Polizei und Atomkraftgegner bereiten sich auf den Start der Castor-Transporte in NRW vor. Die Atommüllbehälter sollen nachts von Jülich nach Ahaus rollen.
Polizei plant GroßeinsatzCastor-Transporte rollen bald durch NRW – Proteste formieren sich

Fahnen hängen in der Zufahrt zum Betriebsgelände am Forschungszentrum in Jülich, von wo die Castor-Transporte in Kürze starten sollen.
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Bei der NRW-Polizei laufen die Planungen auf Hochtouren. 152 Castorbehälter sollen in den nächsten Wochen und Monaten vom Forschungszentrum Jülich ins Atomzwischenlager Ahaus gebracht werden. Kernkraftgegner rechnen damit, dass die Transporte am Dienstagabend starten. „Uns erwartet die größte Castor-Lawine in der Geschichte der Bundesrepublik“, sagt Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“. „Das macht uns wütend und dazu werden wir nicht schweigen“, fügte die Aktivistin hinzu.
Am Dienstagabend um 18 Uhr soll eine Dauer-Kundgebung vor dem Forschungszentrum Jülich beginnen. Später wird eine nächtliche Mahnwache am Zielort Ahaus ihre Position einnehmen. Die Strecke ist rund 170 Kilometer lang. Die Polizei will den Transportweg mit einem Großaufgebot sichern.
Jahrelange Diskussionen um Atomtransporte
Um die Atomtransporte hatte es jahrelange juristische Auseinandersetzungen und politische Diskussionen gegeben, die durch ein komplexes Genehmigungsverfahren flankiert wurden. Im Kern ging es um die Frage, ob die Transporte durch den Neubau eines neuen Atomlagers in Jülich hätten verhindert werden können. Zunächst wurde diese Option verworfen, weil der Standort angeblich nicht erdbebensicher sein sollte. Als dies doch bescheinigt wurde, gab am Ende die Kostenfrage den Ausschlag für die Transporte. Ein Neubau in Jülich hätte Schätzungen zufolge mindestens 650 Millionen Euro gekostet. Für die Verlegung werden circa 150 Millionen Euro veranschlagt.
Der Atommüll in Jülich stammt aus dem AVR-Versuchsreaktor, der von 1967 bis 1988 auf dem Gelände des Forschungszentrums in Betrieb war. Die 300.000 Brennelementkugeln, die in den Castoren eingelagert wurden, sind hochradioaktiv. Für den Transport hat die Polizei ein Strahlenschutzkonzept erstellt. Darin wird geregelt, wie lange sich die Beamten maximal in der unmittelbaren Nähe der Behälter aufhalten dürfen.

Menschen nehmen in Ahaus an einer Mahnwache vor Beginn eines Bürgerdialogs zu den bevorstehenden Atommülltransporten teil.
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Schon jetzt steht fest, dass die Castor-Transporte zu einer erheblichen Belastung für die NRW-Polizei werden dürften. Denn die Wegstrecke – die noch geheim ist – enthält viele Engstellen, bei den Brücken darf eine maximale Gewichtsbelastung nicht überschritten werden. Daher soll zunächst jeweils nur ein Castor auf einem Spezialfahrzeug auf die Reise geschickt werden. Das heißt, dass 152 Transporte erforderlich wären. Eine Herkulesaufgabe, die sich über Jahre ziehen könnte.
Strecke der Castor-Transporte geleakt?
Die Gegner der Transporte kritisieren, dass die Verlegung des Atommülls keine endgültige Lösung des Problems darstellt. Denn die Genehmigung für das Lager in Ahaus ist bis 2036 befristet – dann müssten die Castoren erneut verlegt werden. Wann ein Atomendlager in Deutschland gefunden und betriebsbereit sein wird, ist derzeit noch völlig unklar.
Während die Polizei die Proteste der Atomkraftgegner für das größte Sicherheitsrisiko hält, warnen diese vor der Gefahr von Unfällen und eines Terrorangriffs. Anti-Atom-Initiativen halten das Sicherheitskonzept für gescheitert. Das Bundesverkehrsministerium hatte die Route offenbar indirekt selbst bekannt gemacht. Auf einer digitalen Plattform wurde eine Flugverbotszone für Drohnen veröffentlicht, die sich entlang der Autobahnen von Jülich nach Ahaus erstreckt. Als Grund wurde ein „polizeilicher Einsatz in Nordrhein-Westfalen“ genannt. Die Route ist die kürzeste Verbindung über das Autobahnnetz für die Transporte.
