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Hedwig Neven DuMont wird 80„Keine von diesen Charity-Ladys“

3 min
16.08.2020
Köln:
Hedwig Neven DuMont bekommt im Ratssaal die Ehrenbürgerwürde
Foto: Martina Goyert

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos, l.) überreicht Hedwig Neven DuMont  im Ratssaal die Urkunde zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde.

Die frühere Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat Hedwig Neven DuMont 2011 kennengelernt. Schon ihre erste Begegnung war denkwürdig.

Frau Reker, wie haben Sie Hedwig Neven DuMont erlebt, so von OB zu Ehrenbürgerin?

Die erste Begegnung mit ihr hatte ich schon als neue Sozialdezernentin Anfang 2011, just am Tag der Prinzenproklamation. Sie hatte mich ins Verlagshaus an der Amsterdamer Straße eingeladen, um mir „wir helfen“ vorzustellen. Aber im Grunde wollte sie mir – sehr freundlich, sehr verbindlich - auf den Zahn fühlen: Wie versteht sie das Soziale in Köln? Sie schien ganz zufrieden, und dann ging die Tür auf, herein kam der Verleger, ihr Mann Alfred Neven DuMont, mit einem Krätzchen. Als Kölnerin und Karnevalistin erkannte ich sofort die Besonderheit: rot und mit Brillanten besetzt. „Ah“, sagte ich, „Sie waren mal Prinz!“ – „Ja, 1955.“ – „Ich bin Jahrgang 1956, da habe ich Sie knapp verpasst.“

Interessant – wir reden über Hedwig Neven DuMont, und alsbald kommt ihr Mann ins Spiel.

Ja, das ist schon symptomatisch. Es hat sich für sie auch bestimmt nicht immer einfach gelebt im langen Schatten eines großen Mannes. Ich selbst habe die beiden zusammen nur noch sehr kurz erlebt, in der Zeit meiner OB-Kandidatur. Da war er immer ausgesprochen liebevoll zu ihr. Nach Alfred Neven DuMonts Tod hat seine Witwe sich dann sehr um mich gekümmert. Sie hat gesagt, „Alfred wäre die Unterstützung ja auch wichtig gewesen“. Also hat sie das auf ihre Weise fortgeführt. Zum Beispiel war sie es, die mir geraten hat: „Ein Medientraining wäre nicht schlecht.“ Die beiden haben mehr von mir gehalten als ich selbst. Ich allein wäre ja nicht auf die Idee gekommen, OB werden zu wollen.

Sie haben in diesem Amt viele Menschen für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Was macht Hedwig Neven DuMont als Ehrenbürgerin besonders?

Vielleicht schon die Tatsache, dass sie diese Ehrung nicht so wichtig fand. Manch einer hechelt ja regelrecht hinter diesem Titel her. Nicht so Hedwig Neven DuMont. Das Bemerkenswerte an ihr ist – einmal abgesehen von der Breite des Engagements von „wir helfen“ und der gewaltigen Summe, die die Leserinnen und Leser des „Kölner Stadt-Anzeiger“ über die Jahre gespendet haben – die Offenheit für jeglichen Bedarf an Unterstützung. Sie hat sich immer gerade da eingesetzt, wo sonst keiner so richtig hinschaut und erst recht nicht hingeht.

Oder wofür die Stadt kein Geld hat…

Ja natürlich, aber das gilt ja für das Engagement der Ehrenamtlichen in Köln insgesamt: Ohne sie würde die Stadt nicht funktionieren, schon gar nicht im Bereich Jugend und Soziales. Auf den Einsatz von mehr als 200.000 Kölnerinnen und Kölnern kann die Stadt wirklich stolz sein. Insofern steht Hedwig Neven DuMont auch stellvertretend – pars pro toto – für so viele Menschen. Sie ragt heraus, ist dabei aber überhaupt keine von diesen typischen Charity-Ladys, die sich auch gern selbst ins Licht stellen. Das hatte sie nie nötig. Die Bescheidenheit war ihr anzumerken und auch anzusehen. Wenn ich daran denke, wie lange sie ihre Abendkleider getragen hat. Das hat mir immer imponiert. Oder wie wenig Wert sie auf Äußerlichkeiten, auf teure Accessoires legt. „Viel Schmuck macht alt“, hat sie einmal zu mir gesagt. Was übrigens stimmt – schauen Sie sich nur um!


Henriette Reker, geb. 1956 in Köln, war von 2015 bis 2025 die erste Oberbürgermeisterin in der Geschichte Kölns. Zuvor war die parteilose Juristin Sozialdezernentin in Gelsenkirchen und ab 2010 in Köln. Heute ist sie unter anderem Vorstandsvorsitzende im Förderverein Romanische Kirchen und arbeitet in der Bertelsmann-Stiftung mit. (jf)