Die Stadt Köln hat entschieden, die Genehmigung des „Meet & Eat“ am Rudolfplatz auslaufen zu lassen. Die Beroffenen fühlen sich im Stich gelassen.
„Empathielos“Händler kritisieren plötzliches Aus von „Meet & Eat“ auf dem Rudolfplatz

„Meet & Eat“ auf dem Rudolfplatz in Köln wird am 26. März zum letzten Mal stattfinden.
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Am Freitag (20. März) erreichte die Händlerinnen und Händler des „Meet & Eat“ eine erschütternde Nachricht: Der Feierabendmarkt am Rudolfplatz wird am 26. März zum letzten Mal stattfinden. Die Stadt Köln hat die Genehmigung des Markts auslaufen lassen.
Für Ana Aceval-Küpper, Betreiberin des Foodtrucks „Cantina la Dona“, kam diese Information völlig überraschend. „Ich hatte gerade einen Großeinkauf für die neue Saison gemacht“, sagt sie. „Bis zuletzt wurde davon gesprochen, dass der Markt weitergeführt werde, aber niemand sagte uns, dass dies womöglich ohne uns passieren würde.“ Mit dem Aus des Wochenmarkts sieht sie ihre Existenz gefährdet. „Die Kölner Politik hat uns ihre Unterstützung zugesichert“, sagt sie enttäuscht. „Nach zehn Jahren, der schweren Corona-Zeit und den herausfordernden Wintern. Das ist empathielos.“
Aceval-Küpper hat sich direkt mit einer E-Mail an den Oberbürgermeister gewandt, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt. Darin schreibt sie: „Die Art und Weise der Entscheidung und insbesondere der Kommunikation ist für uns nicht nachvollziehbar und trifft uns sehr. Die Information erfolgte kurzfristig [...] ohne Dialog und ohne jede Form der Abstimmung mit uns Händler*innen.“
Händlerinnen und Händler sehen ihre Existenz gefährdet
Sie kritisiert insbesondere den Zeitpunkt – nach den Wintermonaten und wenn die Jahresplanung der anderen Wochenmärkte bereits abgeschlossen sei. „Zu diesem Zeitpunkt hatten viele von uns bereits erhebliche Investitionen getätigt, Waren bestellt und ihre wirtschaftliche Planung auf die kommende Hochsaison bei ‚Meet & Eat‘ ausgerichtet.“
Auch Crêpe-Verkäuferin Laurence Hebel ist schockiert. „Ich habe darauf vertraut, dass die Behörden eine Lösung finden werden. Dass der Markt bestehen bleibt.“ Dass mit dem neuen Betreiber die Händlerinnen und Händler nicht bleiben konnten, war ihr nicht klar. In der kurzen Zeit einen neuen Platz auf einem Wochenmarkt zu finden, sei sehr schwer. Auch hätten die Standinhaberinnen und -inhaber für die kommenden Monate eingekauft und damit investiert. „Mein Cidre kommt zum Beispiel aus Frankreich. Da kann ich nicht nur zwei Flaschen bestellen.“ Auch sie sieht ihre Existenz durch das Aus des Markts gefährdet. Von dem neuen Betreiber habe sie zunächst durch den Artikel dieser Zeitung erfahren.
Die Stadt begründete das Aus in einer Pressemitteilung mit rechtlichen Anforderungen: Zu wenige Stände verkauften Rohwaren oder frische Lebensmittel, was den Vorgaben eines Wochenmarkts widerspreche. „Wir haben doch versucht, hier Frischwaren einzuführen, einen Bäcker, und einen Stand mit Feinkost. Um diese Uhrzeit funktioniert das aber nicht“, erklärt Laurence Hebel.
Auch der Ausschank von Alkohol ist ein Streitpunkt. Laut Gewerbeordnung darf Alkohol auf einem Wochenmarkt nur verkauft werden, wenn er aus selbstgewonnenen Erzeugnissen des Weinbaus, der Landwirtschaft oder des Obst- und Gartenbaus stamme. „Alle Händlerinnen und Händler des ‚Meet & Eat‘ haben eine Ausschanklizenz – die hat auch nicht wenig gekostet“, erklärt Ana Aceval-Küpper.
Betreiber ebenfalls überrascht
Auch David Frahsek von Meet & Eat-Betreiber Agrarkonzept ist von der Entscheidung überrascht. „Wir haben erst am 20. März den Bescheid erhalten, dass am 31. März Schluss ist, und haben direkt unsere Händlerinnen und Händler informiert.“ Er habe seitens der Behörden seit September 2025 signalisiert bekommen, dass das bestehende, außerordentlich gut funktionierende Konzept weitergeführt werde. Damals stand der Markt bereits einmal kurz vor dem Aus.
Zu Beginn des „Meet & Eat“ 2015 gab es Stände, die frische Waren anboten. Diese wurden jedoch von Kundinnen und Kunden nicht genutzt. Die Kritik am Ausschank von Alkohol kann er nicht nachvollziehen. „Es gab nie Beschwerden von Anwohnern.“ Es wirke auf ihn eher so, als wolle die Verwaltung einen rechtlich angreifbaren Punkt finden.
„Eine solche Atmosphäre gibt es in Köln kein zweites Mal“, sagt David Frahsek. Er war mit seiner Familie selbst jeden Donnerstag vor Ort. „Man kann damit nicht reich werden, aber ich habe mein Herzblut reingesteckt“, erklärt er abschließend. „Jetzt muss ich zusehen, dass ich meine Mitarbeiter weiter beschäftigen kann.“
Deutsche Marktgilde und Stadt Köln kontaktieren Händlerinnen
Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bei der Stadt Köln erklärt diese, dass der Betreiber Agrarkonzept am 9. September 2025 darüber informiert wurde, dass die Genehmigung des Markts nur bis zum 31. Januar bestehe. Diese Frist sei am 13. Januar mit Wissen des Betreibers verlängert worden – bis zum 31. März.
Über den Beginn des Interessenbekundungsverfahrens am 20. November 2025 sei dieser ebenfalls informiert worden. Weiter heißt es in der Antwort: „Der aktuelle Betreiber wurde, wie alle Teilnehmenden, am 20.03.2026 über das Ergebnis des Interessenbekundungsverfahrens informiert.“
Am Dienstag (25. März) haben sich die Stadt Köln und der neue Betreiber, die Deutsche Marktgilde, bei beiden Händlerinnen per E-Mail gemeldet. Die Deutsche Marktgilde gibt darin an, Gelegenheit zur Bewerbung zu geben. Und auch das Marktamt der Stadt weist auf den neuen Betreiber hin. „Es ist aber gar nicht klar, zu welcher Uhrzeit der neue Markt stattfinden wird – und es wird nicht das gleiche Konzept sein“, so Laurence Hebel. „Und natürlich sind wir auch auf den Ausschank von Alkohol angewiesen.“

Laurence Hebel betreibt den Foodtruck Délibon. Sie wurde vom Aus des Feierabendmarkts am Rudolfplatz überrascht.
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Hebel fragt sich, ob die Reaktion nur aufgrund des öffentlichen Drucks erfolgt sei. „Sonst hätten sie sich ja drei oder vier Wochen vorher melden können.“ Sie vermutet, dass der neue Markt aufgrund von Lage und Uhrzeit nicht lange bestehen bleibt.
Auch Ana Aceval-Küpper glaubt nicht, dass das Konzept eines normalen Wochenmarkts funktionieren wird. „Wir haben eine persönliche Beziehung zu unseren Kundinnen und Kunden. Es kamen auch viele alte Leute, über 80 Jahre alt, die bei uns Gesellschaft finden konnten, ins Gespräch gekommen sind. ‚Meet & Eat‘ war sehr menschlich.“ Manche hätten nicht einmal Geld gehabt und trotzdem etwas zu essen bekommen. „Öffentlich wird das so dargestellt, als gebe es ‚Meet & Eat‘ weiterhin. Aber dem ist nicht so.“
Ana Aceval-Küpper hat eine Online-Petition ins Leben gerufen, um den Feierabendmarkt am Rudolfplatz zu erhalten. Es sei bereits einmal gelungen, 7000 Unterschriften zu sammeln, wodurch der Markt gerettet werden konnte. Für den 2. April 2026 ruft sie zudem von 17 bis 19 Uhr zu einer Demonstration auf dem Rudolfplatz auf.

