Wegen des Gewitters vor einer Woche ließ die Stadt die neuen Schaugewächshäuser räumen. Dies ist der Konstruktion des Gebäudes geschuldet.
Gewitterfront in KölnGäste müssen Schaugewächshäuser in Flora räumen

Laut Gutachten wäre ein Blitzschutz für die neuen Schaugewächshäuser zwar möglich, aber nicht sinnvoll gewesen.
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Als vor gut einer Woche eine Unwetterfront über weite Teile von Köln, so auch über Riehl, zog, sorgte dies für turbulente Szenen in den prachtvollen, Mitte Juni der Öffentlichkeit übergebenen neuen Schaugewächshäusern im Botanischen Garten: Infolge des Gewitters ließ die Stadt die Gewächshäuser aus Sicherheitsgründen räumen. Rund 30 bis 40 Personen hielten sich zu dem Zeitpunkt in den Schaugewächshäusern auf, erinnert sich der Leser Klaus Gimpel, der ebenfalls zugegen war.
Über die Aufforderung, das Gebäude zu verlassen, habe er sich gewundert, so Gimpel – immerhin hätten er und die anderen Gäste sich in einem überdachten, vor Blitzen vermeintlich geschützten Bereich befunden. Stattdessen habe man hinaus in den Park – das heißt, ins Gewitter sowie den phasenweise sehr intensiven Regen – gemusst, was die anwesenden Personen nicht gerade begeistert hätte. Auch Diskussionen mit dem Personal hätten nicht bewirkt, dass man im Gebäude hätte bleiben können. Darüber habe er sich sehr geärgert. Um das Vorbeiziehen der Unwetterfront abzuwarten, wich er dann in einen vergleichsweise geschützten Bereich nahe der Gewächshäuser aus – bis Regen und Gewitter schließlich nachließen.
Stadt: Blitzschutz war möglich, aber nicht sinnvoll
Das Vorgehen habe seine Richtigkeit gehabt, bestätigt Stadt-Pressesprecherin Sabine Wotzlaw. „Die Vorgaben zum Betrieb der Schaugewächshäuser beinhalten, dass die Häuser bei Unwetter und Gewitter zu räumen und anschließend zu schließen sind“, erläutert sie. „Die Aufsichtsdienste sind angewiesen, dementsprechend zu handeln.“
Zwar bildeten die Schaugewächshäuser durch ihr elektrisch leitendes Material grundsätzlich einen „Faradayschen Käfig“, der den Innenraum vor äußeren elektrischen Feldern und elektromagnetischen Wellen – so auch Blitzen – abschirmt (wie es etwa ebenfalls auf Autos zutrifft, sofern alle Fenster, Türen und das Schiebedach geschlossen sind). Dies gelte jedoch nicht für die einzelnen Fensterelemente, die aufgrund ihrer Isolierung mit Gummidichtungen zwischen Glas und Stahl nicht blitzgeschützt seien. „Die Isolierung unterbricht die Ableitung der Blitze in den Stahl.“
Laut eines externen Gutachtens während der Planungsphase sei ein Blitzschutz für die Schaugewächshäuser zwar baulich möglich, aber nicht sinnvoll gewesen, da er die Nutzung hinsichtlich Öffnung von Fenstern und auch Reinigung zu sehr eingeschränkt hätte. „Dazu wären Fangstangen an nahezu jeder Kreuzung zweier Stahlstreben nötig gewesen und die Bogen-Konstruktion aus Stahl und Glas hätte am Ende wie ein Mett-Igel ausgesehen“, so die Stadt-Sprecherin.
Zoo entscheidet situativ
Beim benachbarten Kölner Zoo ist man ebenfalls auf alle Arten von Unwettern vorbereitet. „Es gibt beispielsweise Pläne für Starkregen-Ereignisse“, heißt es dort. Man entscheide über ein Vorgehen situativ; derartige Anlässe seien aber selten – wie vor zwei Jahren, als der Tierpark wegen einer bestehenden Unwetterwarnung vorsorglich geschlossen wurde. „Im Zoo ist man sicher“, betont man. Dazu trägt auch die engmaschige Kontrolle des Baumbestands im Park bei, um bei Sturm keine unliebsamen Überraschungen zu erleben. Beim betreffenden Unwetter vor einer Woche hätten sich die Parkgäste einfach untergestellt, und kurz darauf habe der Zoo-Bummel schon wieder weitergehen können.

