunächst sollen Gespräche zwischen Verwaltung, Bahn und der Anwohnerinitiative stattfinden.