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Hedwig Neven DuMont wird 80Die unkonvontiell Engagierte

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Hedwig Neven DuMont aus der Verlegerfamilie Neven DuMont auf der Benefiz-Gala der Colombinen Colombina Colonia e. V. in der Kölner Flora. An diesem Abend, wurden Spendengelder in Höhe von insgesamt 100.000,- Euro an Organisationen für hilfsbedürftige Frauen und Kinder aus Köln überreicht. Köln, 03.09.2022 NRW Deutschland

Hedwig Neven DuMont

Hedwig Neven DuMont, Gründerin von „wir helfen“ und Kölner Ehrenbürgerin, vollendet am 9. August 2026 ihr 80. Lebensjahr – ein Porträt ihres Wirkens.

Hedwig Neven DuMonts Motivation zum Einsatz für andere entsteht jeden Tag neu, noch vor dem Aufstehen. „Ich wache auf und denke, was für ein Glück ich hatte. Davon möchte ich etwas zurückgeben.“ Was manch einer, mit dem das Schicksal es gut gemeint hat, halt so sagt, das löst die Witwe des Kölner Verlegers Alfred Neven DuMont, bis zu seinem Tod 2015 Herausgeber des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und des „Express“, seit Jahrzehnten auf vielfältige Weise ein. Im Großen wie im Kleinen.

Als Hedwig Neven DuMont nach dem Tod ihres Mannes von Forsbach im Bergischen Land nach Köln übersiedelte, machte sie sich eine wechselnde kleine Morgenrunde durch die Altstadt zur Gewohnheit: Erst zum Bäcker, Brötchen und Teilchen holen. Und damit dann an ein paar Stellen, von denen sie weiß, dass hier Obdachlose lagern. Die sollen schließlich auch was Vernünftiges zum Frühstück haben. So erzählen es Familie und Freunde.

Seit ihrem Umzug in eine Wohneinrichtung für Senioren hat Hedwig Neven DuMonts Radius sich verkleinert. Geblieben ist ihr großes Herz für Bedürftige, allen voran für Kinder. Als „unkonventionell“ Engagierte hat die Feministin Alice Schwarzer Hedwig Neven DuMont einmal beschrieben: nie im Vordergrund, aber immer sichtbar. Wer sie mit ihrem Smart durch die Stadt kurven sah, um Sozialstationen, Notunterkünfte für Geflüchtete, stationäre Wohneinrichtungen, Jugendzentren oder von ihr unterstützte Kulturprojekte zu besuchen und mit den Menschen dort zu sprechen, konnte sofort verstehen, was Schwarzer meinte. Hedwig Neven DuMont ist keine, die sich mit denen gemein macht, um die sie sich kümmert. Ihr sozialer Status und das sanfte, distinguierte Auftreten einer Frau aus bestem Hause stünden dazu in einem kaum überbrückbaren Widerspruch. Aber zugewandt und nahbar – das ist Hedwig Neven DuMont in einem Maß, dass sich ihr Herzen und Türen öffnen, wo immer sie hinkommt.

Mit „wir helfen“ verlässlich zur Stelle

Untrennbar mit ihr verbunden ist „wir helfen“, der Unterstützungsverein des Verlags M. DuMont Schauberg für Kinder und Jugendliche, die es schwer haben im Leben. Die Anfänge reichen zurück in die 1990er Jahre. Weil in Köln ein Schul- und Therapiehaus für psychisch kranke Kinder und Jugendliche fehlte, die längere Zeit stationär in der Uniklinik behandelt werden, rief Hedwig Neven DuMont 1993 im „Kölner Stadt-Anzeiger“ zu Spenden auf. Im von ihr geleiteten „studio dumont“, seit den 1960er Jahren ein Ort für Begegnung, Dialog und Diskussion in der Kölner City, stellte sie Bilder von Betroffenen aus. Fast eine Million Mark an Spenden kamen für die „Villa Kunterbunt“ zusammen – und ein lange tabuisiertes Thema war plötzlich in aller Munde.

So ging es weiter: Ein sozialer Missstand, eine Notlage, ein konkreter Bedarf – und schon war Hedwig Neven DuMont mit „wir helfen“ zur Stelle, schuf Anlaufstellen und Räume für Obdachlose („Ein Haus der Hoffnung“, „Schlafstelle Comeback“), für junge Prostituierte ohne Wohnsitz, für Flüchtlinge, Hochwasseropfer, Jugendliche mit besonderem Förderbedarf… Kinder, vor allem benachteiligte Kinder, erreichen immer und unmittelbar ihr Herz. „Ich wäre kein Mensch, wenn mich das nicht anrühren würde“, hat sie einmal gesagt.

Eröffnung des Duda Leseclubs an der GGS Spoerkelhof mit Hedwig Neven DuMont.
Köln
05.10.2018

copyright by Michael Bause

Hedwig Neven DuMont als Vorleserin

Mit der Zeit wurde das jährlich wechselnde Motto der „wir helfen“-Spendenkampagne allgemeiner, die Förderung breiter. Heute unterstützt „wir helfen“, seit 1998 ein gemeinnütziger Verein, mehr als 160 Projekte im Jahr. Die Summen reichen von wenigen Hundert bis zu mehreren Zehntausend Euro. Das Gesamtvolumen der Spenden in den vergangenen 28 Jahren beläuft sich auf annähernd 40 Millionen Euro. 2025 ernannte der inzwischen von Hedwig Neven DuMonts Tochter Isabella mitgeführte Verein seine Gründerin zur Ehrenvorsitzenden.

Eine Kämpferin - liebenswürdig im Ton, unnachgiebig in der Sache

Aus privaten Mitteln der Familie speist sich das Kapital der 2007 gegründeten Alfred-Neven-DuMont-Stiftung. Hier drang die Frau des Verlegers auf einen Hilfeschwerpunkt im globalen Süden, genauer in Ostafrika. Mehrfach bereiste sie mit ihrem Mann die Region und besuchte die von der Stiftung geförderten Projekte, begleitet vom katholischen Hilfswerk „misereor“, der Welthungerhilfe sowie vom früheren Chefredakteur und langjährigen Afrika-Korrespondenten des „Kölner Stadt-Anzeiger“, Peter Pauls. „Einmal“, erinnert sich Pauls, „gerieten wir in Nairobi mitten in ein riesiges Slumviertel, das buchstäblich auf Müll gebaut ist. Dass finstere Gestalten um sie herum mit halbautomatischen Waffen fuchtelten, schien Hedwig DuMont nicht im Mindesten zu stören. Sie war schließlich unterwegs, um Kinderschuhe aufzutreiben.“ Ob das unerschrocken war oder fast sträflich naiv? „Der Wunsch zu helfen, war stärker als die etwaige Angst.“

Auch das charakterisiert das Wirken Hedwig Neven DuMonts: Wenn es darauf ankommt, ist sie eine Kämpferin, liebenswürdig im Ton, unnachgiebig in der Sache. Wenn sie mit gewissem Nachdruck in der Stimme einen Satz sagt wie „also, ich möchte schon darauf bestehen …“, dann – so Peter Pauls – wird es für das Gegenüber eng.

„Krönung meines Lebens“

Ein gewandtes, sicheres Auftreten ist Hedwig Neven DuMont, wie man so sagt, in die Wiege gelegt. Sie entstammt dem altehrwürdigen österreichischen Adelsgeschlecht derer von Auersperg. Mit gerade 18 lernte die Kunststudentin in Köln ihren späteren Mann kennen. Sie „besaß den bezaubernden Charme eines glücklichen Mädchens“, schreibt Alfred Neven DuMont in seinen Erinnerungen. „Ihre Augen blitzten, und ihr Lachen schien heller als bei anderen – ich merkte auf.“

In der Boulevard-Presse war ungefähr zeitgleich zu lesen, es seien „gerade zwei Prinzessinnen auf dem Heiratsmarkt“. Doch kaum für bürgerliche Aspiranten. Trotzdem heirateten Hedwig von Auersperg und Alfred Neven DuMont im Sommer 1966 – mit ausdrücklicher Zustimmung der Brauteltern zur Ehe ihrer noch minderjährigen Tochter mit einem fast 20 Jahre älteren Mann. In den kommenden drei Jahren kamen ihre Kinder Markus (Spiridon), Isabella und Konstantin zur Welt.

„Meine Mutter“, sagt Isabella Neven DuMont, „gehört zu der Generation, die Jugendliche heute als 'hobbylos' bezeichnen würden. Ihre wichtigste Aufgabe war es, die Frau meines Vaters zu sein. Und wer meinen Vater kannte, weiß, dass das ein Fulltime-Job war.“ Alfred Neven DuMont selbst schreibt ihr den zentralen Platz in seinem Leben zu. „Sie wurde nicht nur meine Frau, Geliebte und die Mutter von drei Kindern, sondern auch meine beste Freundin und Ratgeberin in all den vielen beruflichen Entscheidungen, die zu fällen waren“ – die „Krönung meines Lebens“, lautet das Resümee.

Hedwig und Alfred Neven DuMont auf der Prinzenproklamation 2011 im Kölner Gürzenich.

Hedwig und Alfred Neven DuMont auf der Prinzenproklamation 2011 im Kölner Gürzenich.

Würdigungen ihres Wirkens sind Hedwig Neven DuMont auch von anderer Seite zuteil geworden. Sie ist unter anderem Trägerin des „Ehrenrings“ des Landschaftsverbands Rheinlands (2015), des NRW-Verdienstordens (2009) und des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2006). Im Jahr 2020 verlieh der Rat der Stadt Köln ihr die Ehrenbürgerschaft in Anerkennung ihres „jahrzehntelangen großen sozialen Engagements“. Sie ist damit nach der Mäzenin Irene Ludwig erst die zweite Kölner Ehrenbürgerin. „Hedwig Neven DuMont ist eine Frau der leisen Töne, aber mit einer großen Wirkung“, sagte die damalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). „Eine Frau, die sich persönlich zurücknimmt, um voll und ganz der Sache zu dienen.“

Die Ehrenbürgerin selbst reichte die Auszeichnung symbolisch weiter – an Köln und seine Bürgerschaft. „Was wir auf die Beine gestellt haben, das wäre ohne diese Stadt ja gar nicht möglich. Und deshalb möchte ich nochmal betonen: Ich übernehme diese Ehrenbürgerschaft im Namen aller Kölner, die immer wieder rührend und toll, selbst mit Kleinstbeträgen, weil sie nicht viel haben, geholfen haben.“

Doppelte Kölner Ehrenbürgerschaft

Kaum etwas könnte das menschenverbindende Charisma Hedwig Neven DuMonts besser zum Ausdruck bringen als die Tatsache, dass sie 2011, neun Jahre vor ihrer Ernennung zur Ehrenbürgerin der Stadt, bereits die „alternative Ehrenbürgerschaft“ erhielt. Ein „Bürgerkomitee“ um den Publizisten Martin Stankowski und den 2012 gestorbenen Kabarettist Heinrich Pachl hatte diese Ehrung 2002 initiiert – ausdrücklich in Opposition zur Ehrenbürger-Würde für Alfred Neven DuMont. Linksintellektuelle Szene versus städtisches Establishment. Wir da unten gegen die da oben.

Und ausgerechnet die Frau des Verlegers sollte nun zusammen mit dem Aktivisten und Gründer des „Rom e.V.“ Kurt Holl (1938 bis 2015) in die Riege der alternativen Ehrenbürger eintreten? Wer immer infolge dieser – durchaus prekären – Konstellation – Reibungen, schrille Töne oder Missklänge erwartet haben mochte, den belehrte Hedwig Neven DuMont eines Besseren: Auch hier nahm sie die Ehrung „pars pro toto“ entgegen – für alle, denen an einem sozialen Köln und an einem gelingenden Miteinander liegt.

Am 9. August wird Hedwig Neven DuMont 80 Jahre alt. „Ihr Geburtstag“, sagt Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester, „ist ein Feiertag für unsere Stadt, denn ihr Lebenswerk verkörpert das soziale Miteinander in Köln“. Hedwig Neven DuMont habe „eindrucksvoll gezeigt, wie viel sich mit privatem Engagement, mit echter Menschlichkeit bewirken lässt“. Damit hat Hedwig Neven DuMont Maßstäbe gesetzt und Spuren hinterlassen. In der Stadt, aber mehr noch bei den ungezählten Menschen, denen sie geholfen hat. Und bei denen, die ihr dabei geholfen haben.