Wegen nicht mehr zu bewältigender Sicherheitsauflagen zieht das Organisationsteam für den Blauen Abend 2026 die Reißleine. Es gibt jedoch die Hoffnung, dass das Veedelsfest zurückkehrt.
Blauer AbendNippeser Veedelsfest wurde zu groß

Der Blaue Abend musste in diesem Jahr ausfallen. (Archivbild)
Copyright: Bernd Schöneck
Erneut waren bei der 13. Auflage des Blauen Abends in Nippes am 6. September 2025 tausende Menschen durch die Straßen gezogen. Vom Sechzigveedel bis zur Niehler Straße, vom Theater „Studio Trafique“ kurz vor Mauenheim bis zum Inneren Grüngürtel hatten erneut 66 Teilnehmer ihre Läden mit blauen Girlanden geschmückt und bei bis 22 Uhr verlängerten Öffnungszeiten Sonderangebote, Mitmach- und Kreativaktionen, ein Kinderprogramm, Verkostungen, Getränke oder ein Musikprogramm geboten. Auf einem Veedelsplan waren alle teilnehmenden Läden und ihr Programm eingezeichnet. Vor allem auf den Plätzen im Zentrum des Veedels, auf Baudri-, Schill- und Wilhelmplatz, wurde es voll, wo mehrere Open-Air-Konzerte stattfanden. Was damals jedoch kein Besucher ahnte: Dieser „Blaue Abend“ ist vorläufig der letzte gewesen.
Vor rund einer Woche hatten das Organisationsteam um Buchhändlerin Dorothee Junck, Ron Volkmann vom Einrichtungsladen „NippS49“ und die Siebdruck-Spezialistinnen der „Druckschwestern“ die Absage des Blauen Abends 2026 verkündet. Grund hierfür waren die erforderlichen, für das kleine Team aber nicht mehr zu bewältigenden Sicherheitsanforderungen, weil so viele Menschen auf den Straßen und Plätzen unterwegs waren. Seit der Erstauflage 2012 hat sich der Blaue Abend über die Jahre immer mehr etabliert und Menschen auch weit über die Grenzen von Nippes hinaus angelockt.
Sperrungen wären nötig geworden
„Es hatte sich abgezeichnet“, bilanziert Dorothee Junck vom Buchladen Neusser Straße, die von Anfang an bei der Organisation des Blauen Abends dabei war. „Seit zwei Jahren hatte die Polizei unser Event begleitet; im vorigen Jahr sagte sie, dass wir es nicht mehr so weiterlaufen lassen können.“ Aufgrund der Menschenmassen etwa am Wilhelmplatz wären Autos kaum mehr durchgekommen. Deshalb wären diesmal teure und organisatorisch aufwändige Straßensperrungen nötig geworden – ein Problem ähnlich wie bei den Karnevalszügen in den Veedeln. „Einer von uns hätte zudem in die haftungs- und versicherungstechnische Verantwortung gehen müssen, und das sahen wir für uns einfach nicht mehr vor.“
Die bisherigen Auflagen des jährlichen Veedels-Festivals, nur durch Corona unterbrochen, sieht sie als Erfolg. „Es war weit mehr als ein kommerzielles Fest, nämlich ein Nachbarschaftsfest, und das Ende tut vielen Leuten in Nippes leid.“ Sie hat jedoch die Hoffnung, dass der Blaue Abend in einer anderen Form zurückkommt; dafür bräuchte es jedoch breitere Schultern und ein Bündnis im Ort, sowie Unterstützung durch Politik und Bezirk, um den Aufwand zu stemmen.
Zusammenarbeit erwünscht
Auch der Nippeser Vize-Bezirksbürgermeister Henning Meier (SPD) sieht Chancen auf eine Rückkehr des Fests. Man habe noch nicht konkret in der Fraktion darüber gesprochen, aber: „Es gibt in der Bezirksvertretung Nippes eine große Unterstützung für das Format, das für Nippes wunderbar ist und gerade durch den großen Zuspruch an seine Grenzen kam“, findet er. „Wir müssen alles dafür tun, dass dieses Event in den kommenden Jahren wieder stattfinden kann.“ Nötig hierfür wäre auch ein Schulterschluss und eine Zusammenarbeit von mehreren Akteuren im Veedel, um die Organisation stemmen zu können. Ein zentrales Problem bleibe die Haftung für den Fall, dass etwas passiert.

